Nationales Naturerbe und Welterbe-Tag

Die UNESCO begeht am 2. Juni den Welterbe-Tag: 44 der weltweit mehr als 1.000 Welterbe-Stätten liegen in Deutschland.

  • Landschaftspfleger auf vier Beinen: Burenziegenherde im Naturschutzgebiet Binnendünen von Nordoe.

  • Nordoe: eine Dünenlandschaft mitten im Binnenland.

  • Offernlandschaft in der Grönauer Heide im Stiftungsland Blankensee.

  • Stiftungsland Blankensee: nur bei offiziellen Wanderung erwanderbar.

  • Amphibienteich mit Winterquartieren im Stiftungsland Lohe.

  • Naturnaher Wald mit Totholz im Stiftungsland Lohe.


In ihrer Gesamtheit zeugen sie von der Vielfalt des Natur- und Kulturerbes Deutschlands. Wenngleich die Flächen des Nationalen Naturerbes nicht zum Weltnaturerbe gehören, sind sie von gesamtstaatlicher Bedeutung für Deutschland. Drei dieser national bedeutsamen Flächen  liegen im Stiftungsland: Die ehemaligen militärisch genutzten Flächen in der Wentorfer Lohe am Rande Hamburgs (237 Hektar), die Binnendünen von Nordoe südlich Itzehoes (400 Hektar) und Blankensee bei Lübeck (120 Hektar).

Alle drei Flächen hat die die Bundesregierung im Rahmen des Nationalen Naturerbes 2011 und 2016 an die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein abgegeben. Damit wurde der Stiftung Naturschutz bewiesen, dass sogar Naturschutzflächen von national repräsentativer Bedeutung bei ihr in den besten Händen liegen.

Die drei Naturschutzflächen gehören zu den Hotspots der Artenvielfalt im nördlichsten Bundesland. Seltene Amphibien, wie Knoblauch- und Kreuzkröte, Schmetterlinge, wie Goldener Scheckenfalter und Mittlerer Perlmuttfalter, oder bedrohte heimische Pflanzen, wie Teufelsabbiss, Heidenelke oder Knabenkräuter, Wald-Läusekraut, Arnika und Katzenpfötchen, haben hier einen Rückzugsraum gefunden.

Den Vielfaltschützern der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein geht es in allen drei Gebieten übergreifend um die Pflege von wertvollen Offenlandbiotopen. Dazu gehört die Sicherung von Heidelebensräumen und nährstoffarmem Grünland. Ziegen, Rinder und halbwilde Pferde sorgen mit ihrem Appetit auf Grünzeug dafür, dass diese Flächen nicht zuwachsen und letztlich vom Wald dominiert werden. „Wilde Weide“ nennt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein dieses Pflegekonzept. Bundesweit hat sich die Stiftung Naturschutz damit einen Namen gemacht.

Während in dem kleineren 120 Hektar großen Blankensee-Gebiet bei Lübeck – vor allem wegen der Munitionsbelastung – das Betreten der Flächen nur im Rahmen von Führungen erlaubt ist, besteht in den Binnendünen von Nordoe ebenso wie in der Wentorfer Lohe ein ausgedehntes Wanderwegenetz, das zum Naturerleben einlädt.

Der bis 1998 von der Bundeswehr genutzte Übungsplatz in Wentorfer Lohe wurde seit seiner Einrichtung 1937 landwirtschaftlich nicht genutzt, also nicht gedüngt, gepflügt oder mit Pestiziden behandelt. Für den Naturschutz ist diese Ursprünglichkeit ein Glückfall und bietet ein großes Potential zur Entwicklung struktur- und artenreichen Offenlandes mit einem naturnahen Bachlauf und Heiden. Die Wälder sollen sich nach einer Umbauphase, in der standortfremde Gehölze entfernt werden, in Zukunft zu einem natürlichen Urwald entwickeln, die Holznutzung wird eingestellt.

Im Stiftungsland Nordoe macht die Mischung von offenen Gras- und Heideflächen sowie den offenen Sandflächen der Binnendünen dieses Gebiet zu einem einzigartigen Lebensraum. Andere Teile sind mit Eichen und Birken bewaldet oder von Flachwassertümpeln durchzogen.

Das Stiftungsland Blankensee grenzt direkt an den Lübecker Flughafen an. Die auch als „Wulfsdorfer Heide“ bezeichnete Fläche stellt den Nordteil des Naturschutz- und FFH-Gebietes Grönauer Heide, Grönauer Moor und Blankensee dar. Nährstoffarme Lebensräume prägen die kleinräumig strukturierte und komplexe Landschaft. Diese Lebensräume reichen bis in das 17. Jahrhundert zurück. Von besonderer Bedeutung sind Trockenhabitate wie Magerrasen und Heiden. Wald nimmt 63 der 123 Hektar ein. Das Gebiet ist eine der artenreichsten Gebiete Schleswig-Holsteins, besonders für Wirbellose und für Pflanzen. Aber auch zahlreiche gefährdete und seltene Vogelarten wie die Heidelerche, Sperbergrasmücke oder die Grauammer kommen hier in landesweit bedeutsamen Beständen vor.

 

Hintergrund:

Das Nationale Naturerbe steht für die beispielhafte Initiative des Bundes, bundeseigene wertvolle Naturschutzflächen nicht zu privatisieren, sondern unentgeltlich an Länder, Naturschutzorganisationen oder Stiftungen zur dauerhaften naturschutzfachlichen Sicherung zu übertragen. Gemäß den letzten Koalitionsvereinbarungen (2005, 2009, 2013) handelt es sich um insgesamt ca. 156.000 Hektar gesamtstaatlich repräsentativer Flächen in drei Tranchen. Hierzu zählen z.B. ehemals militärisch genutzte Gebiete, Flächen entlang der innerdeutschen Grenze („Grünes Band“), Treuhandflächen aus dem DDR-Volksvermögen und stillgelegte DDR-Braunkohletagebaue. Viele Gebiete haben sich über Jahrzehnte hinweg trotz ihrer in Teilen sehr intensiven Nutzung zu einzigartigen Naturräumen entwickelt – als Refugien für viele gefährdete oder seltene Tier- und Pflanzenarten.

Die Koalitionsparteien hatten 2005 vereinbart, gesamtstaatlich repräsentative Naturschutzflächen des Bundes (inklusive der Flächen des Grünen Bandes) in einer Größenordnung von bis zu 125.000 Hektar unentgeltlich an die Länder, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder Naturschutzorganisationen zu übertragen.