Stiftungsland

Oehe Schleimünde

Sie ist eine Perle unter den Stiftungsländern: Die Halbinsel Oehe-Schleimünde – absolut einzigartig!

Dort wo die Schlei mit der Ostsee verschmilzt, ist eine klassische Strandwall-Landschaft entstanden. Ein Lebensraum, in dem hauptsächlich Vögel ungestört brüten, füttern und jagen können. Säbelschnäbler, Sandregenpfeifer, Enten, Gänse und Möwen sorgen in dem Mix aus Spülsäumen, Dünen, Salzwiesen, Lagunen, Windwatten, Trockenrasen und Flachgewässern für jede Menge Betrieb – und das meist lautstark.

Das Vogelparadies ist ganzjährig gesperrt, also nahezu frei von menschlichen Störungen. Lediglich Beutegreifer, in erster Linie der Rotfuchs, machen das Brutgeschäft auf der Halbinsel zu einem gefährlichen Unterfangen. Aber Führungen des betreuenden Vereins Jordsand ermöglichen einen Besuch des Refugiums. Der landseitige Zugang zum Gebiet führt auf schmalem Weg zum Vogelwärterhaus im Norden. Die Südspitze mit Lotsenhaus und „Giftbude“ (Gastronomie) können Besucher*innen nur per Boot erreichen.

Grafik einer Libelle

Vogelwelt, die sich blicken lassen kann

Das Naturschutzgebiet Oehe-Schleimünde ist auch europarechtlich geschützt. Die „Oehe“ ist von großer Bedeutung für die Vogelwelt und in ihrer Naturausstattung absolut einmalig an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. So besonders und vielfältig sie ist, sind auch ihre Bewohner: Angefangen bei den Dauergästen wie Graugänse, Austernfischern , Küstenseeschwalben, Silbermöwen und Sandregenpfeifern, trifft man im Spätsommer und Herbst auch auf besondere Gäste wie die nordischen Goldregenpfeifer, die als Kurz-Urlauber nur eine Zwischenrast auf ihrem Weg in Richtung Süden machen. Wiederkehrende Saisongäste, die vor allem in der kalten Jahreszeit das Stiftungsland aufsuchen, sind Singschwäne, Nonnengänse und Eiderenten. Im Frühjahr gesellen sich dann die Feldlerchen, Zwergseeschwalben und Sturmmöwen dazu.

Seit Ende der 1990er Jahren hat sich auch ein Seeadlerpaar in der unmittelbaren Umgebung niedergelassen. Majestätisch gleiten die Seeadler dann zur Nahrungssuche über die Schlei. Fast geräuschlos tauchen sie über der Oehe auf und sind dabei in großer Höhe mit bloßem Auge kaum zu entdecken. Erst wenn Gänse und Enten mit lautem Geschnatter auffliegen, wird die Anwesenheit der Seeadler auch von den Menschen bemerkt. Ein tolles Naturschauspiel!

Pflanzenwelt zwischen Salz- und Süßwasser

Besonders schützenswert ist die vielgestaltige Flora des Gebietes. Ein buntes Blütenmeer findet sich sowohl auf den ausgedehnten Salzwiesen als auch auf den Strandwällen unmittelbar am Ostseestrand. Hier dominieren Stranddistel, Meerkohl , Strand-Melde und Salzmiere. Auf den Salzwiesen blühen im Spätsommer die Grasnelken und -astern während im Brackwasserbereich viele weitere Spezialisten unter den salzliebenden Pflanzen zu finden sind. Hoch ist auch die die Artenvielfalt bei Moosen und Flechten. Probleme bereiten den Vielfaltschützern vor allem die eingewanderte Kartoffelrose. Sie wuchert unkontrolliert und schränkt die Übersichtlichkeit des Geländes für Bodenbrüter stark ein. Zudem überwuchert sie kleine lichtliebende Pflanzen.

Galloways sorgen für Ordnung am Ostseestrand

Um dem dramatischen Rückgang der Brutvogelbestände auf der Oehe zu begegnen wird die Kartoffelrose mechanisch und mit einer Gallowayherde bekämpft. Die Vierbeiner rücken aber nicht nur ihr mit dem Appetit auf Grünzeug auf den Leib. Sie halten auch Röhrichte und Gräser im Schach, denn bodenbrütende Vögel brauchen freie Sicht.

Davon profitieren auch die Froschlurche an ihren Laichgewässern, weil schattenspendende Gehölze kurzgehalten werden, damit sich die Teiche in der Frühjahrssonne rasch erwärmen – ein entscheidender Vorteil bei der Fortpflanzung der Amphibien.

Kleingewässer sorgen für Artenvielfalt: Kreuzkröten

Neue Kleingewässer für das Laichgeschäft der europaweit geschützten Kreuzkröten hat die Stiftung Naturschutz im Rahmen des Projektes Frosch und Freunde auch auf der Oehe angelegt. Dabei war Fingerspitzengefühl und Knowhow gefragt: Die Tümpel müssen einerseits so flach sein, dass sie im Sommer austrocknen. Nur so ist gewährleistet, dass sich keine Fische in dem Gewässer ansiedeln, nachdem die kleinen Kröten ihr ‚Kinderzimmer‘ verlassen haben. Die Fische würden sonst im nächsten Frühjahr den Froschlaich, der ohnehin schon bedrohten Kreuzkröte fressen. Zudem muss gleichzeitig gewährleistet sein, dass nach Niederschlägen auch mindestens 20 Zentimeter Wasser stehen bleiben. Die Vielfaltschützer müssen außerdem verhindern, dass Salzwasser aus der Ostsee in die Süßwasser-Tümpel läuft, denn darauf steht die Kreuzkröte gar nicht – auch wenn sie den Ostseesand zu vergraben braucht.

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Strandwalllandschaft in der Schleimündung verändert seit der letzten Eiszeit ständig ihre Form. Das Gebiet ist aus Sedimenten aufgebaut, die durch Meeresströmungen vor allem vom südlich gelegenen Schönhagener Kliff abgetragen wurden. Der ständige Wechsel von Anlandung und Abtrag (bei Sturmfluten), von Dünenneu- und -rückbildung hat hier einen der wenigen noch intakten natürlichen Bereiche der deutschen Ostseeküste geschaffen.

Ursprünglich war die Halbinsel ein Teil des Gutes Olpenitz, also zu Schwansen gehörig, und die alte Einfahrt zur Schlei lag nördlich von ihr. Als die alte Schleimündung versandete, erwies sich der Bau einer neuen, weiter südlich zu errichtenden Einfahrt als notwendig. Ein erster neuer Durchstich an der heutigen Schleimündung erfolgte 1780, der sich in den Winterstürmen erweiterte. Eine erste Befestigung mit Holzpfählen wurde 1782 angelegt, erwies sich jedoch als nicht haltbar genug. 1795 wurde das Holz durch Steine ersetzt. Die heutige Mündung basiert immer noch auf der damaligen Anlage, die man später weiter vertiefte und befestigte. Der 14,3 Meter hohe Leuchtturm stammt aus dem Jahr 1871.

Fakten

Größe:
691 Hektar, davon 127 Hektar Landfläche (Halbinsel Oehe – 110 Hektar langfristig angepachtet)
Lebensraum:
Strandwall, Dünenbereiche, Salzgrünland, Lagunen, Wattflächen, salzwasserbeeinflusste Fachgewässer, Brackwasserröhrichte, Trockenrasen, Bruchwald und Moor
Ziel:
Erhalt der Schleimündung mit Strandwalllandschaft samt Salzwiesengebieten, der Dynamik der Ausgleichsküste und seiner typischen Vogelwelt
Tiere:
Zwergsäger, Rohrweihe, Seeadler, Singschwan, Säbelschnäbler, Zwergsee-, Küstensee- und Flussseeschwalbe, Mittel- und Gänsesäger, Mantelmöwe, Tafel-, Reiherente, Schilfrohrsänger, Rotschenkel, Bekassine, Kiebitz, Feldlerche, Eiderente, Goldregenpfeifer
Pflanzen:
Stranddistel, Meerkohl, wenig Gehölze, dichte Bestände von Sanddorn, Problem: Neophyt Kartoffelrose, hohe Artenvielfalt bei Moosen und Flechten, Strandaster, Strand-Dreizack, Strandhafer

Extras

  • Picknickgelegenheit
  • Aussichtspunkt

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