Sie benötigen uralte Baumriesen, morsche Äste und stehendes Totholz: Eremit, Edelmann und Kardinal heißen die Käfer, die entweder ihr ganzes Leben tief verborgen in Baumhöhlen leben oder deren Larven dort ihre Kinderstube haben. Ihre Lebensweise gab dieser Gruppe von Käferarten auch den Namen Einsiedlerkäfer.

Im Forst fehlen alte Bäume

In den meisten Wirtschaftswäldern fehlen Uraltbäume und Totholz. Gemeinsam in Reih und Glied gepflanzt, wachsen Buche und Co. zeitgleich heran, erreichen dann zusammen die Hiebreife und der Kreislauf, die Forstwirte sagen dazu Umtrieb, beginnt mit einer neuen Pflanzung von vorn. Diese Homogenisierung der Waldbestände hat den Verlust von Strukturen und Prozessen im Wald und damit eine biologische Verarmung zur Folge. 

Geerntet werden Bäume im Wirtschaftswald schon in Jugendjahren mit 100 bis 140 Jahren. In Urwäldern dagegen oder in historischen Parkanlagen oder Hudewäldern werden Eichen oder Buchen zu Methusalem-Bäumen, die locker mehrere 100 Jahre alt werden können. Ganz langsam, Ast für Ast sterben sie dann immer weiter ab, bis sie noch als stehendes Totholz einer Vielzahl von Arten, wie Käfern, Fledermäusen, Pilzen oder höhlenbrütenden Vögeln, als Lebensraum dienen.

Solche, oft offenen Waldlandschaften mit riesigen alten Bäumen sind bei uns, wie in ganz Europa, extrem selten geworden. Darunter leiden dann auch die Totholzbewohner, die mit der herkömmlichen Art der Forstwirtschaft nicht zurechtkommen.

Im Stiftungsurwald Stodthagen wurde aus einem ehemaligen Forst wieder ein Urwald. Die Stiftung verschloss die Entwässerungsgräben im Wald, viele Senken füllten sich mit Wasser, nicht angepasste Bäume starben ab, alte Eichen wurden wieder freigestellt und große, alte Buchen werden nicht mehr geerntet. Die Vielfalt im Wald kehrt zurück. Auf der angrenzenden Weidelandschaft stehen dicke alte Eichen, neue wurden bereits nachgepflanzt. Hier finden nun auch Totholzbewohner wieder ihren Lebensraum. Ganz von allein schaffen es die Totholzkäfer aber nicht, die rund vier Kilometer von ihrem Vorkommen südlich von Gettorf ins Stiftungsland Stodthagen zu überwinden. Es fehlen alte Alleebäume, Baumgruppen und Solitäre auf Wiesen und Weiden als Trittsteine. Deshalb siedelt die Stiftung einen Teil der Käfer um.

Sicherung von Baum-Veteranen

Damit Bäume auch entlang von Waldwegen alt werden können, ohne das von ihnen eine übermäßige Gefährdung ausgeht, werden ggf. Rückschnitte und andere Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Die Stiftung setzt sich in ihrem Stiftungsland dafür ein, alte Bäume möglichst lange zu erhalten. Gerade stehendes, höhlenreiches Totholz bietet wichtigen Lebensraum für Käfer, Fledermäuse und höhlenbrütende Vögel.

Baum Pflanzung

Die Baum-Veteranen von morgen pflanzt die Stiftung Naturschutz schon heute. Eichen und Linden sollen die Lücken in Baumalleen schließen, kleine Baumgruppen sollen in Zukunft als Trittsteinbiotope dienen.

Spiegelpopulation mit Einsiedlerkäfern

In der Nähe von Gettorf stehen in einer parkähnlichen Landschaft viele uralte Bäume. Dort kommen sie noch vor, die an ein Leben im Totholz angepassten Käferarten. Es ist das letzte bekannte Vorkommen im Dänischen Wohld. Wenn die Bäume hier langsam verschwinden, drohen viele der seltenen Käfer in dieser Region auszusterben. Das will die Stiftung Naturschutz verhindern und Käfer in ihrem Stiftungsland Stodthagen neu ansiedeln.

Die Stiftung hat deshalb bei Gettorf 45 verschieden große Nistboxen aufgehängt bzw. aufgestellt. Gefüllt sind sie mit einer Mischung auf Eichensägemehl und Eichenlaub. Den Inhalt der Boxen werden rasch Pilze besiedeln und langsam zersetzen. Diese Leibspeise der Käferlarven soll die Käfer dazu verlocken ihre Eier in die Boxen abzulegen. Die Käferlarven ernähren sich dann von diesen Pilzen und es entsteht der sogenannte Mulm. Ein leichtes Pulver in dem die Käferlarven leben und der sie vor Frost und Vogelfraß im Baum schützt.

Die Larven brauchen mehre Jahre zu Entwicklung. Am Ende des Projektes in 2027 sollen die Kästen ins Stiftungsland Stodthagen gebracht werden, wo die nächste Generation Käfer dann am neuen Standort schlüpfen kann. Die Box wird solange genutzt bis die Füllung aufgezehrt ist. Ein Teil der Käfer verlässt die Boxen und wird versuchen im Wald geeignete Eiablageplätze zu finden. Wenn dies gelingt, kann eine zweite, mit der ersten genetisch identische Population, die sogenannte Spiegelpopulation, heranwachsen und mindert das Risiko auszusterben.

Das Projekt LIFE Open Woods wird zu 60 % aus dem Programm LIFE+Natur der Europäischen Union gefördert. Antragsteller ist die dänische Naturagentur (Danish nature agency). Die Stiftung Naturschutz ist Partner des Projektes. Es hat eine Laufzeit von 2019 bis 2027.

 LIFE Open Woods (www.naturstyrelsen.dk)

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