Ein Mann leert einen Eimer voller kleiner Rotbauch Unken am Rand eine beachsenen Gewässers aus.

Kleine Unken, große Hoffnung

1.000 kleine Rotbauchunken finden im Kreis Plön ein neues Zuhause.

Sie sind kaum größer als ein Fingernagel, tragen aber schon ihr auffälliges Markenzeichen: einen leuchtend rot-gefleckten Bauch. Rund 1.000 kleine Rotbauchunken werden heute im Stiftungsland Lütjensee-Hochfelder See zwischen Kirchbarkau und Warnau im Kreis Plön in die Freiheit entlassen. Und wie meist bei solchen Aussetz-Aktionen, können die kleinen Unken es kaum erwarten aus den langweiligen Transport-Eimern in die aufregende Wildnis entlassen zu werden. Für die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ist dies mehr als eine Aussetzung – es ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Rückkehr und Ausbreitung einer sehr seltenen Amphibienart. 

Die Rotbauchunke ruft wieder im Stiftungsland Lütjensee-Hochfelder See

Die Rotbauchunke gehört zu den europaweit streng geschützten Arten und gilt in Schleswig-Holstein als stark gefährdet. Wo ihr charakteristischer, dumpfer und fast schon melancholischer „Uh-uh-uh“-Ruf früher vielerorts zu hören war, ist es heute still geworden und die Unke selten. Mit dem Projekt soll die Art dauerhaft in einem Gebiet angesiedelt werden, das ideale Bedingungen bietet: zahlreiche flache Teiche und Tümpel, feuchte, wildbunte Wiesen, Bruchwälder und störungsarme Rückzugsräume.

Von der Unken-Kita in die Wildnis

„Die Rotbauchunke braucht einen Mix aus verschiedenen Wasserflächen, Land und Wildnis. Genau solche Lebensräume haben wir hier in den vergangenen Jahren geschaffen“, sagt Hauke Drews, seit über 20 Jahren als Maßnahmen-Manager der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein für den Erhalt der Rotbauchunke im Einsatz. Der Laich der jetzt ausgesetzten jungen Unken stammt aus dem Stiftungsland Kührener Teiche und aus Gewässern bei Ascheberg. In einer speziellen Aufzuchtstation wurden sie von der Kaulquappe bis zum Jungtier großgezogen. Anschließend werden sie schrittweise in die vorbereiteten Lebensräume entlassen.

Das Aussetzungsprojekt läuft über vier Jahre von 2024 bis 2027 und befindet sich aktuell im dritten von vier Projektjahren. Ziel ist es, eine dauerhaft überlebensfähige Population aufzubauen und gleichzeitig die genetische Vielfalt der Art in Schleswig-Holstein zu sichern. 

Wenn Tümpel wieder zu Kinderstuben werden

Die Voraussetzungen dafür sind vielversprechend: im Naturschutzgebiet Lütjensee-Hochfelder See wurde bereits 28 neue Tümpel und Teiche und Überflutungsflächen mit zusammen mehr als fünf Hektar Wasserfläche geschaffen. Von diesen Maßnahmen profitiert bereits der Laubfrosch. Seine Bestände haben sich dort in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt und es quakt in der Dämmerung wieder laut und deutlich aus dem Naturschutzgebiet.

„Naturschutz braucht mitunter einen langen Atem“, sagt Drews. Umso erfreulicher sei es, wenn erste Erfolge schon nach wenigen Jahren hörbar würden. Künftig könne der Ruf der Rotbauchunke wieder selbstverständlich zur Klangkulisse dieser Landschaft gehören, ergänzt er.´

Ein alter Klang kehrt zurück

Die Art kam in den 1950er Jahren noch südlich von Kiel und im Raum Schwentinental vor. Mit der Wiederansiedlung zwischen Warnau und Kirchbarkau wird nun versucht das Verbreitungsgebiet der Rotbauchunke am westlichen Rand ihres Vorkommens wieder zu stärken und einen neuen Ausgangspunkt für die natürliche Ausbreitung zu schaffen.

Das Projekt wird unterstützt durch: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein mit dem EU-Programm „Förderung der ländlichen Entwicklung durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ (ELER).