Meeresschutz trifft auf Landschutz

Meeres- und Küstenschutz im Aufwind: Siftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Deutsche Meeresstiftung kooperieren bei Projekt in Niendorf.

  • Auf dem Bild v.l.: Frank Schweikert, Vorstand der Deutschen Meeresstiftung, Jörg und Nicole Riemann, Inhaber des Cafés Strandvilla in Timmendorfer Strand, Sandra Redmann, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Robert Wagner, Bürgermeister Timmendorfer Strand, Heidrun Ulbrich, Vorstandsvorsitzende der Ulbrich Stiftung, und Joachim Nitz, Tourismuschef Timmendorfer Strand, Foto: Deutsche Meerestiftung.

  • Das Junge Forscherteam auf der Aldebran, Foto: Deutsche Meeresstiftung.

  • Marie Beckers und Sandra Redmann, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, in Aktion, Foto: Deutsche Meeresstiftung.

  • Frank Schweikert, Vorstand der Deutschen Meeresstiftung, auf dem Forschungsboot Aldebaran, Foto: Deutsche Meerestiftung.

  • Junge Forsche am Heck ders Forschungsbootes Aldebaran, Foto: Deutsche Meerestiftung.


Meeres- und Küstenschutz standen im Fokus der Aktionstage mit sailingLAB und meeresRAUM in Niendorf/Ostsee. Mit ihrem gemeinsamen Projekt regten die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und die Deutsche Meeresstiftung vom 9. bis 14. August täglich rund 350 Besucher zum Nachdenken und Umdenken an.

Leinen los für junge Forscherinnen und Forscher aus Schleswig-Holstein hieß es beim sailingLAB Niendorf an der Ostsee. An Bord des Forschungsschiffs ALDEBARAN erlebten in der zweiten Augustwoche rund 40 Kinder im Alter von 9 bis 15 Jahren Wissenschaft hautnah.

Die Aktionstage in Niendorf fanden auf Initiative des ortsansässigen Ehepaars Riemann vom Café Strandvilla am Hafen statt. Sie brachten die beiden norddeutschen Stiftungen zusammen und vernetzten beide mit der Gemeinde, die das Vorhaben tatkräftig unterstützte. Dank der großzügigen Förderung der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein konnten das sailingLAB und der meeresRAUM Niendorf für Besucher kostenfrei angeboten werden. „Mit der Kooperation beider Stiftungen haben wir eine Brücke zwischen Land- und Meeresschutz geschlagen. Denn egal ob Nähstofffrachten, Pestizide oder Mikroplastik, vieles was unser Meere belastet kommt über die Flüsse dort an“, erklärt Sandra Redmann, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz und ist sich sicher, „wenn wir in unserem Stiftungsland Seenlandschaften und Flussauen renaturieren, ist das also auch Meeresschutz.“ Beim sailingLAB an Bord der ALDEBARAN nahmen die Jungforscher Sedimentproben vom Grund der Ostsee und untersuchten diese gemeinsam mit einem Science Coach unter dem Mikroskop. So entdeckten sie Röhrenwürmer, Seesterne und Zooplankton und erfuhren, welche Lebewesen im Ökosystem Ostsee wohnen und von welchen Gefahren diese bedroht sind. Aktuell in aller Munde ist das Mikroplastik, das viele Meeresbewohner mit Nahrung verwechseln und das so auch – etwa wenn wir Fisch verzehren – auf unsere Teller gelangt. Um festzustellen, ob in der Ostsee kleinste Plastikteile zu finden sind, haben die Jugendlichen einen sogenannten Manta Trawl hinter dem Segelschiff hergezogen – ein spezielles Gerät, das das Oberflächenwasser filtert. Neben Algen, kleinen Krebsen und Quallen ging ihnen auch Mikroplastik ins Netz. „Dass wir in fast jeder Probe Reste von Plastikfasern gesichtet haben, zeigt die große Reichweite der zunehmenden Plastikvermüllung an der Küste“, sagt Frank Schweikert, Vorstand der Deutschen Meeresstiftung, der als Skipper die Touren begleitet hat.

Auch im meeresRAUM Niendorf, den die beiden Stiftungen vom 9. bis 14. August in der Hafeninformation Niendorf eingerichtet hatten, war Plastikmüll in den Ozeanen ein großes Thema. Kinder und Jugendliche konnten mehrmals täglich in Workshops altersgerecht herausfinden, wie und warum Plastik ins Meer gelangt. Interessierte Besucher erfuhren an Schautafeln, was mit dem Plastikmüll im Meer passiert: Der Kunststoff zerfällt durch Reibung, Sonnenstrahlen und Salzwasser in immer kleinere Teile, die andere Schadstoffe anziehen und dann von Kleinstlebewesen gefressen werden. Einweg-Plastikartikel und Netze im Meer sind dafür verantwortlich, dass sich Meeresbewohner in ihnen verfangen und verletzen.

Lärm im Meer war ein zweiter Schwerpunkt der Ausstellung. An verschiedenen Stationen konnten Besucher Geräusche von großen Schiffen, Sonaren von U-Booten und Rammungen beim Bau von Windparks hören. Diese können beispielsweise dazu führen, dass Wale die Orientierung verlieren und stranden.

Schließlich tauchten die Gäste in der Virtual Reality Lounge in Unterwasserwelten ein. In 360 Grad bestaunten sie Korallenriffe vor dem mittelamerikanischen Belize und im Korallendreieck, wo sich Atlantik und Pazifik treffen. Anhand der tropischen Riffe konnten sie lernen, welcher Bedrohung die Korallen weltweit ausgesetzt sind. Dem Korallensterben muss schnellstmöglich entgegengewirkt werden, da dort auf kleinstem Raum die Artenvielfalt besonders groß ist. Groß und Klein waren begeistert von dem einzigartigen Erlebnis. Ein besonderes Highlight für die kleinsten Besucher waren die Bastelaktionen, bei denen sie aus gebrauchten Gegenständen Meeresbewohner kreierten.

Drei Vorträgen flankierten die Aktionstage in Niendorf: So gaben Extremschwimmer André Wiersig, der Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Dr. Walter Hemmerling und Frank Schweikert einen Einblick in ihre Arbeit und ihr Wirken zum Wohle der Natur.

Nach dem großen Erfolg in diesem Jahr ist für 2020 eine Weiterführung des sailingLAB und meeresRAUM Niendorf angedacht.