Bagger mit monströsen Greifarmen und Knickscheren rollen im Februar durch das wüstenartige Stiftungsland Nordoe bei Itzehoe im Kreis Steinburg. Was auf den ersten Blick nach schwerem Eingriff aussieht, dient einem behutsamen Ziel: Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein macht eine der artenreichsten Binnendünenlandschaften im Land wieder lebendig und vielfältig.
Auf rund 24 Hektar haben sich in den vergangenen Jahren kleine und große Bäume wie Birke, Kiefer und Weißdorn stark auf den sandigen Hügelflächen ausgebreitet. Sie beschatten diese Bereiche und verändern damit nicht nur Schritt für Schritt die Landschaft, sondern nehmen auch den vielen lichtliebenden Pflanzen den Raum zum Leben. „Wir schaffen wieder Licht und Luft für sensible, konkurrenzschwache Wildpflanzen. Diese sind wiederum als Nektarquelle überlebenswichtig für viele bedrohte Insekten wie Wildbienen, Schmetterlinge, Hummeln und Schwebfliegen.“, erklärt Jane Lassen, Maßnahmen-Managerin der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
Zunächst werden die Büsche und Bäume auf einer Teilfläche von etwa 16 Hektar entfernt. „So bleibt die Wüstenlandschaft als Lebens-Mosaik aus Dünen, unterschiedlichen Heidetypen und Kleingewässern langfristig erhalten.“
Ein Mosaik aus Laubwald, Dünen, Heide und kleinen Teichen und Tümpeln
Diese Landschaft ist ein echtes Natur-Schmuckstück und Heimat zahlreicher seltener Arten wie der leicht rose-blühenden Quirligen Knorpelmiere, dem weiß-blühenden Katzenpfötchen, aber auch Schmetterlinge wie der Mittlere Perlmutterfalter, und der extrem seltenen Alpen-Filzbiene haben im Stiftungsland Nordoe ihren Lieblings-Lebensraum gefunden. Durch die Pflegearbeiten retten Lassen und ihr Team diesen Rückzugsort mit Wohlfühlfaktor für viele seltene Arten.
Pflege mit Augenmaß
Alle Maßnahmen sind sorgfältig geplant und aufeinander abgestimmt. Ziel ist es nicht, die Landschaft zu verändern, sondern ihren ursprünglichen, offenen Dünencharakter zu bewahren. „Manchmal braucht es große Maschinen, um kleine empfindliche Lebensräume zu erhalten“, sagt Lassen. „Unsere Aufgabe ist es, der Natur genau den Raum zurückzugeben, den sie hier braucht.“
Im nächsten Herbst sollen weitere Maßnahmen folgen: Dann rückt der Bagger auch in der Ginster- und Arnikawiese an.
