Leuchtend-gelbe Straßenränder retten Insekten

Neben den grauen Asphaltstraßen blühen demnächst überall im Land bunte Insekten-Tankstellen

  • Foto (v.l.n.r.):Thorsten Conradt (Direktor @LBV.SH), Dr. Bernd Buchholz (Verkehrsminister SH), Dr. Walter Hemmerling, Dr. Björn Schulz, Jonas Paul (wiss. Mitarbeiter des Insituts für Natur- und Ressourcenschutz der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

  • Dr. Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im Interview

  • Hummel auf Klappertopf


Leuchtend-gelbe Blüten in direkter Nachbarschaft zu den grauen Asphaltstraßen in Schleswig-Holstein. Dank des "Klappertopf"-Projekts von Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV.SH) soll aus dem Einheitsgrün am Straßenrand jetzt eine blütenbunte Vielfalt werden, wie beispielsweise hier an der A 215 in Kiel. Dort strecken sich schon die ersten Blütenköpfe der heimischen Wildpflanze "Klappertopf" der Sonne entgegen.

Die bunten Blüten in direkter Nachbarschaft zu den Autobahnen sollen nicht nur hübsch aussehen, sondern auch den bedrohten Wildbienen und anderen Insekten als Nektar-Tankstelle dienen. "Die Chance ist riesig. Experten schätzen, dass die Straßenbegleitgrün-Flächen in etwa so viel Fläche einnehmen, wie alle Naturschutzgebiete in Schleswig-Holstein zusammen", erklärt Dr. Walter Hemmerling, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Mit den Wildblumen wächst auch die Sorge darum, dass viele Insekten an der Windschutzscheibe der vorbei rasenden Autos verenden. Da kann Projektleiter und Vielfaltschützer Dr. Björn Schulz beruhigen. "Wir sorgen mit unserer Arbeit und diesen neuen Blüh-Horizonten dafür, dass sich so stabile Insektenbestände entwickeln, so dass der Tod einzelner Tiere auf der Windschutzscheibe für die neue Straßenrandpopulation verkraftbar ist', sagt er. Viele Tiere an der Windschutzscheibe bedeute nämlich immer auch: viele Tiere in der Landschaft drum herum, erläutert der Experte weiter.

Seit vergangenem Herbst läuft das Kooperationsprojekt. Das Projektteam hat seitdem in enger Abstimmung mit dem LBV.SH zwölf Hektar Klappertopf ausgesät. Die Schwerpunkte lagen an der A 7 zwischen Neumünster und Norderstedt (Kreis Segeberg) sowie entlang der A21 und A20.

"Blütenbunte Straßenränder erfreuen nicht nur vorbeifahrende Menschen, wir leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt auf unseren Flächen", sagte Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz.

Das Projekt wird mit rund 1,5 Millionen vom Bundesamt für Naturschutz gefördert. Insgesamt sollen in diesem Jahr auf weiteren 30 Hektar Klappertopf-Saatgut ausgebracht werden.