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Stiftungsland
Vaaler- und Herrenmoor
In der unzerschnittenen Weite der Niederung hatte sich nach der letzten Eiszeit ein zusammenhängender Moorgürtel entwickelt. Er reichte ursprünglich von Heiligenstedten bis nördlich des Kudensees – ein sichelförmiger Bogen von rund 23 Kilometer Länge. Heute sind davon nur noch Reste übrig, die die Stiftung Naturschutz, der Kreis Steinburg und das Wasser- und Schifffahrtsamt des Bundes (WSA) renaturieren.
Dem Mythos Moor auf der Spur
Hier, am Übergang von der Elbmarsch zum Geestrücken, sind die beiden Hochmoorkerne von landwirtschaftlich genutzten Niedermoorflächen umgeben. Es werden Hochmoortorfstärken von drei bis sechs Meter festgestellt. Das darunter liegende Niedermoor ist zwischen sieben und zehn Metern mächtig. Zusammen ergibt das eine Gesamtmoorauflage von bis zu 16 Metern!
Das ausgedehnte Moorgebiet bietet ein Mosaik aus typischen Hochmoorflächen, Grünland auf Moorboden, Birkenwäldern, Röhrichten, Weidengebüschen sowie aufgespülten Sandflächen im Vaaler Moor mit den dazugehörigen Tier- und Pflanzengesellschaften.
Das Naturschutzgebiet „Herrenmoor bei Kleve“ kann über Gemeindewege von Nutteln aus über den Weg „Vierth“ zu Fuß erkundet werden. Die Wege sind teils auch mit dem Rad befahrbar.
Das sich westlich anschließende Vaaler Moor ist nur über die Wirtschaftswege zu erreichen. Hier hat das WSA als Ausgleich für die Elbvertiefung die Wiedervernässung der trockengelegten Moorresten in die Hand genommen. Infoschilder informieren die Besucher darüber. Einen guten Eindruck bekommt man bei der Gebietsquerung auf dem „Krugsdamm“.
Hotspot der Artenvielfalt
Im Herrenmoor gibt es auf kleinen Parzellen noch hochmoortypische Arten, die sich nach der Wiedervernässung wieder auf den gesamten Lebensraum ausbreiten können. Zu ihnen gehören Moorlilie, Sonnentau, Wollgras und Torfmoose. Dazwischen tummeln sich europaweit geschützte Arten, wie Moorfrosch, Kreuzotter und Ringelnatter. Vogelgucker können sich auf Bekassine, Schwarzspecht, Kranich, Wachtelkönig, Neuntöter und Braunkehlchen freuen. Die sehr seltene Sumpfohreule hat 2022 im Gebiet gebrütet. Einen wunderschönen Blick auf die Heideblüte hat man vom Rastplatz am Nuttelner Berg.
Wasser marsch! heißt das Patentrezept auch im Vaaler Moor. Von den höheren Wasserständen profitieren Wiesenpieper, Wiesenschafstelze und Bekassine, Amphibien und Insekten, wie Libellen, aber auch Feuchtwiesen-Pflanzen, unter ihnen Wiesenschaumkraut und Blutweiderich. Torfmoose, die noch im Boden schlummerten, wachsen wieder und speichern klimaschädliches CO₂.
Landwirtschaft und Naturschutz
Die Wiedervernässung von Teilen des Vaaler Moors durch die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, das WSA und den Kreis Steinburg sowie die Wasserstandsanhebungen im Stiftungsland Herrenmoor schließen eine landwirtschaftliche Nutzung nicht aus. Rund um den Kernbereich wird Grünlandnutzung betrieben, vorherrschend sind (Mäh-) Weiden mit Rindern. Auf den ehemaligen Spülfeldern des Kanalausbaus im Vaaler Moor, den Moorregenerationsflächen sowie auf weiten Teilen des Grünlands findet keine Nutzung statt. Dieses verbrachte Grünland bildet Pufferzonen für das angrenzende Herrenmoor. Sie werden, wenn möglich, derzeit ebenso vernässt. Die Heideflächen am Geesthang werden offengehalten. Die Eichenwälder werden teils extensiv forstlich genenutzt, teils liegen sie einfach brach.
Erst kultiviert – jetzt renaturiert
Nach dem Abschmelzen des Eispanzers vor 10.000 Jahren stieg der Meereswasserspiegel langsam an und überflutete das Gebiet der heutigen Elbmarschen. Durch die vom Wechsel der Gezeiten mitgetragenen Sinkstoffe und Ablagerungen der Zuflüsse, insbesondere der Elbe und ihrer Nebenflüsse, wuchs der Meeresboden langsam an. An den aufgespülten Ufern der Flüsse und Priele entstanden um die christliche Zeitenwende erste Siedlungsplätze. Die systematische Entwässerung und Besiedlung der Elbmarschen begann im 12. Jahrhundert unter der Mitwirkung holländischer Kolonisten und Spezialisten, die im Deich- und Entwässerungsbau erfahren waren.
Die sehr tief liegenden Flächen der Wilstermarsch sowie die moorigen Gebiete konnten erst mit Hilfe der im 16. Jahrhundert ebenfalls aus Holland eingeführten windbetriebenen Schöpfmühlen entwässert und für die landwirtschaftliche Nutzung urbar gemacht werden. Moorkolonisten begannen schließlich mit gezielten Entwässerungen und Torfabbauten und im Jahre 1857 wurde die Gemeinde Vaalermoor gegründet.
Infolge der Moorentwässerung kam und kommt es zu erheblichen Sackungen des Moorbodens um zwei Zentimeter und mehr pro Jahr. Beim Kontakt mit der Luft gibt der Moorboden erhebliche Mengen Treibhausgase frei. Mit der Renaturierung der Moore wird dieser Prozess gestoppt und nach kurzer Zeit das Moorwachstum angekurbelt und damit wieder CO₂ gebunden.
Was kann ich für den Klimaschutz tun?
Setzen Sie sich für den Schutz der Moore ein und unterstützen Sie unsere Moorschutzprojekte! Mit einer Spende über 120 Euro können wir 100 Quadratmeter Moor ankaufen, noch einmal 40 Euro kostet die dauerhafte Renaturierung dieser Fläche.
Kaufen Sie der Umwelt zu Liebe nur „torffreie“ Blumen- und Gartenerde. Noch immer werden in Deutschland, aber mit steigender Tendenz auch in den Baltischen Ländern und Russland Moore zerstört, um Torf abzubauen. Achten Sie daher auf „torffreie“ Erden und lassen Sie sich nicht durch Angaben wie „torfreduziert“ oder „torfarm“ in die Irre führen. Übrigens, auch sogenannte Bioerden können große Mengen Torf enthalten!
Fakten
- Größe:
- NSG-Herrenmoor: 215 Hektar, Vaaler Moor: 435 Hektar / FFH-Gebiet: 953 Hektar davon 466 Hektar Vaaler Moor und 477 Hektar Herrenmoor weiter östlich weitere zehn Hektar.
- Lebensraum:
- beeinträchtigte Hochmoore, Übergangs- und Schwingrasenmoore, Feuchtheiden, trockene Heiden; bodensaure Eichenwälder, sandige und moorige Spülfeldflächen, Grünland auf Moorboden, Birkenwäldern, Röhrichten, Weidengebüschen und aufgespülte Sandflächen
- Ziel:
- Moorschutz ist Klima- und Artenschutz, Wasserspeicher, Wiedervernässung, Naherholung
- Tiere:
- Bekassine, Wiesenpieper, Wiesenschafstelze, Braunkehlchen, Neuntöter, Grünspecht, Schwarzspecht, Blaukehlchen, Kranich, Uhu, Wachtel, Wachtelkönig, Sumpfrohrsänger, Waldohreule, Sumpfohreule Moorfrosch, Libellen, wie Nordische Moosjungfer
- Pflanzen:
- Wiesenschaumkraut, Blutweiderich und Sumpfvergissmeinnicht, Wollgras, Moor- u. Beinbrechlilie, Moosbeere, Kammfarn, Knabenkraut, Glocken- und Rosmarinheide, Gemeine Krähenbeere, Gagelstrauch, Torfmoospolster, Sumpfbärlapp, Sprossender Bärlapp Silbergras
Extras
- Wanderweg
- Picknickgelegenheit
- Aussichtspunkt
- Hunde angeleint erlaubt


