Not-Operation gut überstanden, jetzt wird der Patient wieder ganz gesund gepflegt: So könnte man die Rettung der letzten 25 Hektar des Weißen Moores an der B 5 in Dithmarschen beschreiben. Im Winter 2024/25 wurde die Moor-Insel, die zwei Meter aus der umgebenden Marsch-Landschaft ragt, durch den Bau einer Rundum-Wassersperre vor dem Austrocknen gerettet. Nun vernässt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein auch einen ca. 100 Meter breiten Streifen außenherum, so dass das Weiße Moor wieder die Chance bekommt, zu wachsen.
Denn der Moor-Sockel ist eine echte Arten-Arche für moortypische Pflanzen und Tiere. Hier findet man eine der am besten erhaltenen Moor-Heiden Schleswig-Holsteins mit einem großen Vorkommen an Besen-, Rosmarin- und Glockenheide. Dazwischen die besonders wertvollen roten Torfmoose, die besonders effektiv CO2 aus der Luft filtern und speichern können. Eine echte Besonderheit ist das Vorkommen der Moltebeere, aus der in Schweden gerne Marmelade gemacht wird, die es hierzulande aber fast nirgends gibt.
Erster Schritt: Retten
Dieses kleine Idyll inmitten von Feldern und Windrädern drohte zu verschwinden. Der Moor-Sockel war viel zu trocken, weil das Wasser seitlich wegsickerte. Letzten Winter ließen die Moor-Expert*innen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein 4.000 Meter Spezialfolie senkrecht in den Torf-Boden einziehen und 1.000 Meter Wall errichten, um das Wasser am Abfließen zu hindern.
Mit Erfolg, schon in diesem Sommer blieben die Wasserstände im Moor-Kern auch in trockenen Zeiten stabil. Wenn Projektleiter Gerrit Wehrhahn von der Stiftung Naturschutz über die vernässte Fläche läuft, schwingt der Boden wieder wie im gesunden, natürlichen Moor unter jedem Schritt mit. „Das Weiße Moor ist wieder nass, unsere Rettungsaktion hat funktioniert“, freut er sich. Es gehe seit dem Umbau deutlich weniger Wasser verloren. Das zeigen auch die Wasserstandsdaten der Messtellen im Moor. Dort, wo im letzten Winter die Dichtbahn eingezogen wurde, seien kaum noch Spuren der Arbeiten zu sehen, erläutert der Projektleiter.
Zweiter Schritt: Sichern
Nun machen die Moor-Expert*innen in einem zweiten Bauabschnitt weiter: Der Bereich, der in der Vergangenheit abgetorft wurde und deshalb zwei Meter tiefer rund um den Moor-Sockel liegt, soll ebenfalls wieder nass werden. Das hat einerseits den Vorteil, dass der Unterschied des Wasserstands im Moor und außen herum kleiner wird und somit auch der Druck sinkt, also weniger Wasser nach außen wegsickert. Außerdem bekommt diese Fläche so auch wieder die Chance, eine moortypische Pflanzen- und Tierwelt aufzubauen. So entsteht ein nasshaltender „Puffer“ und mit etwas Glück ein neues Moor um den Sockel herum.
Dafür kommen die großen Kettenbagger zurück ins Weiße Moor. Sie erhöhen einen bestehenden Wall, der nach Ende des Torfabbaus gebaut wurde, und verstärken diesen zusätzlich mit einer Dichtbahn. Dazu stauen Werhahn und sein Team vor Ort einige Entwässerungsgräben an. Die Bauarbeiten sollen im Februar 2026 abgeschlossen sein, bevor die Brut- und Setzzeit beginnt.
