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Stiftungsland
Jardelunder Moor
Wenn der Sommer sich seinem Ende neigt, wird das Jardelunder Moor an der dänischen Grenze zur nächtlichen Arena von Rothirschen. Die Hirsche sind wohl genährt und bereit für die Brunft. Sobald die Sonne untergeht, strecken sie ihre Köpfe mit mächtigen Geweihen in die Höhe und lassen ihr gewaltiges Röhren ertönen. Ein Naturspektakel, das weithin zu hören ist und unter die Haut geht.
Der König des Waldes
Übrigens: Jardelund ist altdänisch und bedeutet Hirschwald. Früher in ganz Europa verbreitet, kommt der Rothirsch in Schleswig-Holstein nur in kleinen Gebieten vor. Diese werden durch Verkehrsstraßen, Bahntrassen und den Nord-Ostsee-Kanal zerschnitten.
Das Jardelunder Moor bildet zusammen mit dem Fröslev Moor auf der dänischen Seite die Grundlage für den Aufbau einer stabilen Population im nördlichen Landesteil. Die Stiftung ist landesweit bemüht, den Rothirsch als Landschaftsgestalter wieder in die Landschaft zu integrieren.
Den Lebensraum Moor mit seiner Vielfalt erobern
Das nördlichste Projektgebiet hat noch mehr zu bieten. Nähstoffarmut und Versauerung machen das Moor zu einem besonderen Lebensraum. Die hier lebenden Tiere und Pflanzen sind deshalb echte Spezialisten. Seit die Stiftung Naturschutz das Moor renaturiert, leben die moortypischen und größtenteils seltenen Arten wieder auf.
Aufmerksame Besucher*innen können hier seltene Libellen, wie zum Beispiel die Große Moosjungfer und andere Raritäten, wie die Bekassine, den Großen Brachvogel oder den Neuntöter beobachten. Seltene Pflanzen, unter ihnen Sonnentau oder das Wollgras, begleiten Besuchende auf ihrer Wanderung durch Flächen, auf denen eine Wanderschafherde die Landschaftspflege übernommen hat. Das zarte Rosa der blühenden Glockenheide sorgt für die farblichen Akzente. Ein botanischer Leckerbissen ist die Blume des Jahres 2020: der seltene Fieberklee – der hier noch verbreitet vorkommt. Prägend sind aber verschiedene Torfmoose, weil sie das Moor wachsen lassen und damit CO₂ speichern, während Wollgräser im Frühjahr für ein Meer aus wogenden weißen Farbtupfern sorgen.
Der Gesamtkomplex, der sich auf der dänischen Seite mit dem Fröslev Moor fortsetzt, ist von ausgedehnten Grünlandbereichen umgeben und bietet dem Moorfrosch einen geeigneten Lebensraum. Weites Land, soweit das Auge reicht, baumfreie Zonen, die sich mit kleinen und größeren Wäldern abwechseln, Wasserstellen, um die herum Hochlandrinder grasen.
Wasserfestes Schuhwerk, am besten Gummistiefel, ist in der Regel ratsam. Auch mit diesen ist der Verbleib auf den Wegen unabdingbar. Nicht nur, um die Natur zu schützen, sondern schlicht und ergreifend auch, um nicht bis zu den Hüften oder tiefer im Schlamm festzustecken.
Moorschutz ist Klimaschutz
Besonders wichtig sind der Stiftung Naturschutz die Torfmoose. Sie sorgen dafür, dass das Moor wächst und CO₂ bindet. Schon der Stopp der künstlichen Entwässerung ist ein riesen Erfolg, weil die im Torf gebundene Klimagase nicht mehr freigesetzt werden können. Denn: Entwässerte Moore zersetzen sich bei Kontakt mit Sauerstoff und geben nicht nur CO₂ frei.
Moore sind unsere größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher. So kann ein Hektar Moor bis zu sechsmal so viel Kohlenstoff speichern wie ein Hektar Wald. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Moorböden nass sind, so dass die Torfmoo-se wachsen und CO₂ aus der Luft binden können. Heute sind rund 90 Prozent der deutschen Moore entwässert, um die Flächen landwirtschaftlich zu nutzen.
Nutzungsgeschichte des Jardelunder Moores
Die Region rund um das Moor ist schon seit der Bronzezeit, also seit 3.700 Jahren besiedelt. In dieser Zeit wurden große Teile der Wälder in der Umgebung gerodet. Aus dem 11. Jahrhundert gibt es erste archäologische Funde.
Der Moorkörper ist in den letzten Jahrhunderten durch Entwässerung, Moorsackung und Torfabbau stark verändert worden. Die Abbaubereiche sind heute als wassergefüllte Torfstiche zu erkennen. Die alte uhrglasförmige Oberfläche des Moores ist nur noch in Resten vorhanden.
Torf wurde seit Beginn des 19. Jahrhunderts abgebaut. In Dänemark wurde der Torfabbau bereits nach dem 2. Weltkrieg eingestellt. Bis Ende der 1950er Jahre wurde auf deutscher Seite auf großen Flächen der Torf maschinell abgebaut. Kleinflächig erfolgte dieser bis in die 80er Jahre.
Nach der Ausweisung als Naturschutzgebiet auf deutscher Seite (1984) wurde auch der angrenzende dänische Teil 1985 als „Naturreservat Frøslev Mose“ ausgewiesen. 1988 beschlossen beide Staaten ein länderübergreifendes Renaturierungsprogramm: Zwischen 1993 und 1995 stellten die Experten in weiten Teilen den moortypischen Wasserstand wieder her, um das nährstoffarme Niederschlagswasser im Hochmoor länger zu halten und die Entwässerung, Sackung und weitere Mineralisation des Moorbodens einzuschränken.
Ohne starke Partner geht es nicht
Die ersten Renaturierungsversuche vom damaligen Amt Nordschleswig auf dänischer Seite und dem Land Schleswig-Holstein wurden erst durch Mittel der Europäischen Union möglich.
Die Betreuung dieses Naturschutzgebietes wird heute durch den Landesjagdverband gewährleistet. Die Jägerschaft vor Ort kümmert sich in ihrer Info-Hütte um alles Wissenswerte rund um das Moor.
Was kann ich für den Klimaschutz tun?
Setzen Sie sich für den Schutz der Moore ein und unterstützen Sie unsere Moorschutzprojekte! Mit einer Spende über 120 Euro können wir 100 Quadratmeter Moor ankaufen, noch einmal 40 Euro kostet die dauerhafte Renaturierung dieser Fläche.
Kaufen Sie der Umwelt zu Liebe nur „torffreie“ Blumen- und Gartenerde. Noch immer werden in Deutschland, aber mit steigender Tendenz auch in den Baltischen Ländern und Russland Moore zerstört, um Torf abzubauen. Achten Sie daher auf „torffreie“ Erden und lassen Sie sich nicht durch Angaben wie „torfreduziert“ oder „torfarm“ in die Irre führen. Übrigens, auch sogenannte Bioerden können große Mengen Torf enthalten!
Fakten
- Größe:
- 226 Hektar auf deutscher Seite, davon 157 Hektar im Besitz der Stiftung Naturschutz
- Lebensraum:
- Hoch- und Niedermoor, Übergangsmoore, Röhricht- und Flachwasserbereiche, Feuchtgrünland
- Ziel:
- Moorschutz ist Klima- und Artenschutz, Wasserspeicher, Wiedervernässung, Naherholung
- Tiere:
- Große Moosjungfer, Moorfrosch, Knoblauchkröte, Kreuzotter, Nordische Moosjungfer, Torfmoos-Mosaikjungfer, Hauben-Azurjungfer; wertgebende Käferarten: Blatt-, Schilf-, Rüsselkäfer (einziger Ort in Deutschland), Taumelkäfer, Rothirsch, Wiesenpieper
- Pflanzen:
- diverse Torfmoose, Ästiger Igelkolben, Besen- und Rosmarinheide, Blutwurz, Breitblättriger Rohrkolben, Dorn- u. Königsfarn, Draht-Schmiele, Europäischer Froschbiss, Fieberklee und vieles mehr. Mittlerer Sonnentau, Schlankes Wollgras
Extras
- Wanderweg
- Picknickgelegenheit
- Aussichtspunkt
- Hunde angeleint erlaubt


