Sie summen leise durch unsere Gärten, bestäuben Obstbäume, Wildblumen und Gemüse – und doch gehören Wildbienen zu den am stärksten bedrohten Insekten Schleswig-Holsteins. Während Honigbienen quasi als Haustiere in Schleswig-Holstein von mehr als 3.000 Imker*innen im Land gezüchtet, gehegt und gepflegt werden – und im Vergleich zu den Wildbienen auch relativ anspruchslos bei der Nektarsuche sind – bleiben ihre wilden Verwandten auf sich allein gestellt. Zum „Weltbienentag am 20. Mai“ ruft die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein deshalb dazu auf, Gärten, Balkone und Grünflächen wildbienenfreundlicher zu gestalten.
„Wildbienen sind die großen Sorgenkinder unter unser Bestäubern“, sagt Wildbienen-Experte Detlef Kolligs von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Viele Arten sind hoch spezialisiert. Fehlen bestimmte Wildpflanzen, offene Bodenstellen oder Totholz, verschwinden sie – oft unwiederbringlich.“
Rund 270 Wildbienenarten in Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein leben etwa 270 Wildbienenarten, darunter rund 30 Hummelarten. Viele davon stehen bereits auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Anders als Honigbienen sammeln viele Wildbienen nur an ganz bestimmten Pflanzenarten Pollen. Manche nisten im Boden, andere in hohlen Pflanzenstängeln oder alten Käfergängen im Totholz. Doch genau diese Lebensräume verschwinden zunehmen.
Aufgeräumte Gärten, kurz gemähte Rasenflächen, Schottergärten und der Einsatz von Pestiziden machen es wilden Bestäubern schwer. Dabei braucht es oft nur kleine Veränderungen mit großer Wirkung.
Wilde Ecken statt steriler Ordnung
Besonders wichtig für Wildbienen sind heimische Blütenpflanzen vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Schon kleine Blühinseln mit regionalen Wildpflanzen helfen viele Arten beim Überleben. „Weniger Ordnung kann ein echter Gewinn für die Artenvielfalt sein“, erklärt Kolligs. „Abgestorbene Pflanzenstängel, offene Sandstellen oder ein kleiner Holzstapel sind für Wildbienen oft wertvoller als das perfekte Gartenbild.“
Wertvolle Tipps für einen wildbienenfreundlichen Garten:
- Teile des Rasens seltener mähen oder in eine Wildblumenwiese verwandeln
- heimische Wildpflanzen statt exotischer Zierpflanzen setzen
- Totholz, Laub und alte Pflanzenstängel über den Winter stehen lassen
- offene Bodenstellen für bodennistende Wildbienen schaffen
- konsequent auf Pestizide verzichten
Auch Nisthilfen können helfen – wenn sie richtig gebaut sind. „Ein Insektenhotel allein rettet keine Wildbienen“, sagt Kolligs. „Entscheidend sind vor allem Nahrung und Lebensräume.“
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Schon ein sonniger Balkon mit heimischen Blühpflanzen kann Nahrung bieten. Wer zusätzlich eine kleine Wasserstelle mit Steinen als Landehilfe aufstellt oder eine wilde Gartenecke zulässt, schafft wertvolle Rückzugsorte für Insekten.
„Jeder Quadratmeter zählt“, sagt Kolligs. „Wenn viele Menschen kleine Flächen naturnah gestalten, entsteht ein riesiges Netzwerk aus Trittsteinen für Wildbienen und andere Insekten.“
Praktische Tipps und Anleitungen bieten auch die neue Broschüre der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein: „Mein summender Garten – Praxis für Insektenvielfalt“.
Hier gibt’s die Broschüre zum Download:
https://www.stiftungsland.de/fileadmin/user_upload/downloads/2026-04-13_broschuere_meinsummendergarten_a5_web.pdf
Der "Internationale Weltbienentag" wird seit dem Jahr 2018 jährlich am 20. Mai gefeiert. Er wurde von den Vereinten Nationen ausgerufen. Hintergrund: an diesem Tag des Jahres 1734 wurde Anton Janša geboren. Der Slowene gilt als Pionier der modernen Imkerei.
