Wenn es im Sommer klingt wie ein alter Traktor im hohen Gras, dann ist er da: der Warzenbeißer. Groß, kraftvoll mit breitem Kopf und markantem „Nackenschild“. Sein ungewöhnlicher Name geht auf einen alten Volksglauben zurück: die Menschen damals nahmen an, der kräftige Biss des Insekts könne Warzen „wegbeißen“ und dauerhaft heilen. Doch so kräftig und stark der Warzenbeißer auch wirkt – seine Lebensgrundlage ist empfindlich geworden.
Zum „Internationalen Tag des Artenschutzes“ am 3. März 2026 rückt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein das Insekt des Jahres 2026 deshalb in den Fokus. Denn der Warzenbeißer steht exemplarisch für eine Landschaft, die in Schleswig-Holstein immer seltener wird: strukturreiche Offenlandschaften mit sandigen, sonnigen Bodenstellen und lockerem Bewuchs.
Ein Mosaik aus Sonne und Schutz
Für seine Eiablage braucht der Warzenbeißer warme, offene Bodenstellen. Gleich daneben muss es schützende Grasbüschel und Kräuter geben, zwischen denen er sich zurückziehen kann. Offenheit und Deckung müssen dicht beieinanderliegen – wie ein fein geknüpftes Mosaik aus Licht und Schutz. Solche Lebensräume entstehen nicht von selbst und gehören zu den Raritäten in Schleswig-Holstein.
Rückzugsräume im Stiftungsland
Auf extensiv bewirtschafteten Wiesen, Weiden und Heideflächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein finden sich heute wichtige Rückzugsräume für den Warzenbeißer. So ist er beispielsweise noch ganz oben im Norden von Schleswig-Holstein im Stiftungsland Lütjenholm (Kreis NF), im Stiftungsland Johannistal im Kreis Ostholstein, im Stiftungsland in Nordoe bei Itzehoe im Kreis Steinburg und sogar im südlichen Schleswig-Holstein im Stiftungsland Langlehsten im Kreis Herzogtum-Lauenburg zu Hause.
Durch angepasste Beweidung, den Erhalt kleiner Offenbodenbereiche und eine schonende Pflege bleiben genau jene Strukturen erhalten, die die Schrecke mit dem Traktor-Sound zum Überleben braucht.
„Der Warzenbeißer ist ein Bewohner magerer Lebensräume – und die verschwinden aktuell in hohem Maße“, beklagt Antje Walter, Insekten-Expertin der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Er zeigt uns, wie verletzlich offene Lebensräume mit Sandstellen, Gräsern, Licht und Wärme geworden sind. Wenn wir diese Räume sichern und vernetzen, kann es eine Zukunft für ihn und für viele andere Insekten. Denn: wenn der Warzenbeißer verstummt, wird es still in unseren offenen Landschaften.“
Isolation als unsichtbare Gefahr
In Schleswig-Holstein war der Warzenbeißer bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts im ganzen Land verbreitet und trat sogar auf bewirtschafteten Ackerflächen auf. Heute kommt er nur noch lokal und sehr verinselt vor. Intensive Nutzung, Flächenverlust und die Zerschneidung der Landschaft haben viele geeignete Lebensräume voneinander getrennt. Doch gerade für Arten wie ihn ist die Vernetzung entscheidend: Nur wenn Populationen miteinander in Kontakt bleiben, kann langfristig genetischer Austausch stattfinden. Artenschutz bedeutet deshalb auch, Biotope verbinden und Offenlandschaften wieder als zusammenhängende Lebensräume zu denken.
Artenschutz beginnt vor der eigenen Haustür
Das internationale Kuratorium „Insekt des Jahres“ namhafter Entomologen macht mit der Wahl des Warzenbeißer auf die Bedeutung dieser bedrohten Lebensräume aufmerksam. Zum Tag des Artenschutzes wird deutlich: Der Schutz des Warzenbeißers ist zugleich ein Schutz unserer offenen Kulturlandschaften – von Sandheiden über Magerrasen bis zu Küstendünen.
Wer den „Traktor-Sound“ einmal selbst hören möchte, hat im Sommer 2026 Gelegenheit dazu: im Rahmen der größten Outdoor-Eventreihe in Schleswig-Holstein, dem „Naturgenussfestival 2026“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein werden Exkursionen in ausgewählte Heidelandschaften angeboten – unter anderem am 11. Juli in Nordoe bei Itzehoe.

