Was bis zum Jahresbeginn noch ein dichter Fichtenforst – einst als Sichtschutz des ehemaligen Truppenübungsplatzes der Bundeswehr – verwandelt sich jetzt in ein rosa-pink-blühendes Naturparadies: Im Stiftungsland Nordoe bei Itzehoe entsteht durch eine besondere Naturschutzmaßnahme ein neuer Heide-Lebensraum. Dafür wird heute auf rund einem Hektar Fläche sogenanntes Mahdgut – also gemähtes Heidegut – aus der etwa 23 Kilometer entfernten Vaaler Heide verteilt. „Wir bringen damit die Samen einer artenreichen Heidefläche von einem Ort zum anderen – eine echte Samenspende für die Natur“, erklärt Karin Windloff, Maßnahmen-Managerin der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
Ein bewährtes landwirtschaftliches Verfahren für mehr Artenvielfalt
Bevor das Heidemahdgut in Nordoe verteilt wurde, haben Spezialbagger die oberste Bodenschicht sanft abgetragen. So taucht der nährstoffarme Sandboden, den typische Heidepflanzen wie Besenheide, Glockenheide oder Heidenelke zum Keimen brauchen. Anschließend wird das Mahdgut mit einem landwirtschaftlichen Streuer auf der vorbereiteten Fläche verteilt – mitsamt all der wertvollen Samen und Pflanzenteile, die sich darin befinden. Die Methode der Heide-Mahdgutübertragung hat sich in Schleswig-Holstein bereits vielfach bewährt. Denn auf diese Weise lassen sich Lebensgemeinschaften übertragen – von Heidepflanzen und Flechten bis hin zu den Insekten und kleinsten Bodenorganismen, die die Grundlage für ein stabiles Ökosystem bilden. „Damit schaffen wir nicht nur eine Heidefläche, sondern auch wertvollen Lebensraum für Schmetterlinge, Wildbienen, Zauneidechsen, und vielen anderen Insektenarten“, so Windloff. Außerdem sorgen wir dafür, dass alte Heidebestände an anderer Stelle verjüngt werden und langfristig erhalten bleiben.“
Vom Fichtenforst zum Naturparadies
Die Fläche in Nordoe war über Jahrzehnte mit Fichten bepflanzt. Anfang des Jahres wurden die geschwächten, teilweise vom Borkenkäfer befallen Bäume gefällt. Jetzt entsteht dort ein naturnaher Laubwald aus Eichen, Sandheide und offenen Dünenflächen. Und zwischen den Bäumen blüht ein pinker Heideteppich, der für Farbe und Artenvielfalt sorgt.
Die Kosten der Maßnahme liegen bei rund 20.000 Euro. Neben der Vorbereitung der Fläche und dem Abtrag des Oberbodens ist vor allem der Transport und die gleichmäßige Verteilung des Mahdgutes aufwendig. Die Kosten für das Fällen der alten Fichten und das Neupflanzen der Eichen werden überwiegend durch den Verkauf der Fichten gedeckt, da dieser Holzerlös vollständig wieder dem Projekt zugutekommt.
Bis die Heide in Nordoe großflächig blüht, wird es noch drei bis vier Jahre dauern – dann verwandelt sich die Fläche in ein sommerlich-pinkes Blütenmeer, in dem Insekten summen und Heidelerchen singen.
Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein – ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein – versteht sich als Dienstleisterin an der Schnittstelle zwischen Vorhabenträger*innen und Behörden. Immer dann, wenn Bauvorhaben Eingriffe in den Naturhaushalt verursachen, sorgt sie dafür, dass an anderer Stelle neue, ökologisch, wertvolle Lebensräume entstehen.
Mehr Informationen unter: www.ausgleichsagentur.de
