Wie gelingt Naturschutz im Schulterschluss mit Landwirtschaft, Politik und Regionen? Darüber tauschten sich jetzt das Vorstands-Duo der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Dr. Juliane Rumpf und Ute Ojowski mit den Spitzen des Landwirtschaftsministeriums und der neuen Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg aus.
Im Mittelpunkt des Treffens: die Arbeit, Ziele und Perspektiven der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und die Fragen, wie sich Biodiversitäts- und -Klimaziele unter Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Ziele gemeinsam wirksam umsetzen lassen.
„Naturschutz und Landwirtschaft stehen nicht gegeneinander – sie tragen gemeinsam Verantwortung für unsere Landschaften“, sagt Ute Ojowski, geschäftsführender Vorstand der Stiftung. „Wir sichern Flächen dauerhaft für die Natur und entwickeln sie weiter. Gleichzeitig setzen wir auf Kooperationen mit der Landwirtschaft, Innovation und regionale Partnerschaften. Wenn wir Moore wieder vernässen, Arten schützen und Betriebe einbinden, entsteht eine Win-Win-Situation für Klima, Biodiversität und Menschen im Land.“
40.000 Hektar Zukunft
Als eine der größten Naturschutzstiftungen Deutschlands sichert die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein seit knapp 50 Jahre wertvolle Naturflächen im ganzen Land. Heute betreuen die rund 120 Köpfe rund 40.000 Hektar – darunter etwa 300 Schutzgebiete. Diese Wiesen und Weiden, Wälder und Moore, Küsten und die kleinen Oasen im Binnenland sind oftmals letzte Rückzugsorte für bedrohte Arten und bilden eine grüne Infrastruktur, die Schleswig-Holstein widerstandsfähiger gegenüber Klimawandel und Artenverlust macht.
Denn die Lage ist ernst: Rund 48 Prozent der Tier- und Pflanzenarten im Land gelten als gefährdet. Umso wichtiger sind große, vernetzte Lebensräume, von artenreichen Wiesen über nasse, intakte Moore, naturnahe Wälder und Küstenlandschaften.
Moore als Klimaschützer von morgen
Ein Schwerpunkt der Arbeit der Stiftung ist der Moor- und Klimaschutz. Seit 2011 konnten bereits 2609 Hektar Moorflächen wiedervernässt werden. Bis 2030 sollen jährlich bis zu 700.000 Tonnen CO2-Äquvivalente durch Moorvernässung eingespart werden – zusätzlich rund 12.500 Tonnen durch Naturwald-Neubildung. „Moore sind stille Giganten des Klimaschutzes. Werden sie wiedervernässt, speichern sie dauerhaft Kohlenstoff und werden vom Klimakiller zum Klimaschützer“, betont Ojowski.
Artenschutz, der wirkt
Dass konsequenter Naturschutz messbare Erfolge bringt, zeigen unsere Artenschutzprogramme: Der Gefährdungsstatus von Rotbauchunke, Kammmolch und Moorfrosch verbessern. Auch Küstenvögel wie Fluss- und Zwergseeschwalben finden auf Stiftungsflächen wieder sichere Brutplätze. Artenschutz heißt: Lebensräume groß denken, regional handeln und langfristig sichern.
Vernetzung von Landwirtschaft und Regionen
Ein besonderer Fokus des Austauschs lag auf der engen Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben – rund 1.300 Pächter*innen bewirtschaften das Stiftungsland – und regionalen Akteur*innen. Mit lokalen Büros im ganzen Land, praxisnahen Kooperationen und innovativen Ansätzen – etwa der Nutzung von Moorbiomasse als nachhaltige Einkommensalternative – setzt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein auf Dialog, Partnerschaft und regionale Wertschöpfung.

