Große Bagger mit monströsen Greifarmen und Harken rollen in den kommenden Tagen durch die Strandseelandschaft Schmoel zwischen den Gemeinden Schwartbuk und Stakendorf im Kreis Plön. Was auf den ersten Blick nach schwerem Eingriff aussieht, dient einem behutsamen Ziel: Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein macht eine der artenreichsten Strandseelandschaften an der Ostseeküste wieder lebendig und vielfältig.
Auf rund 15 Hektar haben sich in den vergangenen Jahren Büsche und Bäume wie Weißdorn, Schlehe, Weide und Erle stark ausgebreitet. Sie nehmen lichtliebenden Küstenpflanzen den Raum – und verändern Schritt für Schritt den Charakter der Landschaft. „Wir entfernen die Büsche und Bäume nur auf einer Teilfläche von etwa drei Hektar, und eben nur dort, wo sie seltenen Pflanzen und Tieren das Licht, die Luft und den Platz zum Leben nehmen“, erklärt Eike Feddersen, Maßnahmen-Managerin bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „So bleibt die Strandseelandschaft als Lebens-Mosaik aus Wiesen, Teichen und Strandseen erhalten.“
Ein Mosaik aus Salzwiesen, Süßwasser und Wiesen
Diese Landschaft ist einzigartig und ein echtes Natur-Schmuckstück: am westlichen Rand spült die Ostsee immer wieder Salzwasser über den Kieselstein-Strand bis in die seltenen Salzgraswiesen. Dazwischen liegen Strandseen, kleine Teiche und feuchte Senken – ideale Bedingungen für Wat- und Wasservögel, Frösche, Kröten und spezialisierte Küstenpflanzen.
Durch die Pflegearbeiten entsteht wieder Raum für dieses bunte Zusammenspiel. Seltene Salzgraswiesen können sich ausbreiten, und auch artenarmes Grünland wird gezielt aufgewertet: Eine samenreife Wiesenmargeriten-Wiese im nahegelegenen Darry wird gemäht, das Mahdgut anschließend nach Schmoel gebracht und dort ausgebracht – eine natürliche Starthilfe – eine Art Samenspende – für eine blütenreiche Wiese.
Neue Kinderzimmer für Kreuzkröten und Seeschwalben
Auch die Teichlandschaft wird in den kommenden Monaten weiterentwickelt. Sie soll der europaweit streng geschützten Kreuzkröte künftig wieder bessere Bedingungen bieten. Später im Jahr ist geplant, junge Kreuzkröten aus der Aufzuchtstation in dem Gebiet auszusetzen.
Im Frühjahr folgen weitere Maßnahmen: Drei neue Brutflösse werden in den Strandseen verankert. Sie dienen als sichere Brutplätze für Flussseeschwalben und andere seltene Wasservögel – geschützt vor Störungen und Fressfeinden wie Fuchs, Marderhund oder auch Möwen.
Zusätzlich entsteht auf einer bislang isolierten Weidefläche eine bunte Insektenwiese mit Pflanzen wie Weißem Labkraut, Schafgarbe und Hornklee. Sie bietet Nahrung für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten – und damit auch für viele Vogelarten.
Pflege mit Augenmaß
Alle Maßnahmen sind sorgfältig geplant und aufeinander abgestimmt. Ziel ist es nicht, die Landschaft zu verändern, sondern ihren ursprünglichen, offenen Küstencharakter zu bewahren. „Manchmal braucht es große Maschinen, um kleine empfindliche Lebensräume zu erhalten“, sagt Feddersen. „Unsere Aufgabe ist es, der Natur genau den Raum zurückzugeben, den sie hier braucht.“
