Platz für Licht, Leben und Laubwald

Sanfter Waldumbau vom Fichtenforst zum Vielfalts-Wald im Stiftungsland Bimöhlen bei Bad Bramstedt

Wo bislang ein dichter Fichtenforst stand, öffnet sich künftig ein lebendiger, lichter Laubwald. Die Ausgleichsagentur – ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein – startet im Kreis Segeberg, in der Gemeinde Bimöhlen, östlich von Bad Bramstedt, den ökologischen Umbau eines rund 20 Hektar großen Waldstücks. Hier entsteht Schritt für Schritt ein vielfältiger Eichenwald, der Wildbienen, Vögeln, Fledermäusen und vielen anderen Waldbewohnern ein neues Zuhause bietet. „Wir wollen diesen Wald behutsam in eine vielfältige Laubwald-Landschaft überführen“, erklärt Maßnahmen-Managerin Kerstin Haldan von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein. „Aus einem eher eintönigen Nadelholzforst entsteht ein vielfältiger Lebensraum.

“Sanfter Waldumbau: Von Fichtenforst zu lebendigem Mittelwald 

Der Wald südlich der Osterau besteht derzeit überwiegend aus Nadelbäumen. Doch zwischen den Fichten wachsen schon heute kleine Inseln aus heimischen Laubbaumarten wie Flattergras-Buchen, Erlen, Eschen und Linden. Diese wertvollen Bestände sollen erhalten und gezielt gefördert werden.  
Die Fichten werden dort nach und nach gefällt, damit Licht auf den Waldboden fällt und junge Laubbäume heranwachsen können. Entstehen soll ein traditionsreicher Mittelwald: Ein Wald, in dem einzeln große Stiel- und Traubeneichen stehen bleiben und richtig alt werden dürfen. Diese alten Baumriesen entwickeln mit der Zeit Höhlen, Rindentaschen, abgestorbene Äste – alles wertvolle Orte zum Leben für Spechte, Meisen, Fledermäuse, Käfer, Pilze und viele andere Waldarten. „Je älter die Bäume, desto mehr Leben zieht ein. Uralte Eichen und Linden bieten Höhlen und Brutplätze für Waldvögel, Rindentaschen für Fledermäuse, morsches Holz für Pilze und Käfer. Ein Baum, viele Lieblings-Lebensorte“, erklärt Haldan.

Zweistöckige Laubwald-Wohnungen 

Unter dem Blätterdach der mächtigen Uralt-Bäume wächst eine zweite Ebene: Sträucher und junge Bäume wie Hasel, Hainbuche, Bergulme – die regelmäßig herab geschnitten werden und dann wieder neu austreiben. So entsteht ein abwechslungsreiches Mosaik aus jüngeren, lichteren und älteren, dichten stehenden Bereichen. Ein Wald, in dem es an jeder Ecke anders aussieht – und in dem sich Schmetterlinge, Käfer, Waldvögel und lichtliebende Pflanzen wohlfühlen. Am südlichen Waldrand und entlang der Wege werden beerentragende Sträucher für Vögel und krautige, bunt blühende Arten, die von Frühjahr bis Herbst Nahrung für Insekten bieten.

Mini-Schnitzereien: Wie aus jungen Bäumen alte Baumwohnungen werden 

Um Arten, wie Fledermäusen und Höhlenbrütern schneller ein Zuhause zu bieten, modellieren erfahrene Baumpfleger*innen in die vergleichsweise jungen Bäume Höhlen, Spalten und „Blitz-Rinnen“, wie nach einem Blitzeinschlag. So wird die natürliche Alterung nachgeahmt – die Bäume bleiben vital, bieten aber schon früh Nischen für Tiere. 
Erst ziehen Vögel und Fledermäuse ein, später besiedeln Pilze das Holz. Sie zersetzen es langsam – und schaffen so wiederum Nahrungsgrundlagen für spezialisierte Insekten. Ein kleiner Eingriff, der eine ganze Lebenskette auslöst.

Mehr Wasser fürs Osterau-Tal – und ein neuer Auenwald 

Im Talbereich der Osterau sucht die Ausgleichsagentur nach alten Drainagen. Werden sie entfernt, kann das Wasser nach Regen häufiger stehen bleiben – so wie es natürlicherweise wäre. Dort entsteht später ein kleiner Auwald aus Flatterulmen, die bei Insekten auch sehr beliebt sind.

Hintergrund: Kompensation mit Zukunft – das Ökokonto der Stiftung

Die Maßnahme ist Teil des Ökokontos der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
Ein solches Konto ermöglicht es, Eingriffe in Natur und Landschaft auszugleichen – indem an anderer Stelle hochwertige Lebensräume aufgewertet oder neu geschaffen werden. Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein plant, realisiert und pflegt die Maßnahmen dauerhaft. 

Die praktische Umsetzung vor Ort erfolgt durch die Firma silvaconcept, die Projektleitung liegt bei Kerstin Haldan von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein.