Winterwanderungen müssen Corona-bedingt ausfallen

Liebe Naturfreundinnen, Galloway-Liebhaber und Interessierte,

gerne hätten wir Ihnen wie in jedem Jahr ein Rendezvous mit unseren vierbeinigen Lieblingskollegen ermöglicht, die auf den Wilden Weiden auch im Winter für den Naturschutz fressen.

Corona und die dazu gehörigen Bestimmungen haben es nicht erlaubt.

So müssen wir Sie mit der Lektüre über das Leben und Wohlergehen unserer Naturschutzrinder im Winter trösten – und mit der Hoffnung darauf, dass Sie vielleicht bald Froschkonzerte und Extratouren mit uns erleben können.

Wenn die Temperaturen fallen, der Frost um sich greift und die Schneeflocken durch das Stiftungsland tanzen, schlingen wir Menschen uns den Mantel noch enger um die Hüften, ziehen uns die Mütze noch tiefer ins Gesicht und vergraben die Handschuh-Hände noch tiefer in den Manteltaschen. Ganz anders: die Robust-Rinder und Wildpferde auf den Winterweiden im Stiftungsland. Schnee und Eis bedeuten für diese Huftiere nicht unbedingt Gänsehaut-Feeling, denn sie empfinden anders als wir Menschen. Die Wohlfühl-Temperaturen liegen bei Rindern beispielsweise 15 Grad niedriger. „Wenn wir also schon bibbern und frieren, fühlen die sich erst richtig wohl“, erklärt Gerd Kämmer, geschäftsführender Vorsitzender von „Bunde Wischen eG“ und einer der größten Pächter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Sorgenvolle Anrufer und Anruferinnen mit Fragen wie: „Frieren die denn gar nicht?“ oder „Finden die bei der Schnee- und Eisschicht überhaupt noch genügend zu fressen und ausreichend Wasser?“ können wir gemeinsam und gewissenhaft zusammen mit unseren rund 1200 Pächtern von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ein deutliches „Keine Sorge“ entgegenstellen. Denn: für den dicken Wintermantel hat Mutter Natur schon gesorgt: Das wärmende Winterfell mit besonders feinem, dichtem Unterhaar sorgt für ein unbeschwertes Dauer-Draußen-Sein der Robust-Rinder und Wildpferde.

Fressen statt frieren

Die Galloways und Highlands haben sich den lieben, langen Sommer über auf den Wiesen und Weiden im Stiftungsland zwischen den Meeren einen Fettvorrat angefressen, so dass sie den Winter jetzt trotz erheblicher Gewichtsverluste gut überstehen. „Über die kalten Monate, also von Oktober bis März können die Rinder problemlos zwischen 100 und 125 Kilogramm absprecken, das sind bis zu 25 Prozent ihres Körpergewichts“, sagt Dirk Andresen, Stiftungspächter und Geschäftsführer von Weidelandschaften e.V. . Anders sei das bei den Wildpferden, sie halten über den Winter ihr Gewicht ziemlich konstant und kommen im Gegensatz zu den Rindern mit ihren scharfen Hufen auch noch an energiereiche Wurzeln von Pflanzen wie beispielsweise Brennnesseln oder Schilf. Überdies haben die Wildpferde einen evolutionsbiologisch bedingten Schlankheits-Sinn. „Pferde sind Fluchttiere. Wenn sie zu fett werden, können sie nicht schnell genug laufen“, weiß Gerd Kämmer.

Den Rindern bleibt in frostigen Zeiten entweder das Wühlen im Schnee oder das Knabbern an Büschen und Bäumen. Und sollte es doch mal eng werden, beispielsweise wenn angetauter Schnee wieder friert und kein Futter mehr aus dem Schnee raus ragt, werde zugefüttert, versichert Kämmer. Zu trinken finden sie an den frostsicheren Tränken auf den sogenannten „Wilden Weiden“- das sind vor allem Bäche und kleinere Flüsse.  „Interessanterweise beobachten wir aber auch immer wieder, dass Pferde und Rinder den Schnee mit Vergnügen lutschen, und das obwohl die Bäche noch gar nicht zugefroren sind.“

Giftige Leckerlis

Gefährlich wird es für die Huftiere im Winter nur dann, wenn überbesorgte Spaziergänger, Wanderer oder Tierliebhaber mit vermeintlichen Leckerlis, wie Grünschnitt oder Brot-Resten vorbeikommen. Rinder und Pferde seien Gewohnheitstiere und ungewohntes Futter führe fast immer, warnt Kämmer eindringlich, zu Verdauungsproblemen. Brot werde von den Tieren nicht sofort gefunden und verschimmelt „Das hält auch der vielzitierte Kuhmagen beim besten Willen nicht aus“, sagt Kämmer. Rasenschnitt beginne zu gären und werde unverträglich. Besonders gefährlich sei Heckenschnitt wie Kirschlorbeer, Lebensbaum oder Eibe. Das sei gleichermaßen hochgiftig für Pferde und Rinder.

Keine Winterweiden-Wanderung im Stiftungsland

Dieses Jahr muss Ihr „Rendezvous mit den robusten Wilden“ Corona-bedingt leider ausfallen. Freuen Sie sich stattdessen auf ein Treffen mit ihnen bei Froschkonzerten und Extratouren.

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