Ihr geliebtes Zuhause wird immer kleiner, ihre Speisekarte immer schmaler – die summenden und brummenden Insekten in Schleswig-Holstein sind vom Aussterben bedroht. Die intensive Landwirtschaft, der andauernde Straßenbau, die wachsende Infrastruktur und nicht zuletzt der Gifteinsatz auf Wiesen, Feldern und Weiden lässt ihren Lebensraum dramatisch zusammen schrumpfen und ihren Hunger immer größer werden. Imposante 12.000 Insektenarten, von der Eintagsfliege bis zum schillernden  Großschmetterling, sind Teil der Natur in Schleswig-Holstein. Aber längst hat unter Schmetterlingen, Hummeln und Bienen ein Massenstreben von dramatischem Ausmaß eingesetzt. 70 Prozent unserer in Schleswig-Holstein heimischen Tagfalter sind bedroht und stehen auf der Roten Liste.

Die rund 80 Mitarbeiter der Stiftung Naturschutz Schleswig Holstein sind aktiv im Einsatz, um das nördlichste Bundesland auf vielfältige Weise wieder zur sicheren Heimat für Insekten zu machen. Denn ein Sommer ohne Schmetterlinge ist wie Weihnachten ohne Tannenbaum. Aber nicht nur uns fehlen Tagfalter, Wildbienen und Co., ohne Insektenvielfalt verhungern Jungvögel in ihren Nestern, finden Frösche, Kröten und Reptilien keine Nahrung mehr. Die Obstbäume bleiben leer, weil ihre Blüten nicht bestäubt werden. Ein Schicksal, dass sie mit vielen unserer Wildblumen, Sträucher und Bäume teilen.

Mit Blüten gegen das Insektensterben

Seit inzwischen vier Jahrzehnten stemmen sich die Vielfaltschützer, Lebensraumgestalter und Entwicklungshelfer der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gegen das Artensterben, schaffen bunte Wiesen, blütenreiche Knicks und optimale Amphibienteiche. Lebensräume, in denen sich auch Libellen, Schwebfliegen und unsere rund 2.200 heimischen Schmetterlingsarten  wieder wohlfühlen. Hier wird nicht gedüngt, kein Pestizid verspritzt und auch nicht vier Mal  im Jahr gemäht. Hier steht die Vielfalt der Arten an erster Stelle. Heimische Wildblumen und Wildkräuter wie Klappertopf, Küchenschelle, Arnika, Teufelsabbiss, Wilder Thymian, Wiesenschlüsselblume, Wiesenschaumkraut und viele mehr sorgen dafür, dass die Insekten genügend Nahrung haben und in Stängeln oder Blattrosetten überwintern können.

Im Projekt „Blütenmeer2020“ wurden allein in 2017 rund 65.000 Wildpflanzen in die Erde gebracht.  Viele der seltenen Pflanzen kommen aus der projekteigenen Arche Gärtnerei Eggebek. Und noch eine rekordverdächtige Zahl meldet das „Blütenmeer2020“ aus dem Vorjahr: Gut 64 Hektar Grünland wurden mit Wildpflanzen aufgewertet. So entwickeln sich durch verschiedene Maßnahmen ehemals monotone, grüne Wiesen oder Ackerflächen zu blütenbunten Augenweiden und Insektentankstellen.

Artenreiche Knicks bieten viel Lebensraum

Knicks – die blühenden Grenzlinien aus Sträuchern und Bäumen durchziehen auch noch heute Teile unseres Landes. Wenn sie gut gepflegt sind und aus vielen verschiedenen Gehölzen bestehen, sind diese landschaftsprägenden Elemente unserer Kulturlandschaft ein abwechslungsreicher Lebensraum. Vögel, wie Neuntöter, Mönchsgrasmücke, Goldammer, Rotkehlchen und Buchfink, fühlen sich hier wohl, gehen auf Nahrungssuche und nutzen die Knicks als Brutplatz. Überlebenswichtig sind die Knicks für die seltene Haselmaus, die im Schutz der dichten Sträucher ausreichend Blüten, Früchte und Samen findet. Auch Igel wissen die artenreichen Wallhecken zu schätzen, ziehen unter Brombeere, Weißdorn und Schlehe gerne ihre Jungen groß.

Ein Knick ist darüber hinaus Heimat mehreren Tausend Insektenarten: angefangen bei Schwebfliege, Ameisen und Laufkäfern über Honigbienen, Hummeln und verschiedenen Wildbienen-Arten, Bockkäfer und Groß-Libellen, wie die Blaugrüne Mosaikjungfer. Selbst Schmetterlingsraupen lieben die Blätter und Knospen von Sträuchern, allen voran, Schlehe, Weide, Hainbuche oder Weißdorn. Je bunter die Vielfalt der Gehölze im Knick, desto bunter die Insektenvielfalt. Gerade die Frühblüher, unter ihnen Weide und Hasel, sind an warmen Frühlingstagen die erste Anlaufstelle für Hummeln und Bienen.

An Sommertagen locken Brombeeren mit dem fruchtig-herbsüßen Duft ihrer Blüten und Früchte und es schwirrt, brummt und summt in unseren heimischen Knicks. Damit es mehr von ihnen gibt und diese vor allem artenreich und gut gepflegt sind, dafür setzen sich die Vielfaltschützer der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in verschiedenen Projekten ein. Sie pflanzen jedes Jahr rund 1000 Meter neue Knicks, aktuell zum Beispiel in der Metropolregion Hamburg.

Libellen und Schwebfliegen am Froschteich

Nicht nur Unken, Frösche und Kröten genießen das Leben an den Teichen im Stiftungsland, eine ganze Reihe von Insekten ist hier ebenfalls zuhause. Allen voran Klein- und Groß-Libellen, wie die wunderschöne Prachtlibelle oder die zarte Azurjungfer. Im und am Teich tummeln sich dazu etwas unscheinbare, aber für das Ökosystem nicht weniger wichtige, Wasserkäfer, Wasserläufer sowie Schweb-, Eintags- und Steinfliegen. Sogar Schmetterlinge zieht es an heißen Tagen zu Tümpeln und Pfützen, hier trinken sie Wasser und nehmen Mineralsalze auf.

Wie die blütenbunten Wildblumenwiesen sind auch saubere Tümpel und Teiche in unserer heutigen Landschaft rar geworden. In der intensiv genutzten Landwirtschaft ist für sie kein Platz mehr – und mit ihnen schwanden Frösche, Kröten und die Insekten. Dank der engagierten Arbeit der Vielfaltschützer der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein entstehen Jahr für Jahr fast 100 neue Laichgewässer im Stiftungsland.

Im Totholz tobt das Leben

Auf den ersten Blick mag es irritierend klingen: Aber im Totholz wimmelt es nur so von Leben. Vögel und Fledermäuse finden in abgestorbenen Bäumen ebenso ein Zuhause wie zahlreiche Käfer-, Wildbienen- und Wespenarten. Egal ob der Baumriese noch steht oder bereits umgestürzt ist, für Insekten ist er ein wahres Paradies, in dem sie sich verstecken können und ausreichend Nahrung und Baumaterial für ihr Zuhause finden.

Totholz ist daher ein wichtiger Bestandteil in den naturnahen Stiftungswäldern und darf im Wald verbleiben, sofern es keine Gefahr für Wanderwege und Straßen gibt.
Nach und nach werden alle Stiftungswälder zu "Wilden Wäldern" wie im Stiftungsland Lohe umgebaut. Das heißt, dass Nadelbäume durch standortgerechte Laubbäume, wie Buche, Eiche, Bergahorn und Birke, in feuchten Wäldern auch Esche, Erle und Pappel, ersetzt werden. Natürlich bleiben die Waldwege für Spaziergänger weiter zugänglich, sodass die (Ur-)Wälder von morgen für jeden erlebbar sind!

„Bienenreich“ – ein Kooperationsprojekt

Gemeinsam lässt sich oft mehr erreichen. Daher kooperiert die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im Kampf gegen das Insektensterben mit Partnern. Mit dem Umweltbildungsprojekt „BienenReich Schleswig-Hostein“ des Schleswig-Holsteinischen Heimatbunds e.V. wurde insbesondere für die rund 270 Wildbienen-Arten, die hier bei uns im Lande beheimatet sind und von denen viele auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, geworben. Um für den schwindenden Lebensraum der Wildbienen zu sensibilisieren, gab es Vorträge, Wanderausstellungen und spannende Naturforscher-Exkursionen für Kinder. Viele Interessierte haben sich zu Bienen-Botschaftern ausbilden lassen, um sich mit dem nötigen Wissen künftig aktiv für den Schutz von Wild- und Honigbienen einzusetzen.

Machen Sie Ihren Garten zum Schmetterlingsparadies!

Es muss nicht gleich ein ganzer Hektar Wildblumenwiese, ein Froschteich oder ein Wald sein – auch im heimischen Garten, ob klein oder groß, lässt sich viel für Schmetterlinge, Bienen und Hummeln tun. Mit ein paar kleinen Kniffen machen Sie ihre kleine Oase zum Paradies für lebenswichtige Insekten.

Zum Überleben brauchen Kleiner Fuchs, Honigbiene und Schwebfliege erst einmal genügend Futter. Wenn Sie bei der Auswahl Ihrer Blumen auf Vielfalt achten, und Wildblumen und Wildkräutern Raum geben, ist das Buffet für die kleinen Tiere immer reich gedeckt.

Beispiele hierfür sind: Winterlinge, Wilde Malve, Wilder Thymian, Große Fetthenne, Wiesenflockenblume, Rundblättrige Glockenblume, Gewöhnlicher Horn-klee, Wiesenwitwenblume, Lavendel und Moschusmalve – um nur einige der be-kannten zu nennen. Auch Obstbäume sind gute Nektarlieferanten, gerne altein-gesessene Obstsorten.

Wichtig bei der Blumenauswahl ist, dass Sie keine Sorten mit gefüllten Blüten wählen. Die sehen zwar hübsch aus, aber die Insekten kommen mit ihrem Rüssel nicht an den Nektar heran. Als Insekten-Tankstelle sind sie also ungeeignet.
Ein Garant für den Insektenbesuch im heimischen Garten ist ein Kräuterbeet mit Salbei, Thymian, Oregano und Schnittlauch.
Schmetterlinge haben im Raupenstadium oftmals andere Gelüste. Um auch ihren Hunger zu stillen, eignen sich vor allem Brennnessel, Distel, Ampfer und Ginster. Geben Sie der „Schmuddel-Ecke“ im Garten eine Chance.

Natürlich brauchen Insekten nicht nur ausreichend Nahrung. Geeignete Quartiere für Sommer und Winter sind ebenso wichtig im erfolgreichen Kampf gegen das Artensterben. Es muss nicht gleich das große Insekten-Hotel sein, oftmals genügt es schon, wenn Sie ein paar alte Äste im Garten liegen lassen oder eine kleine Totholz-Ecke einrichten. Hier finden Insekten gute Verstecke.
Pflanzen Sie statt Kirschlorbeer ihre Hecken mit heimischen Gehölzen. Pfaffenhütchen, Weißdorn, Schlehen und Weiden eignen sich hervorragend und sind vor allem im Frühling und Herbst ein hübscher Farbtupfer für Ihren Garten.

Keinen Gefallen tun Gartenfreunde den Insekten mit Moosvernichter, Rasendünger oder wöchentlichem Rasenmähen. Um das Überleben der kleinen Tiere zu sichern, hilft es schon, wenn sich der Rasen selbst entwickeln kann, nicht zu oft gemäht wird und vor allem zeitlich versetzt, so dass immer ein Teilstück Wiese bestehen bleibt, auf dem sich Kräuter und Wildblumen finden. Vor allem Schmetterlinge brauchen diese Plätze, um ihre Gespinste anzulegen und sich fortzupflanzen.

Nisthilfen (PDF)

Bienen im Garten (PDF)

Gemeinsam für die Artenvielfalt

Um das rapide Artensterben zu stoppen, müssen wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass unsere heimischen Pflanzen und Tiere ausreichend Platz bekommen und ihre Lebensräume in der Qualität, die sie brauchen, erhalten bleiben. Darum kümmert sich die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein seit vier Jahrzehnten und konnte schon viele Erfolge verbuchen: Ein Ansporn, um weiterzukämpfen. Helfen auch Sie mit, werden Sie zum Vielfaltschützer! Die Schmetterlinge, Bienen und Hummeln werden es Ihnen danken.

Spenden Sie!
Die Natur wird Ihnen danken

Sie wollen auch Vielfaltschützer werden und die Schönheit von Schleswig-Holstein bewahren? Dann unterstützen Sie uns – es lohnt sich: Sie ermöglichen nachfolgenden Generationen, mit bunten Blumenwiesen, alten Bäumen und faszinierenden Tieren aufzuwachsen.

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