40 Jahre Engagement für die Biodiversität

Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein feiert 40. Geburtstag: Grüne Infrastruktur rettet Schleswig-Holsteins bedrohte Arten

  • Landespressekonferenz im Kieler Landeshaus mit Walter Hemmerling und Sandra Redmann (v.l.)

  • Sandra Redmann und Walter Hemmerling ziehen Bilanz

  • Das Team der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein

  • Vielfaltschützer: Stiftungsvorstand


Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein feiert Geburtstag. Heute hat der Vorstand im Rahmen der Landespressekonferenz im Kieler Landeshaus Bilanz gezogen. 1978 vom damaligen Landwirtschaftsminister Günter Flessner gegründet, kümmert sie sich seit 40 Jahren um den Aufbau einer Grünen Infrastruktur mit lebenswichtigen Biotopen für heimische Tiere und Pflanzen. Die Landesstiftung ist inzwischen die größte Naturschutzorganisation Schleswig-Holsteins: 70 Mitarbeiter erhalten auf 35.000 Hektar Stiftungsland die Biologische Vielfalt des Landes und machen sie auf Führungen und Veranstaltungen wie dem Naturgenussfestival erlebbar.

Das Artensterben ist nicht zu leugnen, insbesondere bei den Insekten. Zahlen belegen, dass in den vergangenen 27 Jahren die Masse der Fluginsekten in Deutschland um mehr als 75 Prozent abgenommen hat, die Hälfte der Brutvögel in Deutschland und fast alle in Schleswig –Holstein heimischen Amphibien auf der Roten Liste stehen. Diesen alarmierenden Zahlen stemmt sich die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit verschiedenen Projekten in ihrem Stiftungsland erfolgreich entgegen. „Mit dem Projekt „BlütenMeer 2020“ schützen wir seltene Pflanzen und bringen blütenreiche Wiesen nach Schleswig-Holstein zurück“, betonte Dr. Walter Hemmerling, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Naturschutz. Dafür wird Saatgut der einst typisch schleswig-holsteinischen Wiesenblumen gewonnen und vermehrt. Die eigens aufgebaute Arche Gärtnerei züchtet daraus Setzlinge von Schlüsselblume, Küchenschelle und 36 anderen Raritäten. 65.000 Blütenpflanzen wurden allein 2017 wieder ausgepflanzt So sollen bis 2020 insgesamt 2.500 Hektar – eine Fläche in etwa so groß wie Amrum – wieder zu blütenbunten Wiesen werden.

Mit dem von der EU geförderten Projekt zu Wiederansiedlung des Goldenen Scheckenfalters werden die Bemühungen fortgesetzt, die Landschaft für Insekten attraktiver zu gestalten. Mit einem Bündel unterschiedlicher Maßnahmen werden mehr Blühpflanzen in die Landschaft geholt, Heidelandschaften reaktiviert, Binnendünensysteme und Feuchtwiesen aufgewertet. „Dabei geht es nicht nur um den einen Schmetterling. Wo er sich wieder ansiedelt, finden zahlreiche andere Tagfalter, Libellen, Wildbienen, Vögel und Reptilien  einen für sie optimalen Lebensraum“, sagte Hemmerling.

Der Ausbau der Grünen Infrastruktur gehört zu den Kernkompetenzen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Dabei haben wir uns zur Expertin in Sachen Wiedervernetzung von durch Straßen zerschnittenen Lebensräumen entwickelt. Wir wissen mittlerweile wie die Anbindung von Grünbrücken mit den Biotopen der Umgebung gestaltet sein muss, damit sie von Hirschen, Rehwild, aber auch weniger mobilen Arten genutzt werden“, so Hemmerling. Im Mittelpunkt des Projektes stehen die Grünbrücken bei Kiebitzholm (A 21), Brokenlande und Bad Bramstedt (A 7) und ihre Vernetzung untereinander. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesumweltministerium.

Zu den Gewinnern im Stiftungsland zählen auch Frösche, Kröten und Unken, für die sich die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit ihrer Amphibieninitiative seit fast 15 Jahren stark macht. So sind bislang fast 1.700 neue Laichgewässer und amphibiengerechte Landschaften entstanden, die das Aussterben europaweit geschützter Froschlurche im Land verhindert haben. Laubfrösche, Rotbauchunken und Moorfrösche sind aus der Agrarlandschaft zwar weitgehend verschwunden, im Stiftungsland finden sie aber ein sicheres Zuhause. Auch für Wiesenvögel tut sich was im Stiftungsland. Polder für die Uferschnepfe ziehen auch den extrem seltenen Kampfläufer an. Nach 35 Jahren brütet er wieder in der Alten-Sorge-Schleife.

Engagiert ist die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein auch in Sachen „Moorschutz ist Klimaschutz“. 1,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivivalente hat sie in zwölf Stiftungsmoore gebunden. „Unser Erfolgsrezept: Wiedervernässung trockengelegter Moore bindet nicht nur Treibhausgas, es holt auch die Artenvielfalt zurück“, erklärte Hemmerling. Während intakte, wachsende Hochmoore je Hektar jährlich zehn Kubikmeter Torf produzieren, in denen 0,8 Tonnen CO2 gespeichert werden, setzen entwässerte Moore jährlich acht Tonnen CO2 frei. Damit können Dank der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein rund 110.000 Schleswig-Holsteiner ein komplettes Jahr klimaneutral leben – Stromverbrauch, Mobilität, Heizung, Ernährung und Konsum inklusive.

Der Erfolg der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein wäre aber nicht ohne seine regionale und überregionale Vernetzung möglich. „Zu den Partnern gehören Straßenbau, Jagdverband, Forstämter, 1.210 Landwirte, Naturschutzverbände und Kommunen. Ohne sie wären die komplexen Aufgaben in Sachen Naturschutz nicht zu stemmen“, warsich Sandra Redmann, ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, sicher.

„Unsere Arbeit im Stiftungsland zeigt, dass wir mit einem funktionsfähigen und optimierten Netzwerk von Lebensräumen das Artensterbens aufhalten können. Damit möglichst viele wildlebende Tiere und Pflanze günstige Lebensbedingungen vorfinden, müssen wir als Landesstiftung die Grüne Infrastruktur weiter wachsen lassen und ihre Qualität verbessern. Eine schöne Aufgabe für die die nächsten 40 Jahre, weil wir damit auch die Lebensgrundlage von uns Menschen erhalten,“ blickte Redmann nach vorn.