Wanted: Wespentaille richtig in Szene gesetzt

Ein neues Projekt der Faunistisch-Ökologischen Arbeitsgemeinschaft (FÖAG) startet jetzt. Das Objekt der Begierde: Fotos von Schlupfwespen aus Schleswig-Holstein.

  • Excavarus apiarius mit Blattwespenlarve (Nematus alniastri) auf Erle

  • Perithous scurra auf der Suche nach einem Grabwespennest

  • Ichneumon sarcitorius, eine häufige und auffällige Art


Alle Naturschützer, Hobby- und Berufsfotografen sind jetzt gefragt! Zum Shooting eingeladen sind ausschließlich heimische Schlupfwespen, deren wissenschaftlicher Name "Ichneumonidae" ist. Sie gehören zu den am schlechtesten erforschten Insekten Schleswig-Holsteins – dabei gibt es in Deutschland über 3.500 Arten.

Wie viele davon auch hier bei uns im Norden vorkommen, soll jetzt in dem neu gestarteten Projekt, gefördert von Bingo! Der Umweltlotterie, mit großer Bürgerbeteiligung („Citizen Science“) ermittelt werden. Dabei soll auch herausgefunden werden, wo welche Arten vorkommen, denn viele von ihnen sind äußerst selten und Nachweise liegen oft viele Jahrzehnte zurück.

Und: das Dasein der Schlupfwespen hängt in vielen Fällen von nur einer einzigen anderen Insekten-Art ab. Schlupfwespen leben also parasitär von anderen Insekten. Sind diese bedroht, selten oder gar ausgestorben sind die Schlupfwespen besonders bedroht oder schon für immer verschwunden.

Das Projekt hat den Anspruch erstmalig überhaupt Schlupfwespen in Schleswig-Holstein systematisch zu erfassen. Bisher gab es nur regional begrenzte Untersuchungen an der Nordseeküste, in der Hahnheide und im 19. Jahrhundert um Eutin und Kiel. Mit dem neuen Projekt sieht die Faunistisch-Ökologische Arbeitsgemeinschaft (FÖAG) die Chance jetzt erstmalig überall im Land Arten zu entdecken. Auf diese Weise soll es also Aufschluss über Verbreitung und Lebensraumnutzung geben. Für über 100 Arten liegt der letzte Nachweis über 50 Jahre zurück. Stellt sich also die Frage: Welche dieser Arten hier aufgrund von Lebensraumverlust und Rückgang ihrer Wirts-Insekten tatsächlich ausgestorben sind und welche seitdem nur einfach nicht registriert wurden.

Die Artbestimmung der Schlupfwespen ist äußerst schwierig. Trotzdem können viele der auffälligeren Art anhand von Fotos identifiziert werden, darunter auch ausgesprochen seltene Arten. Um die Kenntnis der heimischen Fauna zu verbessern, wird daher dazu aufgerufen, in Schleswig-Holstein und Hamburg aufgenommene Fotos von Schlupfwespen mit Fundort und Datum an schlupfwespen@foeag.de zu mailen.

Diese werden dann ausgewertet und die Fotograf*Innen über das Ergebnis benachrichtigt. So können neue Erkenntnisse gewonnen und die Funddaten für Verbreitungskarten verwendet werden. Mehr Infos dazu gibt es hier:
http://www.foeag.de/artengruppen/schlupfwespen

Alternativ zum Einsenden per Mail können die Fotos auch bei naturgucker.de eingestellt werden – hier wird eine einmalige Auswertung aller Schlupfwespenfotos aus Schleswig-Holstein Anfang 2021 erfolgen. Damit die Meldung unter dem Suchkriterium „Schlupfwespen“ gefunden werden kann, reicht es, wenn bei der Arteingabe „Ichneumonidae indet.“ ausgewählt wird.

Das Foto, aufgenommen von Lennart Bendixen, zeigt eine wespenähnliche Schlupfwespe, die es auf eine Blattwespenlarve abgesehen hat. Das Foto aus dem Jahr 2016 ist der bisher einzige Nachweis der Art für Schleswig-Holstein.