Stiftungsland

Graswarder

Der Duft von Salz liegt in der Luft. Der frische Wind trägt das Rauschen der Brandung herüber.

Begleitet wird die Komposition von dem Gekreische der Sturmmöwen-Kolonie , während andere Küstenvögel einstimmen. Fans von Küstenlandschaften kommen hier im Stiftungsland Graswarder bei Heiligenhafen im Kreis Ostholstein voll auf ihre Kosten.

Grafik einer Libelle

Nehrungshaken – Landschaft der besonderen Art

Der Graswarder gilt als einer der besterhaltenen Küsten-Biotopkomplexe  der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Früher eine Insel – heute eine Halbinsel. Motor der Entwicklung ist das Zusammenspiel aus Brandung, Sandabtrag und -anlagerung sowie Strömungen. In mehr als 1.500 Jahren hat das Meer eine Küstenlandschaft  aus Dünen, Strandwällen, Sandstrand, Salzwiesen und flache Lagunen geschaffen. 

Dieses geschützte Paradies ist ganzjährig für Besucher*innen unzugänglich. Aber dennoch ist das Naturschutzgebiet erlebbar: Der NABU bietet regelmäßige Führungen auf einem speziell dafür reservierten Strandwall an, um die typischen Pflanzen und Tieren hautnah zu erleben. Einzigartige ist auch die Perspektive vom 15 Meter hohe Aussichtsturm .

Zum Vogelkiek

An der Küste gibt es immer Vögel zu beobachten, nicht nur für Profis. Auch die Laien kommen auf ihre Kosten, weil die Vögel größer und damit leicht zu bestimmen sind. Die Sturmmöwe  ist der Charaktervogel auf dem Graswarder. Sie hat hier ihr einzig nennenswertes Vorkommen an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Die Kolonie ist dank des lautstarken Gekreisches unverkennbar.

Das Naturschutzgebiet bietet 40 verschiedenen Vogelarten einen Platz zum Brüten und Aufziehen ihrer Jungen. Wegen der Nähe zur Vogelfluglinie ist das Gebiet auch ein wichtiger Rast- und Futterplatz für viele Zugvögel. Etwa 180 weitere Vogelarten kommen zum Rasten und Überwintern.

Die Zwergseeschwalbe  ist nur noch selten zu beobachten, sie ist vom Aussterben bedroht. Sandregenpfeifer errichten ihre Nester in den spärlich bewachsenen Bereichen der Uferzonen. Direkt am Nehrungshaken tummeln sich Pfeif-, Krick-, Stock-, Reiher- und Tafelente. Watvögel, wie Kiebitz und Goldregenpfeifer, stochern in den feuchten Bereichen nach Nahrung. In der kalten Jahreszeit gehören Singschwan, Graugans und Eiderente zu den regelmäßigen Gästen. Für Unruhe sorgen immer wieder Seeadler, die hier nach Beute Ausschau halten.

Einblicke in die Pflanzenwelt

Floral hat die Küstenlandschaft jede Menge zu bieten – blütenbunt geht zu. Auf dem Strandwall sorgen die Stranddisteln für den blauen Farbtupfer. Der Meersenf sorgt mit gelben Blüten für den Kontrast. Zarte rosa Blüten kennzeichnen die Grasnelke, dafür wächst sie gern in dichten Büscheln. Dafür trumpft die Kartäusernelke  mit ihrer leuchtend roten Blütenpracht umso mehr auf.

Die beiden nächsten Vertreter sind einfach nur schlicht grün, aber dennoch wichtig. Die Aufgabe, die Dünen zu stabilisieren, übernimmt der Strandhafer mit seinen lan-gen, grasartigen Blättern. Der Meerkohl , ein Verwandter des Kohls, könnte mit seinen fleischigen Blättern sogar im heimischen Kochtopf landen, wenn er nicht streng geschützt wäre.

Auf den Lebensraum Salzwiesen haben sich Pflanzen spezialisiert die es feucht um den Stängel und salzhaltige Böden lieben. Sie werden regelmäßig vom Meerwasser überspült werden. Vorne an steht der Salz speichernde Queller, der nicht nur an der Nordsee anzutreffen ist. Und wieder etwas Essbares: Der seltene, aber geschützte Echte Sellerie.

Ein Blickfang auf der Salzwiese sind die Salzaster und der Strandflieder mit ihrer lila Blütenpracht. Meerstrand-Milchkraut, Englisches Löffelkraut und die Flügelsamige Schuppenmiere locken Insekten an, die auf weiße Blüten stehen.

Vierbeinige Landschaftspfleger

Statt aufwendiger Pflege  per Hand halten Rinder den Bewuchs auf den Salz-wiesen und den Trockenrasen des Graswarders kurz, um für optimale Bedingungen für Flora und Fauna zu sorgen. Besonders die kleinen lichtliebenden Pflanzen, die zwischen hoch aufwachsenden Nachbarn und in einer verfilzten Krautschicht keine Chance hätten, profitieren davon.

Unerwünschte Gäste

Auch hier im Stiftungsland Graswarder ist nicht alles eitel Sonnenschein. Menschen und Tiere sorgen für Störungen. Küstenlandschaften sind ein fragiles System. Die Ferienhäuser am Beginn des Nehrungshakens werden wegen des Klimawandels von den Eigentümern mit Buhnen und Steinaufschüttungen versucht zu schützen. Damit geht diesem Küstenabschnitt die natürliche Dynamik verloren. Licht und Lärm aus dem benachbarten Ferienzentrum sind ebenso so störend, wie Angler, Segler, Surfer und Kanuten, die die Wasserflächen des Naturschutzgebietes unbefugt befahren.

Ein Fuchszaun sperrt mittlerweile die Nesträuber von der Ostsee-Lagune aus und schützt so die Brut der Sturmmöwen und anderen bedrohter Vogelarten im Naturschutzgebiet. Die Mittel warb der Kreis beim Land und der EU ein. Mit viel Engagement des betreuenden Verbandes NABU steht jetzt der 1,80 1,60 Meter hohen Doppelstabmattenzaun  entlang des Graswarderweges. Zusätzlich baute der NABU mit Eigenmitteln einen E-Zaun mit drei Litzen im unteren Bereich an den Stabmattenzaun

Ein Blick zurück

Die Landschaft wurde von Gletschern der Eiszeiten mit Material aus Skandinavien geformt. Weitere Gletscher der Weichsel-Eiszeit brachten zusätzliches Material aus dem Norden und veränderten den Untergrund stark. Wind und Wellen haben die Küstenlandschaft ständig verändert. Der Graswarder gilt heute als einer der bester-haltenen Küsten-Biotopkomplexe der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.

Um 1900 bauten sich einige wohlhabende Mitglieder der Deutschen Badegesellschaft Strandvillen  auf dem Graswarder. Die Insel war damals nur über einen Holzsteg vom Hafen aus erreichbar, der bis 1954 die einzige feste Verbindung blieb. Heute stehen alle 15 Häuser auf dem Graswarder, darunter einige reetgedeckte Fachwerk- und Holzhäuser, unter Denkmalschutz.

Fakten

Größe:
- Größe: 2,5 Kilometer lang, 300 Meter / insgesamt: 229 Hektar, davon Land: 141 Hektar (davon 72 Hektar im Besitz der Stiftung Naturschutz)
Lebensraum:
Küstenbiotope (Salzwiese, Spülsaum, Kiesstrände, Primärdüne, Strandsee, Strandwall), Tro-ckenbiotope (Binnendünen, Magerrasen, Trockenheide); Gewässerbiotope einschließlich Ufer
Ziel:
Erhalt einer weitestgehend intakten Küstenlandschaft mit einer an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste einzigartigen Salzwiesenvegetation, Erhaltung eines sich in Richtung Osten ständig weiter entwickelnden Nehrungshakens
Tiere:
Käferfauna: 270 Arten, davon 53 der Roten Liste SH u. BRD (Stand: 2012), Vögel: 40 Vogelarten als Brutvögel und weitere 180 Arten als Rast- und Überwinterungsvögel: Sturmmöwe, Reiher- und Löffelente, Säbelschnäbler, Zwerg- und Brandseeschwalbe, Sandregenp
Pflanzen:
Strandwall: Stranddistel, Meerkohl, Meersenf, Grasnelke, Scharfer Mauerpfeffer, Strandnelke, Kartäusernelke, Wiesen-Alant, Strand-Tausendgüldenkraut, Gezähnte Steinklee, Echten Steinklee, Meer-Strandbeifuß, Strandhafer. Salzwiese: Queller, Strandsode, Me

Extras

  • Wanderweg
  • Picknickgelegenheit
  • Aussichtspunkt
  • Hunde angeleint erlaubt
  • Radweg

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