Zwischen Steinstrand und weitem Ostseehorizont liegt die Halbinsel Oehe-Schleimünde. Diese Strandwall-Landschaft, ist allein für die gefiederten Schönheiten wie Säbelschnäbler, Zwergseeschwalbe, Austernfischer und viele andere seltene Küs-tenvögel reserviert. Sie ist absolut einzigartig und eins der wenigen Vogelparadiese in Schleswig-Holstein. Mitten in dieses atemberaubend-schönen Panorama aus einsa-mem Steinstrand – es ist das ganze Jahr über gesperrt und damit nahezu frei von menschlicher Störung – und glitzernder Ostsee, sind in diesen Tagen neue Zäune ge-stellt worden. Unscheinbar aber für die seltenen Küstenvögel überlebenswichtig.
Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein hat dort gemeinsam mit dem Verein Jordsand e.V. und der Integrierten Station Geltinger Birk zwei mobile Elektro-Nest-schutzzäune – die Expert*innen nennen das Gelegeschutzzäune – aufgebaut. Sie schützen während der Brutzeit empfindliche Küstenbereiche, in denen seltene Wie-senvögel ihre Eier direkt auf dem Boden ablegen.
Kleine Zäune – große Wirkung
Insgesamt wurden zwei Flächen eingezäunt: eine Fläche von rund 1,5 Hektar mit 600 Meter Zaun und eine zweite Fläche von knapp 1,6 Hektar mit rund 1000 Metern Zaun.
Die Zäune bleiben nur während der Brutzeit stehen und werden im Sommer – je nach Brutgeschehen im Juli oder August wieder abgebaut. „Viele dieser Arten legen ihre Eier einfach in eine kleine Mulde am Boden“, erklärt Oliver Granke, Wiesenvogel-schutzexperte der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Projektleiter im EU-geförderten Küstenvogelschutzprojekt. „Dort können sie in der Nacht von Fuchs, Marderhund oder anderen nachtaktiven Säugetieren gefunden und geräubert werden. Die Elektrozäune können dies verhindern.“
Von der Maßnahme profitieren mehrere stark bedrohte Arten, wie Zwergsee-schwalbe, Sandregenpfeifer, Austernfischer und Rotschenkel. Gerade die vergleichs-weise kleinen Zwergseeschwalben gehören zu den seltensten Brutvögeln an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Für sie wird ein Teil der Fläche zusätzlich mit einem besonders sicheren Doppelzaun geschützt.
Monitoring begleitet Bruterfolg
Die Wirkung der Maßnahme wird wissenschaftlich begleitet: Ornitholog*innen ver-gleichen den Schlupferfolg innerhalb und außerhalb der eingezäunten Bereiche. So lässt sich genau feststellen, wie stark der Schutz den Küstenvögeln hilft.
Die Arbeiten sind Teil des EU-geförderten LIFE-Projekts „Better Bird LIFE: ein Zuhause für Küstenvögel“ – einem deutsch-dänischen Gemeinschaftsprojekt zum Schutz der Küstenvögel in Natura 2000-Gebieten. Natura 2000 ist ein europaweites Netz beson-ders wertvoller Schutzgebiete.
Wenn Ostsee-Strand zum Kinderzimmer wird
Die kleinen Zäune sorgen ab sofort für eine Extraportion Schutz der oft zwischen Stei-nen, Muscheln und Dünengras liegenden gut getarnten gesprenkelten Eier. „Für un-sere Küstenvögel sind Strände und Dünen hier vor allem Kinderzimmer. Je besser sie geschützt werden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass hier im Sommer viele kleine flügge Küken ihre ersten Flugversuche über die wunderschöne Halbinsel Oehe-Schleimünde machen“, sagt Granke.
Gemeinsam mit unserem Partner*innen vor Ort setzen wir uns für die Brut- und Wiesenvögel in Schleswig-Holstein ein – gemeinsam für viele flügge Küken: in Oehe-Schleimünde ist unser Partner der Verein Jordsand e.V. und bei dieser Maßnahmen-Umsetzung der NABU Bottsand, am Sehlendorfer Binnensee der NABU Lütjenburg, auf der Geltinger Birk die Integrierte Station Geltinger Birk und der NABU-Ostangeln.
