Flammen über Fehmarn

Was bedrohlich aussieht ist eine Naturschutzmaßnahme nach skandinavischem Vorbild: das Landreitgras-Brennen

Das gab es noch: an diesem Sonntag, 22. März 2026 flammt es auf über der nördlichen Seeniederung der Insel Fehmarn. Was bedrohlich aussieht, ist allerdings ein Pilotprojekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt. Zum ersten Mal wagt Biologe Hauke Drews den Versuch das Landreitgras (Calamagrostis epigeios) bis auf die Bodenoberfläche niederzubrennen. „Diese Grasart hat die Eigenschaft ganze Weideflächen zu überwuchern, da es sehr schnell und sehr dicht und hochwächst, da kommen selbst die immer-hungrigen Rinder nicht mehr gegen an“, erklärt Drews. Die Gefahr, dass aufgrund der starken Wüchsigkeit hier ein wertvolles und seltenes Trockenrasenbiotop verloren gehe, sei zu groß. „Deshalb wagen wir diesen Brennversuch, der in Schweden schon seit mehreren Jahren praktiziert wird“, so Drews weiter.

Wenn das kontrollierte Abbrennen der Landreitgras-Bestände auf Fehmarn funktioniert, treibt das Junggras relativ schnell neu aus und die Rinder können dort wieder für den Naturschutz fressen. „Während sie das Altgras schlicht nicht mehr fressen können, da sie es nicht schaffen es mit der Zunge auszureißen, kauen sie das Junggras dann wieder fleißig weg und sorgen so dafür, dass diese für den Naturschutz wertvollen Weideflächen erhalten, bleiben“, hofft Drews.

Für das Abbrennen haben Drews und sein Team einen Brenner mit Flüssiggas dabei, das bis zu 1200 Grad heiß wird. „Diesen Brenner setzen Dachdecker normalerweise beim Verschweißen von Flachdächern – sogenannte Bitumenschweißbahnen – ein. Wir hoffen, dass es auch beim Abbrennen vom widerstandsfähigen Landreitgras funktioniert."