Ordnung:                   Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie:                      Seeschwalben (Sternidae)
Art:                             Fluss-Seeschwalbe (Sterna hirundo)
Körpergröße:             27 – 31 cm
Flügelspannweite:     72 – 82 cm
Alter:                          bis zu 12 Jahre
Gewicht:                    ca. 150 g
Brutzeit:                     Mai/Juni
Verbreitung:              Amerika, Kanada, Europa, Afrika, Asien
Nahrung:                   Kleine Fische, Weichtiere, Insekten
Lebensraum:            Küsten, Wattenmeer, Flüsse, Deichvorland, Seen, Teiche

Als Langstreckenzieher fliegt die Fluss-Seeschwalbe einmal um die halbe Welt. Sie überwintert in den Tropen und den gemäßigten Breiten der Südhalbkugel. Danach zieht es sich jedoch zur Brut zurück in die nördlichen Gebiete, dass heißt auch nach Schleswig-Holstein. Dort kann sie von April bis September beobachtet werden.

Die Fluss-Seeschwalbe war, wie schon der Name andeutet, früher ein häufiger Gast an vielen Flüssen und Seen Deutschlands. Heute kommt sie fast nur noch an der Küste von Nord- und Ostsee vor und gilt daher in Deutschland als stark gefährdet (Rote Liste 2). Gründe dafür sind zum einen, dass ihr Lebensraum v.a. die Brutgebiete in den letzten Jahrzehnten durch den Menschen stark verändert wurde. Überbauung, Uferbefestigung,  –begradigung und Küstenschutz führten dazu, dass offene und störungsarme Kies- und Sandbänke oder andere kurzrasige Bereiche kaum noch vorzufinden sind. Da die Fluss-Seeschwalbe nur direkt auf dem offenen Boden brütet, verschwinden viele potenzielle Brutplätze. Zum anderen gibt es sehr viele Tiere, die Eier oder Küken auf ihrem Speiseplan haben: Fuchs, Mink, Ratte, Marderhund, Waschbär, Großmöwen und Greifvögel haben Fluss-Seeschwalben zum Fressen gern. Eine Störung der Brutplätze durch Menschen und Hunde, eine Verunreinigung der Gewässer und ein geringeres Nahrungsangebot spielen ebenfalls eine Rolle. Ein weiteres Problem ist der Klimawandel. Die wahrscheinlich häufigeren Hochwasserereignisse während der Brutzeit überfluten die Kies- und Sandbänke, wodurch Nester und Küken verloren gehen.    

Die Fluss-Seeschwalbe ist vor allem in der Gruppe stark und brütet daher gerne in großen Kolonien. Nähert sich eine potenzielle Gefahr, greifen die Vögel den Angreifer im Sturzflug an. Wenn es gut läuft schlägt das Team den Feind gemeinschaftlich in die Flucht. Die Gefährdung der Fluss-Seeschwalbe in Deutschland zeigt jedoch, dass die Bedrohung trotz allem groß ist.

Ab Ende April kommen die Fluss-Seeschwalben zum Brüten in das küstennahe Stiftungsland. Nur in den Naturschutzgebieten an der Ostseeküste findet sie noch ruhige Strandflächen und einen reich gedeckten Tisch. Ruhe bedeutet in diesem Fall auch frei von Badegästen, Seglern, Spaziergängern, Kitern usw. In der touristisch stark genutzten Ostseeküstenregion ist dies ein seltenes Gut. Beispiele für solch geschützte Flächen finden sich im Stiftungsland:

•    Geltinger Birk (Kreis Schleswig-Flensburg)
•    Graswarder (Kreis Ostholstein)
•    Schwansener See (Kreis Rendsburg-Eckernförde)
•    Sehlendorfer Binnensee (Kreis Plön)
•    Lanker See (Kreis Plön)

Findet die Fluss-Seeschwalbe eine geeignete küstennahe Brutfläche ist eine erfolgreiche Brut jedoch nicht garantiert. Es besteht immer die große Gefahr, dass ihre Eier und Küken durch Räuber wie Marderhund und Ratte gefressen werden. Um das Überleben der Küken und damit den Bruterfolg der Art zu verbessern, wurden auch im Stiftungsland Schutzmaßnahmen für die Fluss-Seeschwalbe geplant und umgesetzt. Erfolge konnten bereits zwei Projekte des NABU im Stiftungsland Graswarder vor Heiligenhafen und im Stiftungsland Sehlendorfer Binnensee in der Hohwachter Bucht vermelden. Hier wurden jeweils 2007 Brutflöße vom gebietsbetreuenden NABU in Meeresbuchten ausgebracht. Auf diesen künstlichen Inseln kann die Fluss-Seeschwalbe ohne Furcht vor möglichen Räubern brüten. Die Flöße wurden von den Fluss-Seeschwalben sehr gut angenommen, so dass die Naturschützer 2008 in Graswarder bereits 16 Brutpaare und 2014 im Sehlendorfer Binnensee 40 Brutpaare zählten. Wichtiger ist jedoch, dass dank des besseren Schutzes vor Räubern fast alle Küken dieser Brutpaare erfolgreich aufgezogen wurden. Für begeisterte Naturbeobachter ist insbesondere das Stiftungsland Sehlendorfer Binnensee ein lohnenswertes Ziel. Ein Wanderweg führt hier zu einer Aussichtsplattform, die einen guten Blick auf die Brutflöße und damit ab Ende April auch auf die brütenden Fluss-Seeschwalben ermöglicht. Weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Fluss-Seeschwalbe sind in den kommenden Jahren im Rahmen des grenzübergreifenden Naturschutzgroßprojektes BetterBirdLIFE geplant. In diesem, von der Europäischen Union unterstützen, Projekt werden die natürlichen Lebensräume verschiedener bedrohter Vogelarten der Ostseeküste in Dänemark und Schleswig-Holstein verbessert. Eines der schleswig-holsteinischen Projektgebiete ist das Stiftungsland Oehe-Schleimünde, wo ebenfalls Brutflöße ausgebracht werden sollen. Im Stiftungsland Geltinger Birk sollen die bereits vorhandenen natürlichen Brutinseln im Süden des Gebietes verbessert werden, so dass auch hier die Küken der Fluss-Seeschwalbe weniger von Räubern bedroht werden.

Das Stiftungsland Geltinger Birk ist eine Halbinsel in der Flensburger Außenförde im Kreis Schleswig-Flensburg und wurde in den letzten Jahrzehnten durch umfangreiche Naturschutzmaßnahmen erfolgreich wiedervernässt. Dadurch konnte hier eine vielfältige Landschaft mit botanisch wertvollen Strandwällen, Meeresbuchten und Salzwiesen entstehen. Gleichzeitig ist das Gebiet aber auch ein Hot Spot für Liebhaber der Vogelwelt. Gerade in der Zugzeit bietet es gute Beobachtungsmöglichkeiten für rastende und überwinternde Wasservögel wie Reiher-, Berg-, Pfeif-, Schell-, Trauer- und Eiderenten, Zwerg-, Mittel- und Gänsesäger, Ohrentaucher sowie eine Vielzahl von Watvögeln. Besonders auf dem Frühjahrszug können auch bis zu 50.000 Kleinvögel pro Tag gezählt werden. Im Herbst können an der Birk-Nack die arktischen Gänse, Seetaucher und regelmäßig auch Raubmöwen beobachtet werden, die über die Flensburger Förde die Nordsee erreichen. Auch die Fluss-Seeschwalbe findet sich hier nicht nur als Rast- sondern auch als Brutvogel ein. Bereits 10 Paare brüten am südlichen Eingang des Gebietes („Mühle Charlotte“) auf natürlichen Brutinseln und können dort ab Ende April von den Besuchern beobachtet werden.

Warum also noch ein zusätzliches Brutfloß für die Geltinger Birk ?

Gerade die Kombination aus natürlicher Brutinsel und künstlichem Brutfloß erhöht die Überlebenschancen möglichst vieler Küken der Fluss-Seeschwalbe. Wenn ein Räuber wie die Wanderratte auf eine der Brutinseln gelangt, wird meist der gesamte Nachwuchs dessen Opfer. Ein zusätzlicher Standort erhöht dagegen die Anzahl der möglichen Brutplätze. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit, dass alle Küken gefressen werden und ermöglicht die kurzfristige Umsiedlung der Seevögel. Auch bieten die Brutflöße an sich oft einen besseren Schutz vor Raubsäugern wie Wanderratte und Waschbär. Die Flöße liegen im Gegensatz zu den Brutinseln frei schwimmend in tieferem Wasser und sind mit nur einer Schicht Kiesel und Sand bedeckt. Fuchs, Waschbär und Co. schwimmen aber nur ungern um Beute zu machen, wenn genügend andere Nahrung zu finden ist. Die dünne Kiesschicht dient der besseren Tarnung der Eier. Auch verhindern künstliche Absperrungen am Rand des Brutfloßes bereits, dass die Räuber, wenn sie dieses schwimmend erreichen, überhaupt darauf klettern können. Damit überleben durch den besser kontrollierbaren Schutz vor Räubern langfristig mehr Küken der Fluss-Seeschwalbe. Auch andere Brutvögel der Ostseeküste können die Brutflöße nutzen und damit den Schutz vor Räubern genießen. Beispiele dafür sind die Lachmöwe, der Säbelschnäbler, der Austernfischer, der Sandregenpfeifer, verschiedene Entenarten und andere Seeschwalbenarten wie die Küstenseeschwalbe. Ein weiterer Grund für den Bau eines Brutfloßes ist seine Mobilität. Das Brutfloß wiegt im Vergleich relativ wenig und ist einfach zu transportieren und damit mit geringem Aufwand überall mobil einsetzbar. Ein kurzfristiges Ausbringen vor Brutbeginn im Frühjahr oder auch ein Versetzen des Brutfloßes an einen anderen Standort innerhalb der Geltinger Birk ist damit möglich.

Ein Brutfloß besteht in diesem Fall aus mehren Schwimmkörpern. Diese bestehen aus lebensmittelechtem Kunststoff, der vollständig recyclebar ist. Dieser Spezialkunststoff macht die Schwimmkörper besonders langlebig, ist resistent gegenüber Salzwasser, frostsicher und UV-beständig. Auch verhindern die glatten Kanten, im Vergleich zu alternativen Holzkonstruktionen, dass Räuber daran hoch klettern können. Die Schwimmkörper funktionieren nach dem Prinzip eines Baukastens. Die Einzelelemente sind so gestaltet, dass sie relativ einfach untereinander verbunden werden können. Dadurch lassen sich die einzelnen Schwimmkörper je nach Wunsch in einer beliebigen Form zusammenstecken und bei Bedarf auch einfach erweitern. Die zusammengesteckten Schwimmkörper werden dann im Anschluss mit einer Schicht aus Sand und Kies abgedeckt, die einen natürlichen Strand darstellen sollen auf dem die Fluss-Seeschwalbe brüten kann. Auch können kleine Unterstände aus Holz auf dem Brutfloß aufgestellt werden, unter dem die Küken zusätzlich Schutz vor Räubern aus der Luft wie großen Möwen und Greifvögeln finden.

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