Wüsten-Panorama an der Ostsee

Naturschutz in Aktion an der Weißenhäuser Brök

Riesige Sandhaufen, ein gewaltiger Kettenbagger und das gleichmäßige Rattern einer mobilen Sandsiebanlage – was derzeit westlich des Oldenburger Grabens im Kreis Ostholstein passiert, wirkt auf den ersten Blick wie ein massiver Eingriff in die Natur. Doch die Baustelle dient einem guten Zweck: Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein lässt hier auf insgesamt rund 17 Hektar Fläche invasive Pflanzen entfernen, um die seltene Dünenlandschaft zu retten. 

„Die Arbeiten sehen spektakulär aus, sind aber reiner Naturschutz“, erklärt Jane Lassen, Maßnahmenmanagerin der Stiftung. „Über 350 Pflanzenarten kommen hier vor – eine solche Vielfalt findet man in Schleswig-Holstein nur an wenigen Orten.“ 

Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht die Bekämpfung der Kartoffelrose, einer invasiven Art, die sich stark ausgebreitet hat und heimische Pflanzen verdrängt. Ihre Wurzeln reichen bis tief in den Boden. Um sie dauerhaft zu entfernen, wird der Sand abgetragen, gesiebt und von Wurzelresten befreit. „Das Ausbaggern hat sich als wirksamste Methode erwiesen“, sagt Lassen. 

Die so entstehenden Sandflächen erinnern für kurze Zeit an eine Wüstenlandschaft – ganz im Sinne der Natur: Offene sonnige Bereiche schaffen Lebensräume für gefährdete Arten wie Zauneidechse, Kreuzkröte, Schmetterlinge und seltene Blütenpflanzen das Sumpf-Herzblatt, und die Kleine Wiesenraute. Früher entstanden solche offenen Dünenlandschaften auf natürliche Weise – durch Sturmfluten, Salzüberflutungen und Wind. „Heute fehlt diese Dynamik“ erläutert Lassen. „Durch die Entfernung der Kartoffelrose schaffen wir zusätzlich wieder neue Dynamik von denen die Arten der Dünenlandschaft profitieren“, 

Bis Anfang Februar – mit einer kleinen Weihnachtspause mittendrin – dauern die Arbeiten voraussichtlich an. Einschränkungen für Spaziergänger*innen gibt es nicht, lediglich einige Wegführungen werden vorübergehend angepasst. Die markanten Pappeln am Deich bleiben selbstverständlich erhalten. 

Die Maßnahmen sind Teil der schleswig-holsteinischen Biodiversitätsstrategie und werden aus Landesmitteln finanziert. Ziel ist es, die seltene Dünenlandschaft der Weißenhäuser Brök langfristig zu erhalten – als Rückzugsraum für gefährdete Arten und als lebendiges Stück Küstennatur.