Der Stiftung ist es gelungen, ein weiteres durch den Bund gefördertes Projekt nach Schleswig-Holstein zu holen. „Klimafarm - Ökonomisch und ökologisch tragfähige moorbodenerhaltende Grünlandbewirtschaftung", so heißt das neue Verbundprojekt, das aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) mit insgesamt rund 12,4 Millionen Euro gefördert wird.

Die Stiftung konnte die Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) ins Boot holen, um dieses Vorhaben mit Forschungen zu begleiten und beispielsweise die Treibhausgasmessung auf den Projekt-Flächen durchzuführen.

Projektstart: 17. Dezember 2021

Laufzeit: 10 Jahre

Projektvolumen: 15,5 Mio. Euro

Fördervolumen: 12,4 Mio. Euro, davon gehen 4,2 Mio. Euro an die CAU

Antragstellende: Stiftung Naturschutz als koordinierende Partnerin

Moorbauern brauchen Alternativen

Mehr als 90 % der Moorböden in Deutschland und Schleswig-Holstein wurden in den letzten Jahrhunderten entwässert, um sie vor allem landwirtschaftlich zu nutzen. Doch diese Landwirtschaft auf trockengelegten Moorböden trägt erheblich zum Klimawandel bei und steht heute vor großen Herausforderungen.

Entwässerte Moore geben laufend klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre ab, allein in Deutschland über 53 Millionen Tonnen jedes Jahr. Das sind 7 % der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen, im moorreichen Bundesland Schleswig-Holstein beträgt der Anteil mit 3,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente sogar 18 %. Das können wir uns mit dem Blick auf 2030 und dem Anspruch einer klimaneutralen Lebensweise nicht mehr leisten. Erhöht man hingegen den Wasserstand wieder, wird ein Großteil dieser Emissionen gestoppt, nach einiger Zeit können vernässte und renaturierte Moore sogar wieder aktiv CO2 aus der Atmosphäre speichern.

Paludikultur

Der Schlüssel, diese Emissionen zu vermeiden, liegt in der Vernässung der Moore. Im Verbund entwickeln die hochkarätigen Akteure aus Schleswig-Holstein in diesem Pilotvorhaben eine ökonomisch und ökologisch tragfähige Nassgrünlandbewirtschaftung auf Moorböden. Die sogenannte Paludikultur soll Landwirt*innen eine attraktive Alternative bieten, die neue Wertschöpfung mit den beiden größten Herausforderungen unserer Zeit, den Kampf gegen den Klimawandel und den Schutz der Biodiversität, verbindet. Ziel ist es, dass sich Landwirt*innen vermehrt für diese Nassbewirtschaftung entscheiden, dafür den Wasserstand auf ihren Moorböden erhöhen und mit neuen Produkten Geld verdienen. Damit könnten jedes Jahr viele tausend Tonnen CO2-Emissionen aus den Moorböden vermieden werden. Gut fürs Klima und eine neue Perspektive für die Landwirtschaft.

Ein Video zur Mähraupe finden Sie hier.

Klimafarm Erfde

Diese Alternativen werden auf der Klimafarm von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im Verbund mit der CAU und weiteren Akteuren aus Wissenschaft, Landwirtschaft sowie Moor- und Klimaschutz entwickelt. Dafür wird ein Modellbetrieb für die Nassgrünlandbewirtschaftung (Paludikultur) in Erfde, mitten im moorigen Herzen Schleswig-Holsteins, aufgebaut. Von hier aus sollen rund 400 Hektar Grünland gemanagt werden.

Projektziele

  1. Klimaschutz durch deutliche Reduktion der THG-Emissionen aus Moorböden durch Vernässung und extensive, moorbodenerhaltende Grünlandnutzung.

  2. Erprobung und Weiterentwicklung praxistauglicher Verfahren zur moorbodenerhaltenden Grünlandbewirtschaftung und Aufbau von Wertschöpfungsketten als Grundlage für die großflächige Umsetzung moorbodenerhaltender Grünlandbewirtschaftung.

  3. Verankerung der Grundlagen des Moor- und Klimaschutzes und der erprobten Verfahren zur moorbodenerhaltenden Grünlandbewirtschaftung bei Landwirt*innen, beim Fachpublikum und in der breiten Öffentlichkeit.

Vernässung und Renaturierung

Die Expert*innen der Stiftung Naturschutz haben mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Wiedervernässung von Mooren. Dabei wird das Gelände so umgebaut, dass das Wasser im Moor gehalten wird, umliegende Flächen davon aber nicht berührt werden. Bisher konventionell genutzte Moorboden-Flächen werden vernässt und ihre Entwicklung zu Feuchtgrünland wissenschaftlich begleitet, allen voran die Veränderung der Treibhausgasemissionen. Die Expert*innen der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät an der CAU Kiel werden mit den innovativsten Techniken zu Treibhausgas-Messungen die Effekte verschiedener Strategien der Wiedervernässung auf die Emissionen und ebenso auf den CO2-Fußabdruck der neu entwickelten Produkte erfassen. Rund 298 Hektar sollen während der Projektlaufzeit optimal vernässt werden.

Bewirtschaftungstechniken und Vermittlung

Bereits bestehende Techniken für die Mahd auf nassen Böden werden auf der Klimafarm gemeinsam mit Expert*innen und Landmaschinen-Herstellern weiterentwickelt. Geplant ist auch eine Zusammenarbeit mit dem agrarökonomischen Fachbereich der Fachhochschule Kiel: Im Rahmen eines Hackatons sollen die Studierenden an neuen Formen der Nassbewirtschaftung tüfteln. Die auf der Klimafarm erfolgreich erprobten Techniken und Maschinen werden interessierten Landwirt*innen auf Feldtagen und in Weiterbildungen für die Anwendung auf den eigenen Flächen vermittelt.

Produktentwicklung und Wertschöpfung

Das Mahdgut wird anschließend direkt auf der Klimafarm getrocknet und für den Transport zu Pellets gepresst. In enger Zusammenarbeit mit Produzenten wird so ein Rohstoff für die Verarbeitung zu Graspapier oder Pflanzenkohle geschaffen. Daraus können Unternehmen beispielsweise Versandkartons, Baustoffe oder Bodenverbesserer herstellen. So entstehen alternative Wertschöpfungsketten für Landwirt*innen mit klimafreundlichen Endprodukten, die herkömmliche (fossile) Rohstoffe ersetzen können.

Artenschutz

Neben dem Schutz des Klimas entsteht auf den vernässten Flächen wertvoller Lebensraum für zahlreiche ans Moor angepasste Arten. Gleichzeitig bleiben über regelmäßige Mahd die offene Kulturlandschaft für brütende Wiesenvögel und rastende Zugvögeln erhalten. Wissenschaftlich untersucht werden die Effekte von Wiedervernässung und Mahd auf die Biodiversität durch Pflanzen- und Tierökologen der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der CAU Kiel. Auf dieser Basis können Landwirt*innen mit der Nassbewirtschaftung aktiv für die Erhaltung der Biodiversität sorgen, die sowohl der angrenzenden Landwirtschaft als auch der gesamten Gesellschaft zugutekommt.

Weitere Informationen

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Fördergeber

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) fördert das Vorhaben aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Insgesamt unterstützt das BMUV bundesweit vier Pilotvorhaben, die neue Bewirtschaftungsformen auf landwirtschaftlich genutzten, wiedervernässten Moorböden erproben. Die Mittel werden über den Energie- und Klimafonds (EKF) der Bundesregierung bereitgestellt. Die Pilotvorhaben sollen Lösungswege zur Senkung der Treibhausgasemissionen aus bewirtschafteten Moorböden aufzeigen und Erkenntnisse für den Klimaschutz gewinnen. Zuständige Projektträgerin ist die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH. Weitere Informationen unter www.z-u-g.org/aufgaben/pilotvorhaben-moorbodenschutz

Verbund-Partner

Die CAU führt die projektbegleitenden wissenschaftlichen Untersuchungen durch.  

Presse: Informationen & Bilder

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"Mithilfe der Eddy-Kovarianz-Technik werden die Treibhausgasemissionen an vier Moorstandorten in der Projektregion über viele Jahre gemessen. Dadurch können die durch Wiedervernässung eingesparten Emissionen genau ermittelt werden."

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Bildautor: Arne Poyda