Heute ist: Welttag der Wälder

„Waldbaden“ ist hipp - ein Spaziergang durch den Stiftungswald Stodthagen mit dem Kaltenhofer Moor bei Kiel ist wie eine Therapie!

  • Stodthagen: naturnaher Stiftungswald mit Waldweiher

  • Waldbaden macht Freude, Foto: Hendrikje Wiebe

  • Naturwald - abgestorbene Bäume bleiben einfach liegen

  • Totholz steckt voller Leben

  • Sagenumwobene Fünffingerlinde im Stiftungswald Riesewohld - Dithmarschen größtes Waldgebiet

  • Klein aber fein! Stiftungswald Pülser Vieh am Selenter See


„Waldbaden“  ist das Gleiche wie ein Waldspaziergang, klingt nur cooler – so titelte eine große Norddeutsche Zeitung! Die Gründe, in den Wald zu gehen, sind heute wie früher die gleichen: Frische Luft schnappen und Naturerlebnis pur! Auch im Stiftungswald!

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gehört zu den größten Landeigentümern Schleswig-Holsteins. Gut 36.000 Hektar Stiftungsland machen ihren Besitz aus. Natürlich gehören auch Wälder dazu. Rund 1.600 Hektar naturnaher Wald gehören dazu. Anders als im Wirtschaftsforst wird im Stiftungswald nicht gesägt, um Gewinne zu machen. Gesägt wird nur, wenn es um die Sicherheit der Spaziergänger geht oder nichtheimische Bäume, wie Roteiche, Sitkafichten oder Japanische Lärchen, die Entwicklung zu einem gesunden Mischwald mit einem Mix aus Buchen, Eichen, Ulmen, Linden sowie Kiefern behindern. Wie so ein naturnaher Mischwald aussieht , können Besucher Nördlich von Kiel bei Felm erleben.

Stodthagen – der Urwald von Morgen made by Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein – ist ein bisschen wie Bullerbü. Wir kennen es sicher noch alle aus unserer Kindheit. Setzen wir uns und schließen für einen Augenblick die Augen. Gehen wir gedanklich ein paar Jahrzehnte zurück in Richtung Norden. Genauer gesagt nach Schweden in die Heile-Filmwelt von Astrid Lindgrens Bullerbü.

Lassen wir die unberührte, wilde Natur vor unserem inneren Auge aufblühen und folgen wir Ole, Bosse, Lasse, Kerstin und den anderen Outdoor-Kids barfuß durch die wildbunten Blumenwiesen zu den schattigen Weihern inmitten des Waldes. In Gedanken verwandeln sich Sofa und Gartenliege in einen alten, dicken mit dichtem Moos bewachsenen Baumstamm. Die Stille tut uns gut –der waldtypische Duft von Moos, Humus und Harz kriecht langsam in der Nase hoch.

Erholung pur vor der Haustür

Nur ein paar Steinwürfe von der Landeshauptstadt Kiel entfernt, wartet er auf uns: einer  der schönsten Naturwälder Schleswig-Holsteins, der Stodthagener Wald bei Felm. Seine Geschichte begann vor 100 Jahren als Forstgut. Im September 2000 die Zäsur. Damals kauft die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein das rund 160 Hektar große, ehemals forstwirtschaftlich genutzte Gebiet. Aus dem stark genutzten Forstwald, soll Naturwald werden. Dass das nicht von heute auf morgen geht, weiß Hauke Drews, Biologe bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Das Wichtigste für uns war, dass wir hier kein Holz mehr ernten. Die Bäume altern auf natürliche Weise, sterben ab und werden zu Totholz“, erklärt er. So wenig lebendig das auch klingt, aber Totholz steckt voller Leben. „Zahlreiche Insekten, Vögel und Pilze ziehen dort ein oder docken an. Für sie bietet er ein neues Zuhause mit Wohlfühlfaktor.“

Wasser Marsch!  

Zeitgleich dazu wird die künstliche Entwässerung eingestellt, damit sich in den Senken wieder Waldweiher bilden. Das Wasser darf bleiben und sich ausbreiten. Zahlreiche Weiher und Tümpel sind auf diese Weise in den vergangenen 19 Jahren entstanden. Ein echtes Paradies für Froschkönige, Unken und ihre Krötenkumpel. Auf der angrenzenden „Speckwiese“ hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein drei bestehende Teiche wieder hergerichtet und 14 neue angelegt. Dabei haben die Frosch-Experten, allen voran Hauke Drews, natürlich immer die Bedürfnisse der kleinen Amphibien im Blick. Die Teiche sind aber auch ein guter „Wohnort“ für Libellen. Sie zeigen über den Tümpeln ihre rasanten Flugkünste. Die seltene Mosaikjungfer ist hier noch regelmäßig anzutreffen. Sogar einige Exemplare der Afrikanischen Feuerlibelle, die sich immer weiter in den Norden ausbreitet, wurden hier bereits gesichtet.

Nicht alle Bäume durften bleiben

Buche, Eichen und Erlen durften in Stodthagen bleiben! Arten, wie Sitkatfichte, Douglasie oder Lärche, die nicht in Schleswig-Holstein Zuhause sind, mussten weichen. Auf diese Weise ist in Stodthagen in den vergangen Jahren ein kleines bisschen „Urwald“ entstanden. Ein Naturwald mit nassen Senken, in dem abgestorbene Baumgerippe eine märchenhafte, fast unheimliche Szenerie bilden.

Dieser kleine gedankliche Ausflug hat Ihnen den Naturwald ins Büro gelegt, ins Wohnzimmer, auf Terrasse oder Balkon, Küche oder Esszimmer. Wo auch immer sie gerade sind, sicherlich haben sie jetzt eins ganz fest vor: raus, raus, raus in den Wald. In den Naturwald, den Urwald von Morgen und das mit geöffneten Augen, geöffneten Herzen und tiefen Atemzügen. Seien sie wie Ole, Bosse, Lasse und Kerstin. Nur nicht in Bullerbü, bleiben sie hier! Tauchen sie ein in die Stiftungswälder. Nehmen Sie ein Waldbad!

Start zur Wanderung: Stodthagen bei Felm, Parkplatz Kaltenhofer Moor, Stodthagener Weg, 24244 Felm.

Auf eigene Faust: Entdeckertouren im Stiftungswald

Riesewohld

Geschichten und Sagen ranken sich um Dithmarschens größten und ältesten Wald. Seltene Tier- und Pflanzenarten lassen auf eine Jahrtausende andauernde Bewaldung schließen. Allerorts sprudeln Bäche und Quellen. Die Stängellose Primel hat hier ihren größten Blütenteppich in Schleswig-Holstein. Gleich zu Beginn des Ausflugs empfiehlt sich ein Abstecher zur ehemaligen Jagdhütte mit einer informativen Ausstellung zur Geschichte des Waldes, Wanderkarten inklusive. Unbedingtes Muss: Abstecher zur sagenumwobenen Fünffinger-Linde.

Start zur Wanderung:  Infostation Riesewohld, Riesewohld 2, 25767 Arkebek

Rülauer Holz

„Waldwildnis zum Erleben!“ Beim jüngsten Wildnisprojekt der Stiftung Naturschutz im östlichen Teil Sachsenwald vor den Toren Schwarzenbeks können Besucher die Entwicklung vom Wirtschaftsforst zum „Wilden Wald“ verfolgen. In dem kleinen Rest eines riesigen Urwaldes füllen sich feuchte Senken wieder mit Wasser. Bäume werden nicht geerntet und altern auf natürlichem Wege: Ihr Totholz wird nicht mehr weggeräumt und ist für Insekten und Pilze ein Eldorado.

Start zur Wanderung: Schwarzenbek, Gülzower Straße, Parkplatz am Ehrenmal.

Pülser Vieh

Klein, aber fein! Das Gebiet nördlich des Selenter Sees zählt zu den kleinen Natur-waldprojekten. Hier hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein den Holzein-schlag eingestellt,  standortfremde Gehölze entnommen und den natürlichen Wasserhaushalt wiederhergestellt. So entstehen Waldweiher in den Senken, Laubgehölze durchlaufen ihren normalen Lebenszyklus und sterben ab. Ihr Totholz und mehr Struktur im Wald schaffen neue Lebensräume für Schwarzspecht, Waldschnepfe, Kammmolch und Co..

Start zur Wanderung: Köhnerbrücke auf halben Weg zwischen Köhn und Dransau.