Uferschnepfe: Die Schutzmaßnahmen im Rickelsbüller Koog greifen

Seltene und gefährdete Wat-und Wiesenvögel fliegen auf den neu geschaffenen Pol-der im Rickelsbüller Koog.

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Das ist das erfreuliche Ergebnis der aktuellen Brutvogelzählung 2018 im Uferschnepfen-Rettungsprojekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Die Ornithologen sind begeistert. Bei Projektleiter Oliver Granke von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein leuchten die Augen: „Der Rickelsbüller Koog war zwar schon immer ein Vogelparadies, aber mit dem Bau des Polders konnten wir die Lebensbedingungen für die Vogelwelt nochmals verbessern. Allein 103 Säbelschnäbler-Paare und 23 Rotschenkel haben in diesem Jahr hier erfolgreich gebrütet. Wir sind auf dem richtigen Weg“, ist er sich sicher, „denn trotz Hitze und Trockenheit, der künstliche Wall erfüllt seine Funktion und hielt genügend Wasser zurück.

Im Herbst 2016 hat die Stiftung Naturschutz mit ihrem Artenschutzprojekt „Wo ist Greta?“ um 51 Hektar Weideland einen kleinen Erdwall aufgeschüttet. Der neue Polder sorgt dafür, dass die Regenfälle im Frühjahr auf der Fläche bleiben und nur langsam verdunsten. In den temporär überfluteten Wiesen stochern jetzt Uferschnepfen, Kiebitz, Rotschenkel und Co. mit ihrem Schnabel nach Leckerbissen, wie Insektenlarven und anderen Kleintieren.

Der Polder liegt im rund 500 Hektar großen Naturschutz-Koog des Landes Schleswig-Holstein am Hindenburgdamm. Der Biologe und Betreuer des Gebietes Dr. Walther Petersen-Andresen von der Integrierten Station Eider-Treene-Sorge und Westküste des Landes Schleswig-Holstein freut sich, dass von der Europäischen Union Geld kommt, um die einzigartigen Lebensräume weiter zu optimieren. „Die Naturschutz-Köge sind wichtige Brutgebiete und Drehscheibe des Vogelzugs“, erklärt Petersen-Andersen, „unsere langjährigen Schutzbemühungen zahlen sich aus, weil wir jede Möglichkeit nutzen, die Lebensräume weiter zu verbessern.“

Vogelkundlerin Jutta Hansen vom Naturschutzverein Wiedingharde war mit dem Brutvogelmonitoring 2018 betraut und kann das nur bestätigen. Sie konnte in diesem Jahr in der 51 ha großen Polderfläche zahlreiche Arten nachweisen, die vorher nicht hier waren, darunter auch Alpenstrandläufer, See- und Sandregenpfeifer, und seltene Entenarten, wie Löffel, Krick- und Knäckente. Eine kleine Sensation ist auch der Brutnachweis von gleich sechs Kampfläufern. Europaweit streng geschützt, extrem selten und ausgesprochen anspruchsvoll gilt er bei den Naturschützern als Zeiger für intakte Lebensräume.

Die Brutzahlen der Uferschnepfe befinden sich nahezu überall in Schleswig-Holstein im Sinkflug. Der Wiesenvogel wird bereits in der nationalen Roten Liste geführt. Mit der Frage „Wo ist Greta?“ trat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein 2012 an, um den Rückgang der Uferschnepfe aufzuhalten. Auf Plattdeutsch wird der früher häufige Vogel nach seinem Ruf grütta … grütta liebevoll Greta genannt. Auch die Maßnahmenfläche im Rickelsbüller Koog konnte vor dem Wallbau nicht ein einziges Schnepfen-Brutpaar vorweisen, 2018 waren es schon vier.

„Wir hoffen jetzt, dass der Aufwärtstrend anhält“, zeigt sich Granke zusammen mit Petersen-Andresen optimistisch.