Rekord-Zahl bei Faltern im Stiftungsland Nordoe und auf der Geltinger Birk
So viele waren es noch nie! Das Schmetterlings-Rettungsteam der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein traute seinen Augen kaum: jährlich zählen Dr. Detlef Kolligs und Antje Walter die umherfliegenden Goldenen Scheckenfalter in den Projektgebieten, dem Stiftungsland Nordoe bei Itzehoe, dem Stiftungsland Geltinger Birk direkt am Ausgang der Flensurger Förde, dem Stiftungsland Reesholm (SL) und Stiftungsland Lütjenholm (NF, die größere Fläche ist der militärische Übungsplatz). Dieses Mal waren es in Nordoe mehr als je zuvor: 350 Schmetterlinge konnte Kolligs zählen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch in den vergangenem zwei Jahren. „Die ganze Entwicklung von Schmetterlingen inbesondere im Raupenstadium ist sehr witterungsabhängig. Dieses Jahr war zur Raupen-Entwicklung besonders günstig, denn: wir hatten einen anhaltenden kalten Winter, darauf folgte gleich ein trockenes, sonniges Frühjahr. Das ist der Trick: kleinklimatische Situation mit Beweidung und kurzer Vegetation bieten den Raupen optimale Temperatur-Verhältnisse – schön warm zwischen den Pflanzenhalmen. Während wir oben frieren, haben die es unten mollig warm. Menschen frieren bei 14 Grad. Die Raupen haben in Bodennähe mediterrane Bedingungen“, erklärt Kolligs. Das führte zu der erfolgreichen Entwicklung und den erfreulichen Zahlen.
Warum 32 Schmetterlinge trotzdem ein Erfolg sind
Deutlich weniger waren weit oben im Norden von Schleswig-Holstein – auf der Geltinger Birk – dort zählte Schmetterlings-Mama Antje Walter nur etwa ein Zehntel der in Nordoe umherfliegenden Falter. Trotzdem waren die 31 Exemplare ein riesiger Erfolg für die Schmetterlings-Retter. Denn: die Ostseesturmflut vor drei Jahren – im Herbst 2023 – hatte den Großteil des Vorkommens überflutet. Zur Erklärung: der Schmetterling überwintert als Raupe in Gespinsten am Boden. Nun also die gute Nachricht: trotz verheerender Flut überlebten einige wenige, die Walter im vergangenen Jahr fand, und diese wenige sicherten das Vorkommen und erholen sich jetzt. „Das Besondere ist, dass es trotz Flut von alleine geschafft haben sich zu erholen“, sagt Kolligs.
Der Lebensraum hat trotz Flut überlebt und die Birk ist immer noch reich an Blütenpflanzen wie Habichtskraut und Hornklee und auch die Raupennahrungspflanze, der lila-leuchtende Teufelsabbiss ist dort ausreichend zu finden.
Lütjenholm
Dort war ich eigentlich sehr glücklich. Da hatten wir im vergangenen Jahr so eine Massenvermehrung. Was dazu geführt hat, das kaum noch Raupen-Nahrungspflanzen Teufelssabbiss übrig war. Deshalb war Kolligs ein wenig in Sorge. Der Bestand hat sich gut erholt und es flogen zahlreiche Falter umher, 100 Falter (2025: 150 Falter).
Hauptfläche haben die Raupen im letzten Jahr übernutzt, trotzdem konnten sie in immer noch in anderen Bereichen überleben, und damit das Vorkommen sichern. Das ist für den Biologen das Entscheidende, dass die Population überlebt. (Meta-Population)
Acht Jahre nach Ende der Projektlaufzeit ist das ein RiesenErfolg und ein Zeichen dafür, dasss die Bemühungen im Projekt dass der Falter jetzt in der Lage ist sich selbst zu retten. „Die Biologen sprechen erst dann von einer stabilen Population, wenn die Falter über mehrere Generationen ein Gebiet zu besiedeln.
Gerade die in den letzten Jahren zunehmenden Extrem-Witterungsereignisse wie Starkregen, Dürre, Hitze bedrohen zunehmende kleine isolierte Populationen gefährdeter Arten.
Vor dem „für-immer-Verschwinden“ gerettet
Die letzten filigranen Falter flogen in den 1990er Jahren durch Nordoe und Jardelund – danach galten sie fast zwanzig Jahre lang als ausgestorben, in ganz Schleswig-Holstein. Die Insektenretter*innen des EU-geförderten Schmetterlings-Rettungsprojektes „LIFE Aurinia“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein setzten sich deshalb vor 16 Jahren ein ehrgeiziges Ziel: sie wollten den gold-karierten Falter zurück in seinen ursprünglichen Lebensraum bringen. Dazu mussten aber erstmal die Lebensräume der Tiere wiederhergerichtet werden. So wurde mit einer Vielzahl von Maßnahmen eine Landschaft mageren Grünlandes wiederhergestellt, in der Raupen und Schmetterlinge genug Nahrungs- und Nektarpflanzen finden.
Zwischen 2014 und 2016 wurden jährlich Scheckenfalter-Raupen ausgesetzt – insgesamt etwa 15.000 Stück. „Das hört sich viel an. Man geht aber davon aus, dass es nur etwa jede hundertste Raupe bis zum Falter schafft“, erklärt Dr. Detlef Kolligs, Insektenexperte der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Kolligs betreut die Maßnahme seit ihrem Beginn im Jahre 2010.
„Das Engagement hat sich definitiv ausgezahlt, der Goldene Scheckenfalter ist hier gerettet“, zieht Kolligs Resümee. Die Bedeutung des Erfolgs geht über die der Rettung der Falter hinaus. „Der Goldene Scheckenfalter sorgt für einen Mitnahme-Effekt. Dort, wo er zu finden ist, fühlen sich auch viele weitere bedrohte Arten der mittlere Perlmuttfalter, wie beispielsweise die Arnika, eine schleswig-holsteinische Wildpflanze, das gewöhnliche Kreuzblümchen wohl“, erklärt Kolligs und führt fort: „Insgesamt kann mal also von einem Vorzeigeprojekt für den Naturschutz sprechen!“
