Die Schattenseiten in Corona-Zeiten

NSG Reesholm kurzfristig gesperrt - Rücksichtslosigkeit von Besuchern hat Konsequenzen

  • Wanderung im Naturschutzgebiet Reesholm

  • Mongolenregenpfeifer; Foto: Alnus; Lizenz: CC BY-SA 3.0

  • Blick auf das Naturschutzgebiet Reesholm

  • Blick von Reesholm über die Schlei nach Schleswig


FLINTBEK/NIEBY/GELTING. Es ist eines von zwei Naturschutzgebieten an der Schlei und war zuletzt vor wenigen Tagen durch eine ganz besondere Vogelbeobachtung in der Öffentlichkeit: erstmalig in Deutschland konnte im Naturschutzgebiet Reesholm der Mongolenregenpfeifer beobachtet werden. Doch nicht nur Ornithologen schätzen die geschützte Halbinsel in der inneren Schlei. Reesholm und der angrenzende Strand von Winningmay sind ein sehr beliebtes und bei gutem Wetter stark frequentiertes Naherholungsgebiet in der Region.

Die Erlebbarkeit und Zugänglichkeit der Schlei, naturschutzfachlich vertretbar, ist das Ziel aller Akteure, die sich mit Naturschutz und Tourismus auseinandersetzen. Was aber in den Tagen um Himmelfahrt am - und besonders im - Naturschutzgebiet zu beobachten war, sprengt jeden Rahmen. Hunde liefen frei, viele Menschen blieben nicht auf den Wegen und auch Wassersportler hielten sich nicht an die Regeln, haben gesperrte Zonen befahren und betreten! Das hängt sicherlich auch mit dem großen Drang der Menschen in die Natur zu Corona-Zeiten zusammen.

Schutzgebietsreferent Norbert Neubauer von NABU hat es irgendwann aufgegeben, die zahlreichen Verstöße und das uneinsichtige Verhalten von Spaziergängern, Hundehaltern und Wassersportlern zu dokumentieren. „Bei Reesholm handelt es sich um ein Natur- und Vogelschutzgebiet von europäischer Bedeutung. April, Mai und Juni sind die Hauptzeit des Brut- und Aufzuchtgeschehens hier. Hier gelten klare Regeln für Besucher und die müssen eingehalten werden.

“Da die Störungen so massiv waren und sich leider viele Besucher*innen völlig uneinsichtig zeigten, haben sich die Umweltbehörden, die Flächeneigentümer und -pächter in Abstimmung mit dem Bürgermeister der Gemeinde Schaalby jetzt entschieden, das Naturschutzgebiet bis auf weiteres für alle zu sperren. Dazu werden jetzt am Donnerstag, 28.05. am einzigen Zugang in das Gebiet in Winningmay Bauzaunelemente aufgestellt.

Das Betreten des gesamten Gebietes bleibt für Unberechtigte verboten. Das gilt zumindest bis zum Ende der Brutzeit. Anders sind die Erhaltungsziele und der Schutzzweck nicht sicher zu stellen. Leider müssen unter dieser Sperrung auch die zahlreichen Besucher*innen leiden, die sich vernünftig verhalten. Anders kann der Naturschutz in diesem Fall hier aber leider nicht reagieren.

Grundsätzlich ist es das Ziel des Naturschutzes, Gebiete und Tiere erlebbar zu machen und den Menschen näher zu bringen. Dazu müssen sich aber alle an die Regeln halten. Zuletzt hatte Umweltminister Jan-Philipp Albrecht am 22. Mai dazu aufgefordert, sich in Corona-Zeiten gerne - aber bitte rücksichtsvoll - in den Naturschutzgebieten aufzuhalten. Wenn das nicht geschieht, sind Sperrungen die Folge und da bedarf es des umsichtigen Verhaltens aller, dass Reesholm hoffentlich das einzige gesperrte Gebiet bleibt.