„Wir müssen beim Moorschutz schneller vorankommen – und dafür brauchen wir die Landwirtschaft“, bringt Dr. Juliane Rumpf, ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, es bei der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung von Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Bauernverband Schleswig-Holstein auf den Punkt. Beide Partner wollen künftig enger und vertrauensvoller zusammenarbeiten, um praxistaugliche Lösungen für mehr Moor- und Klimaschutz zu entwickeln – mit wirtschaftlichen Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe und einer schnelleren Umsetzung vor Ort.
Die Herausforderung ist groß: Entwässerte Moorböden setzen große Mengen gespeicherten Kohlenstoffs als Treibhausgase frei. Zugleich sind diese Flächen vielerorts Teil landwirtschaftlicher Betriebe und ihrer wirtschaftlichen Grundlage. Mehr Moorschutz kann deshalb nur gelingen, wenn Klimaschutz, Wasserwirtschaft und Landwirtschaft gemeinsam gedacht werden. „Landwirtinnen und Landwirte kennen ihre Flächen, die Wasserverhältnisse und ihre Region. Wenn wir dieses Wissen mit unserer langjährigen Erfahrung aus dem praktischen Moorschutz zusammenbringen, entstehen Lösungen, die Natur und Klima helfen und zugleich Perspektiven für die Landwirtschaft eröffnen“, ergänzt Rumpf.
Freiwilligkeit als gemeinsame Grundlage
Ein zentraler Punkt der Vereinbarung ist die Freiwilligkeit. Landwirtschaftliche Betriebe sollen attraktive Möglichkeiten erhalten, sich am Moorschutz zu beteiligen – etwa durch neue Bewirtschaftungsformen und Wertschöpfungsketten, angepasstes Wasserstands-Management und geeignete Förderinstrumente. Wie solche Lösungen praktisch aussehen können, zeigen bereits mehrere Projekte im Land: die „Klimafarm“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in der Eider-Treene-Sorge-Niederung, das geplante „Leuchtturmprojekt zur Entwicklung der Eider-Treene-Sorge-Region“ der ETS GmbH und das landwirtschaftliche Projekt „UMZOG“ im Oldenburger Graben. Forschung und ergebnisoffenes Monitoring sollen zeigen, welche Ansätze ökologisch wirksam, praktisch umsetzbar und für landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich tragfähig sind.
Vom Dialog in die Praxis
Die gemeinsame Erklärung knüpft an den Dialogprozess „Zukunft der Landwirtschaft“ des Landes Schleswig-Holstein an. Bauernverband und Stiftung Naturschutz wollen bestehende Netzwerke vor Ort stärker miteinander verbinden und Erfahrungen aus Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz zusammenführen.
Dabei geht es nicht um eine einzige Lösung für das ganze Land. Moorregionen unterscheiden sich ebenso wie landwirtschaftliche Betriebe, Wasserverhältnisse und Nutzungsmöglichkeiten. Gefragt sind deshalb regionale und lokale Konzepte, die zu den jeweiligen Bedingungen vor Ort passen.
„Wir werden nicht bei jedem Detail immer derselben Meinung sein“, sagt Ute Ojowski, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Aber wir haben ein gemeinsames Interesse daran, dass unsere Moorlandschaften und die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein eine Zukunft haben. Genau deshalb ist es wichtig, miteinander Lösungen zu entwickeln, statt übereinander zu reden.“
Für mehr Moor- und Klimaschutz und eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Schleswig-Holstein.

