Amphibien-Initiative trägt Früchte

Blau – Naturerlebnis der besonderen Art: Moorfrösche fahren abaufs Stiftungsland – blaugewandetet geht’s in die Paarungszeit

  • Moorfrosch Foto: Thies Hinrichsen

  • Regenerationsfläche

  • Moorfrösche Foto: Thorsten Stegmann

  • Moorfrösche Foto: Günther Helm


Haben die Meteorologen Recht, steigen die Temperaturen zu Beginn derkommenden Woche auf für Amphibien angenehme Werte. Dann bietet sich im Stiftungsland – den Naturschutzflächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein – ein ganz besonderes Schauspiel: Unzählige Moorfroschmännchen legen sich mächtig ins Zeug, um das Weibchen ihrer Wahl für die Paarung zu gewinnen.

Beim Werben um die Angebetete ist den Moorfröschen jedes Mittel recht: Die Männchen verfärben sich kurzfristig blau. Normalerweise sind sie genausowie die Weibchen bräunlich. Doch mit den steigenden Temperaturen der vergangenen Tage bekommt der Casanova durch hormonelle Veränderungen eine leuchtend blaue Farbe. Die Gründe dafür sind bislang ungeklärt. Klar ist aber: „blau“ kommt an – zumindest bei den Moorfrosch-Weibchen – Konkurrenten schreckt es ab.

Naturliebhaber sollten sich sputen, denn die blaue Pracht ist vergänglich. Nurnoch wenige Tage und die Moorfroschtracht heißt wieder Einheitsbraun. Für die Pirsch auf Moorfrosch und Co. empfehlen sich die zahlreichen Moore in der Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge zwischen Rendsburg, Heide und Husum. Hotspots der Amphibien sind daneben die Geltinger Birk und der Winderatter See in Angeln. Aber auch das Salemer Moor südlich von Ratzeburg, das Eidertal südlich Kiels, die Kührener Teiche und die Postseefeldmark bei Preetz sind lohnenswerte Ausflüge.

Der europaweit geschützte Moorfrosch steht auf Schleswig-Holstein und ganzbesonders auf Stiftungsland. Überall, wo die Stiftung Naturschutz ihre Flächen für den Moorfrosch und andere Kröten, Unken und Molche hergerichtethat, explodieren deren Bestände. Schätzungen gehen davon aus, dass weitüber 100.000 Moorfrösche das Stiftungsland rocken.

Hot-spot Nr. 1 für das Werben der „blauen“ Männchen um die Gunst derWeibchen ist das Stiftungsland Hartshoper Moor in der Gemeinde Sophienhamm bei Rendsburg. Allein in einem kleinen Teilbereich des von der Stiftung Naturschutz renaturierten Moores tummeln sich mehr als 6.000 Moorfrösche. Mehr als in Bayern (ausgestorben), Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zusammen.

An dieser Erfolgsstory hat die Stiftung viele Jahre gearbeitet. Mit ihrer Amphibieninitiative tourt sie seit 2003 durch Schleswig-Holstein und richtet neue Lebensräume für die Froschlurche ein. So sind in den vergangen Jahren 2.000 neue Kleingewässer mit einer Fläche von über 300 Hektar entstanden, bestehende wurden saniert und auf vielen Weiden der natürliche Wasserhaushalt wiederhergestellt. In verschiedenen Gebieten wurden nachgezüchtete Laubfrösche, Rotbauchunken und Knoblauchkröten ausgesetzt. Damit hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein den Grundstein für überlebensfähige Populationen gelegt.

Alle Amphibienarten haben das gleiche Problem: Ihnen mangelt es an Lebensräumen in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft. Das natürliche Potential hat die Landschaft in diesem Winter nach starken Regenfällen gezeigt. Für kurze Zeit traten entwässerte Tümpel, Sölle und kleine Seen wieder auf, ehe das Wasser von den Drainagerohrleitungen im Untergrund aufgenommen und abgeleitet wurde. Mehrere 100.000 km Rohrleitungen gibt es in Schleswig-Holstein, die das Wasser schnell abführen, welches dann nicht nur den Amphibien zum Leben fehlt.

Das Schleswig-Holstein Froschkonzert-Festival der Stiftung Naturschutz ist wegen der Covid-19-Krise zunächst auf Eis gelegt. Wir informieren Sie, wenn die Konzert-Saison wieder aufgenommen wird.