Intakte Mischwälder – besser noch Urwälder – beides hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im Repertoire. Das ist einer ihren Beiträge zum Klimaschutz. Doch es braucht noch mehr dieser Naturparadiese in Schleswig-Holstein.

Naturwälder – was macht sie besonders schützenswert?
Naturwälder werden in ihrer Entwicklung ganz sich selbst überlassen, möglichst ohne direkten menschlichen Eingriff. Sie sind ein Garten Eden für die Artenvielfalt, denn in wilden Wäldern herrscht ein ganz eigenes Ökosystem. Naturwaldtypische Strukturen, wie Totholz, Baumhöhlen und uralte bizarr gewachsene Baumbestände sind für das Überleben seltener Arten unverzichtbar.

Für einige Arten, wie dem Mittelspecht, sind besonders die Rindenstrukturen von großer Bedeutung. In den sehr groben Rinden verstecken sich Insekten, nach denen er stochert. Zu finden sind solche Borken vor allem an sehr alten Eichen. Daneben bevorzugt der Mittelspecht auch Naturwälder mit sehr altem Buchenbestand.

Naturwälder im Stiftungsland


Stodthagen und Kaltenhofer Moor
Wie die Kulisse für einen Fantasy Film wirkt die verwunschene „Urwaldlandschaft“ kurz vor den Toren Kiels. In dem ehemaligen Forstgut bei Felm ist die Natur Schritt für Schritt mit einem Mix aus Wald, Moor und Sumpf auf dem Vormarsch. Der Kranich ist wieder da, Libellen schwirren über den Weihern und das Klopfen des Schwarzspechts ist weithin zu hören. Laubfrosch und Rotbauchunke geben am Waldrand zwischen Exmoorponies und Galloways abendliche Konzerte währenddessen hier der Mittelspecht nahezu lautlos nach Beute pickt.

Riesewohld
Geschichten und Sagen ranken sich um Dithmarschens größten und ältesten Wald westlich von Albersdorf. Seltene Tier- und Pflanzenarten lassen auf ein Jahrtausend andauernde Bewaldung schließen. Allerorts sprudeln Bäche und Quellen. Die Stängellose Primel hat hier ihren größten Blütenteppich in Schleswig-Holstein. Ein Abstecher zur berühmten Fünffingerlinde und der ehemaligen Jagdhütte mit einer informativen Ausstellung zur Geschichte des Waldes, Wanderkarten machen den Spaziergang durch den Wald erst rund.

Pülser Vieh
Klein, aber fein! Das Gebiet nördlich des Selenter Sees im Kreis Plön zählt zu den kleinen Naturwaldprojekten. Hier hat die Stiftung Naturschutz den Holzeinschlag eingestellt, standortfremde Gehölze entnommen und den natürlichen Wasserhaushalt wiederhergestellt. So entstehen Waldweiher in den Senken, Laubgehölze durchlaufen ihren normalen Lebenszyklus und sterben ab. Ihr Totholz und mehr Struktur im Wald schaffen neue Lebensräume für Schwarzspecht, Waldschnepfe, Kammmolch und Co..

Rülauer Holz
„Waldwildnis zum Erleben!“ Beim jüngsten Wildnisprojekt der Stiftung Naturschutz im östlichen Teil Sachsenwald vor den Toren Schwarzenbeks können Besucher die Entwicklung vom Wirtschaftsforst zum „Wilden Wald“ verfolgen. In dem kleinen Rest eines riesigen Urwaldes füllen sich feuchte Senken wieder mit Wasser. Bäume werden nicht geerntet und altern auf natürlichem Wege, ihr Totholz wird nicht mehr weggeräumt und ist für Insekten und Pilze ein Eldorado. Natürlich tummelt sich auch in diesem Stiftungswald der Mittelspecht. Start zur Wanderung: Schwarzenbek, Gülzower Straße, Parkplatz am Ehrenmal.

Spechte in Schleswig-Holstein

Mittelspecht

Ähnelt dem Buntspecht, ist aber etwas kleiner. Kopf bei beiden Geschlechtern mit auffälligem rotem Scheitel. Bauch und Unterschwanzdecken mit leichter Rotfärbung. Hält sich gerne hoch oben den Baumkronen auf. Dort sammelt er seine Nahrung – Ameise und Blattläuse – in alter Rinde, vorzugsweise von Eichen. Beim Klettern und Arbeiten helfen dem Specht sein kurzer, kräftiger Stützschwanz und seine mit einer speziellen Wendezehe ausgestatteten Füße. Der Mittelspecht gilt als typischer Urwaldbewohner. Deutschland beherbergt einen großen Teil des Weltbestandes.

Buntspecht

Von allen heimischen Spechten ist der etwa amselgroße Buntspecht der häufigste. Sein elanvoller, wellenförmiger Flug und sein farbenfrohes schwarz-weiß-rotes Gefieder machen ihn zu einer auffälligen Erscheinung. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt, das Männchen hat jedoch zusätzlich zu den roten Unterschwanzdecken einen roten Hinterkopf. Anzutreffen ist er in verschiedensten Waldtypen, aber auch Parks, Friedhöfe, Feldgehölze und baumbestandene Gärten geben ihm ganzjährig eine Heimat, wenn er dort morsches Holz findet. Im Winter auch an Vogelhäusern zu beobachten. 

Grünspecht

Er findet überall ein Zuhause, wo es alte Bäume zum Bau von Nisthöhlen und Grünland mit ausreichend Ameisen als Futter gibt. Mit seinem Schnabel und der bis zu zehn Zentimeter langen klebrigen Zunge kann er seine Leibspeise aus dem Boden oder aus den Bäumen herausholen. Zentrale Merkmale des Grünspechts sind sein freudiger Gesang und sein dynamisch, meist mehrsilbiger Ruf, der einem gellenden Lachen gleicht. Er ist nach dem Buntspecht und vor dem Schwarzspecht die zweithäufigste Spechtart Deutschlands.

Schwarzspecht

Mit seiner überwiegenden Schwarzfärbung, dem roten Scheitel und dem markanten Ruf ist der krähengroße Vogel mit Abstand der größte europäische Specht. Ältere Rotbuchenbestände mit reichlich Totholz sind sein bevorzugtes Revier. Im Sommer ernährt er sich von holzbewohnenden Ameisen. Mit wuchtigen Schlägen zimmert der Schwarzspecht mit seinem fünf bis sechs Zentimeter langen Schnabel seine Nisthöhle. Beim Balzen kommt es zu einem wahren Trommelwirbel – bis zu 60 Einzelschläge in drei Sekunden sind keine Seltenheit.

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