Schwere Zeiten für Wiesenvögel-Machos

Er liebt das platte Land, die unendliche Weite und nasse Füße – die Rede ist vom Kampfläufer, dem seltenen Wiesenvogel.

  • Kampfläufer, Foto: Winfried Wisniewski


Früher war alles besser! Für den Kampfläufer trifft diese Aussage tatsächlich zu. Vor rund 100 Jahren gab es den Wiesenvogel in den feuchten Marschgebieten  von der dänischen Grenze am Hindenburg-Damm bis runter zur Elbe noch ziemlich häufig.  Auch in den 1970ern lief es noch ganz gut für den Macho mit dem außergewöhnlichen Look – damals gab es, Schätzungen zufolge, noch mehrere hundert brütende Weibchen entlang der Westküste. Heute gibt es weite Landstriche, in denen der Kampfläufer gar nicht mehr zur Brut antritt.

Die Lebensräume oder besser noch: die Lieblings-Brutplätze des Kampfläufers verschwinden mehr und mehr. Das liegt vor allem an der immer intensiveren Landwirtschaft. Der Kampfläufer braucht auch im späten Mai noch richtig feuchte Weiden und Wiesen. Und die sind schon in „normalen Jahren“ rar gesät. Aber in den vergangenen zwei Jahren hat der Küstenvogel vor allem unter den Hitze-Sommern 2018 und 2019 gelitten. Die Rekordtemperaturen und der ausbleibende Regen haben ihre Spuren hinterlassen. 2019 haben deshalb landesweit nur rund 27 Weibchen Brutversuche gestartet.

Einzig und allein im Speicherkoog Nord im Kreis Dithmarschen gab es mit zwei Nachweisen von Brut und Küken echte Erfolge zu vermelden. Diese sind auch auf die Maßnahmen des Wiesenvogelschutz-Projekts „LIFE Limosa: Wo ist Greta?“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein zurückzuführen. Projektleiter Oliver Granke sorgte dafür, dass trotz der anhaltenden Dürre das Wasser auf den Flächen blieb. So standen dem Kampfläufer, der zu den absoluten Spätbrütern unter den Wiesenvögeln gehört, auch Ende Mai, Anfang Juni noch ausreichend nasse Flächen zur Familiengründung zur Verfügung.
Die Prognosen für das Brutjahr 2020 sehen nach den anhaltenden Regenfällen der letzten Wochen ganz gut aus: mit etwas Glück gibt es in diesem Jahr wieder mehr brütende Kampfläufer.

Das Macho-Image wird dem Kampfläufer übrigens zugeschrieben, da er sich erst beim Balz-Tanz total verausgabt, um nach erfolgreicher Paarung dann das Weibchen mit der Brut und der Aufzucht sitzen zu lassen.