Biologischer Klimaschutz

Moore sind Feuchtgebiete, die aus Niederschlägen, Grundwasser oder anderen Quellen ständig mit Wasser versorgt werden. In den nassen Böden mangelt es an Sauerstoff, so dass Pflanzenreste nicht abgebaut werden, sondern sich ansammeln. So entsteht gut ein Meter Moorboden in tausend Jahren. Mit den Pflanzenresten bleibt auch der Kohlenstoff, den die Pflanzen gespeichert haben, im Boden gebunden.

Das Hochmoor bezieht das Wasser ausschließlich aus Niederschlägen, ist sehr nährstoffarm und hat niedrige pH-Werte, ist also saurer. Als Niedermoore bezeichnet man alle Moore, die im Gegensatz dazu von Grundwasser gespeist werden. Experten unterscheiden verschiedene Typen wie Verlandungsmoor, Quellmoor und Überflutungsmoor. Je nach Beschaffenheit und Herkunft des Wassers unterschieden sich diese Moor-Ökosysteme stark voneinander.

Moore sind Feuchtgebiete, deren Böden ständig nass sind. Die Pflanzen, die hier wachsen, wie Torfmoose, Schilf und Seggen nehmen, wie alle Pflanzen, CO2 aus der Atmosphäre auf und speichern den darin enthaltenen Kohlenstoff.

Abgestorbene Teile dieser Pflanzen werden nicht biologisch abgebaut, da im nassen Boden der Sauerstoff fehlt. Sie sammeln sich Schicht für Schicht an. Mit den Pflanzenresten bleibt auch der Kohlenstoff, den die Pflanzen gespeichert haben, im Boden gebunden. Ein natürlicher CO2-Speicher ist entstanden.

Werden die Moore entwässert, kommen die Pflanzenreste in Kontakt mit der Luft. Sie fangen an, sich zu zersetzen und geben den gebundenen Kohlenstoff als klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre ab.

Erhöht man den Wasserstand wieder, wird die Emission gestoppt. Nach einiger Zeit fängt das Moor wieder zu wachsen an, die Speicherfunktion wird reaktiviert.

Wie viel CO2 ein entwässertes Moor abgibt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Am meisten beeinflussen der Wasserstand, also der Grad der Entwässerung, und die Nutzung die Emission. Ein intensiv genutztes, mit tiefen Gräben und Drainagen stark entwässertes Maisfeld stößt mehr CO2 aus als ein extensiv genutztes Grünland, das nur mit flachen Gräben entwässert wird.

Im Mittel lässt sich sagen: Ein Hektar entwässerter, landwirtschaftlich genutzter Moorboden gibt jedes Jahr gut 10 t CO2-Äquivalente in die Atmosphäre ab. Ein Hektar intaktes, nasses Moor entzieht der Atmosphäre dagegen bis zu 4 t CO2 im Jahr.

Bei einem intakten Moorboden sind alle Poren mit Wasser gefüllt wie bei einem vollgesogenen Schwamm. Die Bodenteilchen, die ja aus Pflanzenresten bestehen, „schwimmen“ sozusagen im Wasser. Wenn das Moor entwässert wird, drückt das Eigengewicht den Boden zusammen. Je weiter das Wasser abgesenkt wird, desto größer wird der Druck und umso weiter sackt das Moor zusammen.

Dazu kommt, dass der Moorboden durch die Absenkung des Wasserstands in Kontakt mit Sauerstoff kommt und mineralisiert. Das heißt, die im Wasser konservierten Pflanzenreste beginnen, sich zu zersetzen, der gespeicherte Kohlenstoff wird als CO2 freigesetzt.

Im 17. Jahrhundert wurde in Schleswig-Holstein begonnen, vorher ungenutzte Moorflächen trocken zu legen. Bei den Hochmooren galt das Interesse zunächst dem Torf, der als Brennstoff genutzt wurde. Die entwässerten Moorflächen konnten dann auch als Äcker, Wiesen und Weiden genutzt werden, um eine wachsende Bevölkerung zu ernähren. Heute sind ca. 90% der Moore in Deutschland entwässert, der Großteil wird landwirtschaftlich genutzt.

In nassen Mooren entsteht Methan, das pro Tonne klimaschädlicher ist als CO2. Der positive Effekt einer Vernässung für das Klima überwiegt aber deutlich, da die Methanemissionen nasser Moore pro Hektar Moor viel geringer sind als die CO2-Emissionen entwässerter Moore. Zudem wird Methan in der Atmosphäre schneller abgebaut als CO2 und belastet das Klima daher nur vorübergehend.

Als Kohlenstoffspeicher sind Moore wesentlich effektiver als Wälder. Weltweit betrachtet bedecken Moorböden zwar nur 3 % der Erdoberfläche, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen, die 30% der Fläche bedecken.

Entwässerte Moore sind ein riesiges Problem für den Klimaschutz, da sie laufend CO2 abgeben. Nur durch eine Wiedervernässung kann diese CO2-Quelle geschlossen werden.

Berechnungen zeigen, dass die Vermeidungskosten – also die Kosten, die entstehen, um eine Tonne klimaschädliches CO2 einzusparen – bei der Moorvernässung sehr günstig sind gegenüber anderen Maßnahmen. Die Umstellung auf alternative Energien, der Wechsel von Verbrennern auf E-Autos oder Transformationen in der Industrie verursachen pro eingesparter Tonne weit mehr Kosten. Um wirklich klimaneutral zu werden, müssen alle Maßnahmen zur Vermeidung von CO2-Emissionen ergriffen werden, von der Energiewende bis zur Wiedervernässung der Moore.

Zudem ist jedes vernässte Moor gleichzeitig ein Beitrag zum Erhalt der Biologischen Vielfalt. Es entstehen seltene Lebensräume für stark angepasste Arten, die eine feuchte Umgebung brauchen. Viele typische Tiere und Pflanzen kommen zurück. Ein intaktes Moor ist ein faszinierendes Ökosystem, das vielen Arten das Überleben sichert.

Damit verbinden wir in einer Maßnahme zwei der wichtigsten Themen unserer Zeit: die Begrenzung des Klimawandels und die Erhaltung der Biodiversität.

Die Torfschicht in einem intakten Moor wächst ca. 1 Millimeter pro Jahr, also einen Meter in tausend Jahren. Unsere renaturierten Moore brauchen einige Jahre, bis sie wieder anfangen zu wachsen. Wenn die Flächen wieder richtig nass sind, kommen Moorpflanzen wie Seggen, Torfmoose und Wollgras, die mit diesen wasserreichen Bedingungen zurechtkommen, nach und nach zurück und beginnen, neuen Torf zu bilden.

Intakte Moore zeichnen sich dadurch aus, dass der Wasserstand sich ungefähr auf der Höhe der Bodenoberfläche befindet. Daher ist es nicht das Ziel der Moorvernässer*innen, Wasserflächen entstehen zu lassen. Sie versuchen, den Wasserstand in diesem Optimalbereich (ca. Geländehöhe +/-10 cm) zu halten.

Die Entwässerung hat zu einer Sackung des Bodens geführt. Wenn der Wasserstand wieder angehoben wird, können tief liegende Bereiche vorübergehend flach unter Wasser stehen. Auch dort, wo Boden für den Bau von Wällen entnommen wird, entstehen zunächst Wasserflächen. Mit der Zeit wachsen diese Wasserflächen zu und der Prozess des Moorwachstums beginnt von neuem.

In Schleswig-Holstein gibt es 1 Million Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche, nur 15 % davon sind Moore. Ein großer Teil wird zur Erzeugung von Futter für Milchvieh oder für energiereiche Pflanzen für Biogasanlagen genutzt.

Selbst wenn diese Moorböden komplett aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen würden, ist noch genug Fläche für die Nahrungsmittelproduktion in Schleswig-Holstein vorhanden.

Nasse Moorböden können zum Anbau bestimmter Pflanzen genutzt werden, zum Beispiel Sumpfpflanzen, die als Bau- und Dämmstoffe zum Einsatz kommen. Auch extensiv genutztes Grünland ist bei einer moderaten Vernässung möglich. Die speziellen Anbau- und Erntetechniken werden zurzeit in mehreren Projekten erforscht und weiterentwickelt.

Informationen zur sogenannten Paludikultur (lat. palus „Morast, Sumpf“ und cultura „Bewirtschaftung“) gibt es auf der Seite des Greifswald Moor Centrums

Zunächst wurden 20 Moore identifiziert, die in den nächsten Jahren vernässt werden können. Weitere sollen dazu kommen.
Der entscheidende Aspekt für die Renaturierung der Moore in Schleswig-Holstein sind die Eigentumsverhältnisse. Erst wenn alle betroffenen Grundstückseigentümer in einem Gebiet einer Vernässung zustimmen oder ihre Grundtücke verkaufen, kann mit der Vernässung begonnen werden.
Weitere limitierende Faktoren sind die Zeit, welche für Planung, Genehmigung und Ausschreibung der Leistungen benötigt wird sowie die Verfügbarkeit von geeigneten Planungsbüros und Bauunternehmen. Die Vernässung von Mooren ist eine sehr spezielle Aufgabe, die viel Erfahrung und Expertise verlangt. Dafür gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Expert*innen im Land

Klimapunkte sind ein innovatives Instrument zur Bewertung und Vergütung von Flächen nach ihrem Klimaschutzpotential. Bewertet und ggf. vergütet wird also nicht der Verkehrswert für die landwirtschaftliche Nutzfläche, sondern das Potential für die Einsparung von Treibhausgasemissionen auf dieser Fläche.

Flächeneigentümer*innen bekommen die Klimawirksamkeit vergütet, wenn sie einer Vernässung der Fläche zustimmen. Sie verkaufen die Vernässungsrechte, können aber Eigentümer der Fläche bleiben. Der Preis richtet sich nach den ermittelten Klimapunkten.

Wenn Sie eine Fläche oder die Vernässungsrechte für eine Fläche veräußern wollen, dann melden Sie sich gerne bei Erich Ruser, Telefon 0431 210 90 120.

Jede*r kann sich für den Moor- und Klimaschutz engagieren.

  • Kaufen Sie der Umwelt zu Liebe nur „torffreie“ Blumen- und Gartenerde. Noch immer werden in Deutschland, in den Baltischen Ländern und in Russland Moore zerstört, um Torf abzubauen. Achten Sie daher auf „torffreie“ Erden und lassen Sie sich nicht durch Angaben wie „torfreduziert“ oder „torfarm“ in die Irre führen.
  • Versuchen Sie auf Produkte mit Palmöl zu verzichten. Viele Palmölplantagen befinden sich in tropischen Moorgebieten, z.B. auf Borneo, die für den Palmölanbau entwässert wurden.
  • Unterstützen Sie unsere Moorschutzprojekte mit einer Spende! Mit 120 Euro können wir 100 m² Moorland kaufen. Mit 40 Euro renaturieren wir 100 m² Moorlebensraum. Natürlich bekommen Sie auf Wunsch eine Spendenbescheinigung. Spenden Sie mit wenigen Klicks hier.
  • Erzählen Sie anderen weiter, wie wichtig die Renaturierung der Moore ist. Für unser Klima und für den Artenschutz.

Klimapunkte

Klimapunkte sind ein innovatives Instrument zur Bewertung und Vergütung von Flächen nach ihrem Klimaschutzpotential. Bewertet und ggf. vergütet wird also nicht der Verkehrswert für die landwirtschaftliche Nutzfläche, sondern das Potenzial für die Einsparung von Treibhausgasemissionen auf dieser Fläche.

Das ist für Moorböden relevant, die aufgrund von Entwässerung CO2 ausstoßen; durch eine Wiedervernässung kann diese Emission stark reduziert werden.

Flächeneigentümer*innen bekommen die Klimawirksamkeit vergütet, wenn sie einer Vernässung der Fläche zustimmen. Sie verkaufen die Vernässungsrechte, können aber Eigentümer der Fläche bleiben.

Ein Klimapunkt entspricht einer Tonne Treibhausgas pro Jahr (gemessen in CO2-Äquivalenten), die auf einer Moorfläche durch Vernässung eingespart werden kann. Stößt also ein Hektar tief entwässerter Maisacker auf Moor heute jedes Jahr 30 Tonnen CO2 aus, etwa so viel wie drei Bundesbürger, würde ein*e Flächeninhaber*in dafür 30 Klimapunkte bekommen. Das ist das Klimaschutzpotential der Fläche.

Das Klimaschutzpotential ist stark abhängig vom aktuellen Zustand der Fläche. Die aktuelle Treibhausgasemission wird mithilfe des GEST-Modells der Uni Greifswald berechnet.

Die Vergütung richtet sich nach den berechneten Klimapunkten der Gesamtfläche, dem CO2-Preis und einen Zeitraum von dreißig Jahren. In der Regel wird der Preis für den Ankauf über das Klimapunktemodell höher liegen als der Kaufpreis am Flächenmarkt.

Nein. Die Bewertung einer Fläche nach Klimapunkten ist ein Angebot der Stiftung Naturschutz. Sie wird im Rahmen eines Modellvorhabens erprobt. Die Vernässungsrechte können nur an die Stiftung verkauft werden. Es erfolgt kein Handel mit diesen Rechten oder den damit erreichten Emissionseinsparungen.

Erstmal nicht. Die Klimapunkte sind eine Maßnahme zur innovativen Flächenbewertung nach ihrem Klimaschutzpotential. In einem Modellversuch werden die Klimapunkte in ausgewählten Gebieten in SH getestet und bewertet.

Aktuell gibt es elf Gebiete, in denen die Stiftung Vernässungsrechte über Klimapunkte erwerben kann. Nach einer Evaluation und einer ggf. positiven Bewertung könnte das Klimapunkte-Modell in ganz Schleswig-Holstein angewendet werden.

Alle Eigentümer*innen außerhalb dieser ersten Klimapunktkulisse können ihre Flächen wie bisher an die Stiftung verkaufen oder spenden.

    • Stecknitz-Delvenau-Niederung
    • Duvenseer Moor    
    • Schönberger Niederung
    • Bargteheider Moor
    • Miele-Niederung
    • Teile der Eider-Treene-Sorge-Niederung
    • Vaaler Moor
    • Oberalster-Niederung und Nienwohlder Moor
    • Seelandmoor
    • Bokelseßer Moor
    • Haselunder Moor

Vorgesehen ist, dass der Modellversuch bis 2023 läuft. Dabei wird die Eignung der Klimapunkte für den Erwerb von Vernässungsrechten bewertet und entschieden, ob das Instrument für alle Moorflächen in Schleswig-Holstein angewendet werden kann.

Die Landesregierung hat sich mit dem Programm Biologischer Klimaschutz ehrgeizige Ziele für die Einsparung und Festlegung von Kohlenstoff auf Naturflächen gesetzt. Der größte Teil soll über die Wiedervernässung trockengelegter Moorböden erreicht werden. Für den Erwerb von Vernässungsrechten als auch für den Ankauf von geeigneten Flächen, sowie die Umsetzung der Vernässung werden vom Land Schleswig-Holstein Finanzmittel bereitgestellt.

Die Vernässungsrechte werden beim Verkauf der Klimapunkte an die Stiftung für 30 Jahre abgegeben und als Dienstbarkeit im Grundbuch eingetragen. Ein Rückbau der Vernässungsmaßnahmen ist nicht möglich.

Der/Die Eigentümer*in hat anschließend auch noch die Möglichkeit, seine Fläche für einen Restwert an die Stiftung zu verkaufen.

Ein*e Eigentümer*in gibt mit dem Vernässungsrecht auch das Nutzungsrecht für 30 Jahre an die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ab. Die Stiftung kann dann über die weitere Nutzung entscheiden.

Interessierte Flächeneigentümer*innen aus den Pilotgebieten können sich an Erich Ruser wenden.
Tel 0431 / 210 90 120
erich.ruser@stiftungsland.de