Teufelsabbiss hat ein neues Zuhause im Himmelmoor

Rund 1600 Wildpflanzen erobern das Moor bei Quickborn

  • Klaus H. Hensel, Förderverein, Christian Dolnik und Julia Voß, Stiftung Naturschutz S-H, Dan Zelck, Torfbahn AG, zeigen die Teufelsabbiss-Setzlinge. (v. l.)


Himmel und Hölle auf Erden – die leuchtend-violett blühende Wildpflanze mit dem ungewöhnlichen Namen „Teufelsabbiss“ erobert ab sofort das Himmelmoor bei Quickborn. Dutzende Körbe mit gut 1600 Setzlinge werden zusammen mit den rund 25 Planz-Helfer*Innen mit der Torfbahn an ihren Bestimmungsort kutschiert. Ausgerüstet mit Gummistiefeln und Pflanz-Schaufeln gehen die Helfer*Innen vom Wildblumen-Rettungsprojekt „BlütenMeer 2020“ dem Förderverein Himmelmoor und der Torfbahn Himmelmoor ans Werk.

Bei strömendem Dauerregen werden die Wildpflanzen mit schleswig-holsteinischen Wurzeln in den etwas ungewohnten, moorigen Boden unter den Füßen. Nach dem Ende des rund 150 Jahre andauernden industriellen Torfabbaus im vorigen Jahr hat die landeseigene Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein das 600 Hektar große Himmelmoor von den Landesforsten gepachtet. Es soll großflächig wieder renaturiert werden. Dafür wird das Moor wieder vernässt: alte Drainagen werden gezogen und Dämme gebaut, damit sich das Regenwasser wieder im Moor sammeln und so das Torfgras wachsen kann. Die Wildpflanze mit dem seltsamen Namen brauche genau diese Bedingungen erklärt Dolnik. Deshalb ist er optimistisch, was die Ausbreitung des Teufelsabbiss im Himmelmoor angeht. Schon bald können sich die Spaziergänger und Wanderer im Himmelmoor über „wunderschön leuchtend violett blühende“ Wiesenteppiche im Himmelmoor freuen. Vor allem Insekten wie Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Schwebfliegen würden den Nektar der Wildpflanze im kommenden August lieben. „Wir schaffen hier ein neues Blühfeld für die Insekten.“

Und woher hat die seltene Wildpflanze ihren diabolischen Namen? Der habe sich aus der besonderen Gestalt des Wurzelstocks entwickelt, erklärt der Biologe. So sterbe die Wurzelspitze im Laufe der Zeit ab, was dann so aussehe, als ob die Wurzel von unten abgebissen wurde. Das scheint die Bauern und Gärtner in früheren Zeiten zu der Überlegung geführt haben: Wer könnte es sonst gewagt haben, die Pflanze im Boden zu fressen als der Teufel? Ihr lateinischer Name Succisa ist ebenfalls von dem Wort succisus abgeleitet, das „unten abgeschnitten“ bedeutet. Und sie wird auch „Morsus diaboli“ genannt, wobei morsus für Beißen und Essen steht.

Klaus H. Hensel vom Förderverein freut sich über diesen ersten gemeinsamen Arbeitseinsatz mit der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im Himmelmoor, seit diese das Moor übernommen hat. „Es ist gut, dass sich das Moor wieder so positiv entwickelt.“ Das lobte auch Jörg Kastrup von der Unteren Naturschutzbehörde, der es sich am Dienstagnachmittag nicht nehmen lässt, mit Gummistiefeln und Ganzkörper-Regenanzug ausgestattet im Himmelmoor mit anzupacken. „Wir müssen nun einmal für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten aktiv werden, um sie vor dem Aussterben zu bewahren“, erklärt er den Sinn dieser gemeinsamen Pflanzaktion.