Gemeinnützig vererben

Testament für den Naturschutz

Ehepaar Hass im Gespräch

Warum haben Sie sich für ein gemeinnütziges Testament entschieden?

Der wesentliche Grund ist, wir haben keine Nachkommen und unsere anderen direkten Angehörigen sind alle gut versorgt. Gleichzeitig wollen wir aber mit dem, was wir hinterlassen können, möglichst Sinnvolles bewirken und auch „Einfluss“ darauf haben.

Warum Naturschutz?

Wir finden, dass es für den konkreten Naturschutz im Vergleich zu Organisationen, die sich um soziale Sachen kümmern, noch viel zu wenig gibt. Über die Jahre haben wir beobachtet, wie im Grunde die Natur immer mehr leidet durch den Menschen, und dass man ein bisschen versuchen sollte, in seinem kleinen Rahmen, der einem möglich ist, etwas dran zu ändern.

Es ist uns wichtig, dass wir etwas unterstützen, was längerfristig wirkt. Es soll nicht einmal auflodern, und dann ist es vorbei. Da war uns echte Nachhaltigkeit das Wichtigste. Und die sehen wir bei den Naturschutzprojekten der Stiftung.

Dass wir in Schleswig-Holstein tätig sind, spielte auch eine Rolle?

Ja, natürlich, weil wir hier leben und auch die Landschaft sehr schätzen, auch wenn wir ja beide aus dem Süden kommen. Im Grunde ist Schleswig-Holstein aber jetzt unsere Heimat.

Die Frage, die wir uns dann gestellt haben, war: eine eher lokal organisierte Gesellschaft oder eine Organisation, die bundesweit agiert. Und da haben wir dann gesagt: lieber lokal, weil wir da eher etwas beeinflussen können oder auch sehen was passiert. Und: was interessiert uns z.B. Bayern oder Brandenburg, um das mal etwas flapsig zu sagen. Wenn, dann soll es etwas sein, was quasi vor der Haustür ist. 

Warum ist Ihre Wahl dann auf die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gefallen?

Die Stiftung hat von Anfang an schon bei unseren ersten Kontakten einen rundum sehr guten Eindruck gemacht, vor allem auch der damalige Geschäftsführer Dr. Hemmerling. Die Professionalität, die vielfältigen Projekte für Schleswig-Holstein. Und einer der Gründe für uns, es mit der Stiftung Naturschutz zu machen, war auch, dass es sich ja um eine öffentlich-rechtliche Stiftung handelt und das Land Schleswig-Holstein dahintersteht und letztendlich ja Sicherheit und Dauerhaftigkeit gewährleistet. Dass also nicht irgendeine private Stiftung dahintersteht und dann mehr oder weniger nach dem gerade favorisierten Ansatz des jeweiligen Vorstands gehandelt wird.

Bevor Sie sich entschlossen haben, uns in Ihrem Testament zu bedenken, hatten Sie uns ja bereits mehrjährig unterstützt. Können Sie dieses Vorgehen auch anderen empfehlen?

Ja, unbedingt. Es ist natürlich wichtig zu wissen, was passiert und dann auch in Grenzen die Erfolge zu sehen. In Grenzen, weil Naturschutz ja meist etwas sehr Langfristiges ist. Zum Beispiel finden wir sehr gut bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, dass man auch Führungen bekommt in Gegenden und in Felder, wo die Stiftung selbst was tut oder wo mit Stiftungsmitteln etwas getan wird. Man sieht etwas! Das ist auch motivierend für uns. Dass das nicht einfach nur eine sozusagen große Spardose ist, wo was reinkommt, sondern man kriegt es ständig mit, was mit dem Geld passiert.

Was war noch ausschlaggebend?

Die Menschen! Das wussten wir natürlich am Anfang nicht. Aber das war dann tatsächlich auch für uns ein ganz wichtiger Punkt. Beim ersten Projekt, das wir unterstützt haben, war es schon, dass wir gesagt haben “Guck mal der Philipp” (Philipp Meinecke, Projektleiter), das ist ein toller Kerl, der versteht wirklich sein Fach und der ist engagiert. Und der brennt dafür! Und das ist uns aufgefallen bei praktisch allen Leuten, die wir kennengelernt haben, dass sie für das Thema brennen, dass sie das wirklich nicht nur als Job sehen, wo sie dann abends nach Hause gehen, sondern dass die was bewirken wollen, und das finden wir wirklich toll. Und auch das “private” Engagement, nur als Beispiel: vor zwei Jahren, da lief uns bei einem Ausflug der Philipp über den Weg, an einem Sonntag, und er hatte seine Frau dabei – und ein Fernglas (beide lachen). Und dann haben wir gesagt, was wir heute schon gesehen haben, und er hat uns erzählt, was er gesehen hat und hat uns Sachen erklärt. Das ist nur so eine kleine Geschichte, aber genau das beschreibt es im Grunde, was die Stiftung ausmacht.

Bei der Testamentsgestaltung sind Sie dann sehr geordnet und strukturiert vorgegangen. Können Sie aus Ihrer Erfahrung Tipps geben?

Wir haben uns erst mal beraten lassen von einer Fachanwältin für Erbrecht und haben grundsätzlich mit ihr mal darüber diskutiert, wie man so was machen könnte. Da hat sich das dann so daraus entwickelt. Natürlich hatten wir vorher schon mal ein sehr grobes Konzept gemacht, wem wir grundsätzlich was vermachen wollen. Das sind dann ja zum Teil eben Sachzuwendungen oder Geldzuwendungen. So dass wir also im Grunde schon mal festgelegt haben, wie wir das Ganze grundsätzlich aufteilen wollen. Wobei wir uns eben entschieden haben, dass die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Erbe wird, und die anderen bekommen Vermächtnisse.

Was hat Sie noch dazu bewegt bei ihrer Entscheidung, die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein als Alleinerbin einzusetzen und ihr somit auch die Abwicklung der Erbschaft anzuvertrauen?

Die vorhandene Expertise in diesen Dingen bei der Stiftung. Für uns war es aber auch so ein bisschen ein Horror, die Vorstellung: man nimmt einen Testamentsvollstrecker, den man nicht kennt, bei dem man nicht weiß, mit wie viel Energie betreibt der das dann? Der hat ja kein eigenes Interesse, außer, dass er Geld verdient dabei. Und dann ist man da ein Fall unter vielen. Und mal ganz ehrlich, da hat man schon ordentlich was zu tun, wenn man das seriös macht. Dazu gehört ja der Verkauf von Häusern, von Geldanlagen, und man hat den Hausstand, das soll an bestimmte Leute verteilt werden. Die muss man anschreiben. Die müssen kommen und ja oder nein sagen, das ist ein Haufen Organisation.

Vertrauen und Expertise, das war uns wichtig.

Und wir wollten auf jeden Fall eine Erbengemeinschaft vermeiden. Da müsste sich dann ja über wirklich alles einzeln geeinigt werden. Das ist das Schlimmste, was man überhaupt machen kann, Erbengemeinschaften, da tut man keinem einen Gefallen mit.

Zum Schluss: Sie hatten sich ja entschieden „anzustiften“ und mit uns schon zu Lebzeiten einen Stifterfonds zu gründen. In der Rückschau: die richtige Entscheidung?

Ja! Wir haben uns entschieden, keine eigene Stiftung zu gründen, sondern einen Stifterfonds, weil wir vermeiden wollten, dass ein Großteil des Geldes auch einfach in die reine Verwaltung einer Stiftung geht. Du brauchst einen Vorstand, du brauchst ein Kontrollgremium, die müssen sich zwei-, dreimal im Jahr treffen und tagen, das kostet Sitzungsgeld, es kostet überhaupt Geld, so was zu organisieren. Und man weiß nicht, ob sich in zehn Jahren überhaupt noch sinnvolle Leute finden, die dann diese Aufgaben übernehmen und im Sinne von uns weiterführen. Und um das alles zu vermeiden, haben wir uns für den Stifterfonds bei der Stiftung Naturschutz entschieden. Der ist vielleicht in der Öffentlichkeit nicht so präsent wie eine eigene Stiftung, aber das ist ja nicht das, worauf es ankommt. Aber damit vermeiden wir unnötige Geldausgaben. Wir vermeiden es, dass man Leute finden muss, die das weiterführen, was zunehmend schwierig wird. Wir können das wirklich nur jedem empfehlen, der überhaupt an so was denkt.