Mäusejahr: Eulen-Invasion in Dithmarschen

Sumpfohreulen: Bruten gehen durch die Decke, auch dank der Kooperation der Stiftungspächter.

  • Sumpfohreule im Flug, Foto: Axel Halley

  • Flügge Sumpfohreule, Foto: Axex Halley

  • Altvogel auf Ansitz, Foto: Axel Halley

Die Sumpfohreulen-Brut in Dithmarschen  ist dieses Jahr außerordentlich erfolgreich. Vor allem in den Flussniederungen verzeichnen die Ornithologen dutzende von Revieren. In „normalen“ Jahren sind in ganz Schleswig-Holstein lediglich fünf Brutpaare dieser seltenen Eulenart zu verzeichnen.

Nicht nur im Stiftungsland haben die Sumpfohreulen ihre Nester angelegt. Auch im intensiv genutzten Grünland sind zahlreiche Brutversuche zu verzeichnen. Im Stiftungsland haben es die Sumpfohreulen deutlich leichter zum Bruterfolg zu kommen als auf herkömmlich bewirtschafteten Flächen. „Das hat einen einfachen Grund“, sagt die Flächenmanagerin Julia Riepen von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Zu unseren Pachtauflagen gehört die späte Mahd der Flächen. Um Bodenbrüter, dazu gehört auch die seltene Eule, zu schützen, wird bei uns im Stiftungsland frühestens ab 21. Juni gemäht.

In diesem Jahr herrscht wegen der Sumpfohreulen quasi Ausnahmezustand in den genannten Niederungen. Die Biologen sind täglich im Stiftungsland unterwegs und melden potentielle Brutstandorte an die Stiftung Naturschutz. „Meine Aufgabe ist es dann, die Landwirte davon zu überzeugen, noch später zu mähen, um den Bruterfolg zu garantieren. Glücklicherweise stoße ich bei den Landwirten auf viel Verständnis, wenngleich die Witterung für eine Heuernte gerade optimal ist.“

Auf den landwirtschaftlichen intensiv genutzten Flächen hat es die Sumpfohreule ungleich schwerer. Dort wird schon ab Mai gemäht. Mit fatalen Folgen für den zum Teil tagaktiven Greif, denn die Brutsaison beginnt bereits Ende April und endet erst im August. Hinzu kommt, dass die Sumpfohreule bei Gefahr erst im allerletzten Moment vom Nest aufliegt. Viele Gelege fallen so dem Mähwerk zum Opfer, weil die Landwirte die Nester oft zu spät entdecken.

Für die diesjährige große Anzahl von Brutpaaren spielen zwei Faktoren eine Rolle. Die Experten, unter ihnen Klaus Jödicke, verweisen auf die unglaublich hohe Anzahl insbesondere von Wühlmäusen, der Hauptnahrungsquelle der Eule. „Wenn die Tiere zum Ende der Überwinterungszeit merken, dass Nahrung im Überfluss vorhanden ist, bleiben sie einfach hier und ziehen nicht nach Skandinavien“. Zudem ist zu vermuten, dass gleichzeitig die Bruterfolge der Sumpfohreulen in Skandinavien im vergangenen Jahr gut waren. Die letzten „Invasionsjahre“ fielen auf 1990, 1993 und 2003.