Stiftungsland

Bilsbekniederung

Alte Kulturlandschaft zwischen Himmelmoor und Pinnau

Die Bilsbekniederung ist ein echtes Juwel für Naturliebhaber in Schleswig-Holstein. Hier brüten bedrohte Vogelarten wie Wiesenpieper, Wachtelkönig und Feldlerche. Selbst majestätische Kraniche lassen sich regelmäßig bei der Nahrungssuche beobachten. Wer Ruhe und Natur sucht, findet auf den Wanderwegen Gelegenheit, diese weitgehend ungestörte Landschaft zu erleben. 

Charakteristisch sind die alten Kopfweidenreihen und imposanten Einzelbäume – Relikte einer historischen Kulturlandschaft, die den besonderen Charme des Gebietes ausmachen.
 

Grafik einer Libelle

Lebensader Bilsbek – Vielfalt am Hamburger Stadtrand

Die Bilsbek entspringt im Himmelmoor bei Quickborn, nach 15 Kilometer mündet sie in die Pinnau, Kreis Pinneberg. Wie eine Lebensader verbindet sie Wälder, Feuchtwiesen und Überschwemmungsflächen. Das Gebiet ist nicht nur Teil des Biotopverbundnetzes Schleswig-Holsteins, sondern auch wichtig für die Trinkwasserversorgung Hamburgs. Im Zeichen des Klimawandels gewinnt die Niederung als Wasserspeicher zunehmend an Bedeutung.

Typisch: Rinder, Mähwiesen und Kopfweiden

Das Grünland wird von Rindern beweidet oder gemäht. Nur wenige Flächen sind brach gefallen. Ackernutzung? Fehlanzeige! Charakteristisch für die Bilsbekniederung sind neben dem Offenland alte Bäume, die einzeln oder in Gruppen die Bilsbek und die zahlreichen Entwässerungsgräben begleiten oder auf den Grünlandflächen stehen. Häufig sind es Erlen, Eichen und Weiden. Viele davon haben ein hohes Alter. Vor allem die zahlreichen alten Kopfweiden weisen Höhlen, Astabbrüche, Spalten und einen urigen Wuchs auf.

Auf Vogelkiek

Charakteristisch für die Bilsbekniederung sind Feldlerche und Wiesenpieper, die vor allem auf den Stiftungsflächen brüten. Regelmäßig anzutreffen sind Neuntöter und Schwarzkehlchen, die von Büschen und einigen Dornsträuchern auf den Extensivflächen und entlang der Wege profitieren. Diese Bereiche bewohnt auch die Goldammer.

Der Wachtelkönig liebt einige Bereiche des Gebietes und hat hier einen Hotspot in Schleswig-Holstein. Regelmäßige Nahrungsgäste sind auch Turmfalke, Mäuse- und Wespenbussard. Der Wespenbussard ist seit den 1990ern als erfolgreicher Brutvogel in den umliegenden Wäldern bekannt. Offensichtlich locken ihn Erdwespenvorkommen entlang der Knickränder und Gehölzsäume an. Ein früheres Brutvorkommen des Schwarzstorchs ist schon lange erloschen. 

Der Verlust von Wiesenvogelarten ist in ganz Schleswig-Holstein zu beobachten. Das gilt auch für die Bilsbekniederung. In den letzten Jahren wurden nur noch vereinzelt Wiesenvögel beobachtet, die hier bis vor rund 20 Jahren regelmäßig Brutvögel waren. Die letzten Bruten des Großen Brachvogels wurden 2001 westlich des Himmelmoors auf Extensivgrünland nachgewiesen. Bruten des Kiebitzes werden gar nicht mehr beobachtet.

Fossiles Relikt: Bachneunauge

Der Besucher bekommen das Bachneunauge, ein urtümliches Wirbeltier, üblicherweise nicht zu Gesicht. Es ist nicht Fisch und auch nicht Säugetier. Der Körper des Bachneunauges ähnelt stark dem eines kleinen Aals mit einer Länge von 10 bis 20 Zentimeter Länge. Das Bachneunauge existiert seit über 500 Millionen Jahr. Das Urtier bevorzugt klare Bäche und Flüsse und ist gesamten Nord- und Ostseebereich weit verbreitet.

Waldpflanzer unterwegs

In Sachen Waldpflanzer ist die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gerade hier gut vernetzt: In der Bilsbekniederung bei Ellerhoop pflanzte sie zusammen mit Schüler*innen des Ludwig-Meyn-Gymnasiums in Uetersen 25 Wildäpfel (Baum des Jahres 2013) und 100 Flatterulmen (Baum des Jahres 2019). Mit diesen Raritäten entstand ein Lebensraum, der in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft immer mehr abhandenkommt. Auf Initiative ihres ehemaligen Lehrers haben die Schüler*innen in den vergangenen Jahren 28 Hektar neuen Auwald an der Krückau zwischen Kaltenkirchen und Barmstedt gepflanzt.

Auf Sand gebaut – Eiszeit als Baumeister

Die letzte Eiszeit vor 10.000 Jahren hat auch das Gesicht der Bilsbekniederung, wie in Schleswig-Holstein üblich, geprägt. Abschmelzendes Inlandeis sorgte für mächtige Schmelzwasserströme, die sich ihren Weg in das Urstromtal der Elbe suchten. „Auf Sand gebaut“ ist hier wörtlich zu nehmen, lagerten die Gletscher doch Mengen von Schmelzwassersanden und -kiesen ab. So wurde die Grundlage für die Täler von Pinnau, Bilsbek und Krückau geschaffen. Das heutige Flusssystem entstand und im gestauten Schmelzwasser entwickelten sich Nieder- und Hochmoore, wie das Himmelmoor.

Unsere Vorfahren begradigten die ausgeprägten Flussschleifen (Mäander) der Bilsbek, um die Entwässerung der angrenzenden Flächen zu optimieren, um mehr Platz für die Landwirtschaft zu gewinnen. Mit dem wachsenden Einsatz von Dünger verschlechterte sich die ökologische Situation der Bilsbekniederung weiter. Viele Tier- und Pflanzenarten verschwanden.

Wasser marsch!

Um das Landschaftsbild zu erhalten und die Vielfalt wiederherzustellen, begann die Stiftung Naturschutz vor 30 Jahren Flächen in der Niederung anzukaufen. Zunächst stellte sie zusammen mit den Partnern vor Ort den natürlichen Wasserhaushalt wieder her: Drainagen verschwanden, Gräben wurden verschlossen, der Wasserstand in der Niederung stieg. Landwirte lassen seitdem ihre Rinder in geringer Besatzdichte dafür sorgen, dass die Flächen nicht verbuschen.

Etappenweise folgte die Renaturierung der Bilsbek selbst. Die Durchgängigkeit des Flusslaufes wurde wiederhergestellt und das Bachbett mit Kies und Totholz aufgewertet. Die Uferrandstreifen wurden mit Gehölzpflanzungen optimiert. Parallel folgten kleine Uferschwenkungen, um die Bilsbek wieder mäandern zu lassen. Mit ihrer Amphibieninitiative legte die Stiftung Naturschutz in Randbereichen der Niederung neue Laichgewässer für seltene Amphibien wie Kammmolch, Moorfrosch und Kreuzkröte an, um ihnen die Wiederbesiedelung der Niederung zu erleichtern. Im Zuge der Maßnahmen entstanden Überschwemmungsbereiche und Feuchtwiesen, die durch die Beweidung Wiesenvögel zurückholen sollen.

Fakten

Größe:
776 ha Bilsbekniederung, Himmelmoor und Kummerfelder Gehege (NATURA 2000). Bilsbekniederung: 160 Hektar, davon rund 100 Hektar Stiftungsland. Der Rest ist im Besitz der Stadt Pinneberg und privaten Eigentümern.
Lebensraum:
Grünlandniederung auf Niedermoor mit Feuchtwiesen, extensivem Grünland, Überschwemmungsflächen, Hochstaudenfluren, Feuchtwälder, Gehölzgruppen. Ehemals Wiesenvogelgebiet.
Ziel:
Erhalt einer naturnahen Niederung mit offenem und extensiv genutztem Niedermoorkomplex, insbesondere als Lebensraum einer artenreichen Vogelfauna.
Tiere:
Feldlerche, Neuntöter, Schwarz- und Braunkehlchen, Wiesenpieper, Klein-, Mittel- und Schwarzspecht, Weißstorch, Wespenbussard, Rotmilan, Kranich, Wachtelkönig, Uhu, Eisvogel
Pflanzen:
Blutweiderich, Sumpfbaldrian, Mädesüß, Schwertlilie, Sumpfdotterblume, Wiesenschaumkraut, Hahnenfuß, Kuckuckslichtnelke, Sumpf-Vergissmeinnicht, Sumpf-Kratzdistel, Moor-Labkraut und verschiedene Seggen-Arten, Erlen, Eichen, Kopfweiden

Extras

  • Wanderweg
  • Hunde angeleint erlaubt
  • Radweg

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