Stiftungsland

Himmelmoor

Ein Ausflug ins Himmelmoor ist wie ein Ausflug in eine andere Welt.

Tiefblau glitzert das Wasser in den Becken, an denen Pfade mit rot-braunem Torfboden entlangführen. Grüne Gräser und Sträucher, weißes fluffiges Wollgras und rosa Glockenheide sorgen für Farbtupfer. Moorfrösche quaken, Libellen zeigen ihre Flugkünste, während Enten und Gänse gemütlich auf dem Wasser dümpeln.

Es ist eines der größten Hochmoore Schleswig-Holsteins – das 600 Hektar große Himmelmoor bei Quickborn. Die heute noch fahrende Torfbahn erinnert daran, dass hier bis 2018 Torf industriell abgebaut wurde. Seitdem sind die Naturschützer*innen bemüht, das Rad der Zeit zurückzudrehen und das Wasser ins Moor zurückzuholen.

Grafik einer Libelle

Mit der Lok durchs Himmelmoor zuckeln

Für Besucher ein besonderes Erlebnis ist eine Rundfahrt mit der historischen Torfbahn. Sie startet am ehemaligen Torfwerk am Rande des Moores. Von dort zieht eine Diesellok aus den 50er-Jahren die offenen Besucherwaggons auf den alten Gleisen durch das Moor. Bei der gemütlichen Fahrt gibt es natürlich jede Menge Informationen zum Lebensraum Moor und seiner Industriegeschichte. Die Fahrten werden von Frühjahr bis Herbst von der Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor organisiert, der sich auch um die Wartung und Pflege der alten Lokomotiven kümmert.

Den Lebensraum Moor mit seiner Vielfalt erobern

Bekanntlich führen viele Wege nach Rom. So ist es auch im Himmelmoor: Der vier Kilometer langer Moorlehrpfad mit zahlreichen Infotafeln informiert über den Torfabbau und die typische Flora und Fauna im Hochmoor. Rechts und links wechselt die Landschaft von Moor über Wald und Wiesen bis hin zu den vernässten Bereichen des ehemaligen Torfabbaus. Federnder Moorboden wechselt sich mit einem Holzbohlenweg. Drei Aussichtspunkte bieten Eindrücke der besonderen Art. Für Besucher*innen heißt es Rücksicht nehmen: Striktes Verbot, zu rauchen und offenes Feuer zu machen. Anleinpflicht für Hunde und die Bitte, die ausgewiesenen Wege nicht zu verlassen.

Artenvielfalt im Moor: ein Lebensraum für Spezialisten

Nähstoffarmut und Versauerung machen das Moor zu einem besonderen Lebensraum. Die hier lebenden Tiere und Pflanzen sind deshalb echte Spezialisten. Seit dem Ende des Torfabbaus kommen die moortypischen Arten wieder zurück. Bekassine, Großer Brachvogel, Krickente und Kraniche bevorzugen die feuchten Bereiche. Daneben gibt es Sumpfmeise, Weidenmeise, Mittel- und Schwarzspecht sowie Uhu, Rotmilan und Wespenbussard in den bewaldeten Bereichen. Zugvögel, wie Enten und Gänse, nutzen das Moor als Zwischenstation.

Wo es richtig feucht ist, tummeln sich gern die Libellen, unter ihnen Gebänderte Prachtlibelle, Hochmoor-Mosaikjungfer und Große Königslibelle. Auch verschiedene Reptilien und Amphibien kommen vor, unter anderem Schlingnatter und Kreuzotter sowie Kreuzkröte und andere Froschlurche.
Die Pflanzenwelt muss sich auch nicht verstecken. Der fleischfressende Sonnentau ist natürlich die Sensation. Wichtiger sind aber verschiedene Torfmoose, weil sie das Moor wachsen lassen und damit CO₂ speichern, während Wollgräser für ein Meer aus wogenden weißen Farbtupfern sorgen. Die Charakterarten der Moore, wie Moosbeere, Gagelstrauch, Rosmarinheide, Schnabelried und Sumpf-Calla fehlen nicht.

Moorschutz ist Klimaschutz

Besonders wichtig ist der Stiftung Naturschutz das Torfmoos. Es sorgt dafür, dass das Moor wächst und CO₂ bindet. Aber schon der Stopp der künstlichen Entwässerung ist ein riesen Erfolg, weil die im Torf gebundene Klimagase nicht mehr freigesetzt werden können. Denn: Entwässerte Moore zersetzen sich bei Kontakt mit Sauerstoff und geben CO₂ frei.

Moore sind unsere größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher. So kann ein Hektar Moor bis zu sechsmal so viel Kohlenstoff speichern wie ein Hektar Wald. Das funkti-oniert allerdings nur, wenn die Moorböden nass sind, so dass die Torfmoose wachsen und CO₂ aus der Luft binden können. Heute sind rund 90 Prozent der deutschen Moore entwässert, um die Flächen zu nutzen. Ist der gespeicherte Kohlenstoff nicht mehr vom Wasser luftdicht abgeschlossen, verbindet er sich mit dem Sauerstoff der Luft zum Treibhausgas CO₂.

Auf den ausgedienten Torfabbauflächen wurden ab 2004 die ersten Torfwälle angelegt, Entwässerungsgräben verschlossen, damit sich das Regenwasser wieder sammeln kann und sich moortypische Wasserstände einstellen können. Seit dem Ende des Torfabbaus 2018 hat diese Aufgabe die Stiftung Naturschutz übernommen. Denn die Landesforsten, größter Eigentümer des Himmelmoores, haben 413 Hektar des Moores der Stiftung überlassen. Jetzt warten die Naturschützer darauf, dass das Torfmoos wieder wächst und damit auch das gesamte Moor.

Auch das ist Moor: Natur und Industriegeschichte

Die Urbarmachung des Himmelmoores begann um 1780. Die Ränder des Moores wurden in 1000–5000 Quadratmeter große Parzellen aufgeteilt und an Bauern der benachbarten Dörfer zum Torfabbau übertragen. In den 1870er Jahren begann der industrielle Torfabbau unter Zuhilfenahme von Maschinen.
Seit 1915 wurde dort ein Arbeitslager für Strafgefangene, die von dem Zentralgefängnis Rendsburg als Torfarbeiter angefordert werden konnten, betrieben. 

Im Zweiten Weltkrieg gab es neben dem Strafgefangenen-Arbeitslager ein Kriegsgefangenenlager, in dem französische und sowjetische Kriegsgefangene sowie politische Gefangene als Zwangsarbeiter zur Torfgewinnung eingesetzt wurden. Innerhalb dieses Kriegsgefangenenlagers bestand ein weiteres, separates Lager, in dem jüdische Kriegsgefangene untergebracht waren. Das Gebäude, in dem sie untergebracht waren, steht heute noch in nahezu unverändertem Zustand. Eine kleine Gedenktafel befindet sich vor dem Eingang des Gebäudes.

Zwischen den Weltkriegen und noch bis in die 1980er Jahre haben Strafgefangene der Justizvollzugsanstalt Neumünster im Offenen Vollzug im Himmelmoor Torf abgebaut. Seit 1960 wurde der Weißtorf auch maschinell abgebaut. 2018 endete der Torfabbau endgültig.

Ohne starke Partner geht es nicht

Engagierte Menschen vor Ort haben den Förderverein Himmelmoor ins Leben gerufen. Zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor e. V. kümmern sie sich um die Natur, Geschichte und Kultur im Himmelmoor. Für die Stiftung Naturschutz sind diese Akteure genauso wichtig für die Renaturierung des Moores wie die Stadt Quickborn und der Kreis Pinneberg.

Was kann ich für den Klimaschutz tun?

Setzen Sie sich für den Schutz der Moore ein und unterstützen Sie unsere Moorschutzprojekte! Mit einer Spende über 120 Euro können wir 100 Quadratmeter Moor ankaufen, noch einmal 40 Euro kostet die dauerhafte Renaturierung dieser Fläche.

Kaufen Sie der Umwelt zu Liebe nur „torffreie“ Blumen- und Gartenerde. Noch immer werden in Deutschland, aber mit steigender Tendenz auch in den Baltischen Ländern und Russland Moore zerstört, um Torf abzubauen. Achten Sie daher auf „torffreie“ Erden und lassen Sie sich nicht durch Angaben wie „torfreduziert“ oder „torfarm“ in die Irre führen. Übrigens, auch sogenannte Bioerden können große Mengen Torf enthalten!

Fakten

Größe:
Rund 600 Hektar. Den größten Teil (413 Hektar) hat die Stiftung Naturschutz von den Landesforsten gepachtet
Lebensraum:
Hoch- und Niedermoor, Feuchtheiden, Moorwälder, Übergangsmoore, Nasswiesen, Stillgewässer, Torfmoor-Schlenken
Ziel:
Moorschutz ist Klima- und Artenschutz, Wasserspeicher, Wiedervernässung, Naherholung
Tiere:
Sumpfmeise, Kranich, Bekassine, Feldlerche, Großer Brachvogel, Neuntöter, Schwarz- und Mittelspecht, Rotmilan, Wespen- und Mäusebussard, Turmfalke, Wasser- und Zugvögel, Gebänderte Prachtlibelle, Hochmoor-Mosaikjungfer, Große Königslibelle, Schlingnatter
Pflanzen:
Sonnentau, Wollgras, Schnabelried, Torfmoose, Bärlapp, Besen- und Glockenheide, Sumpf-Calla, Moosbeere

Extras

  • Wanderweg
  • Picknickgelegenheit
  • Aussichtspunkt
  • Hunde angeleint erlaubt

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