Blau-grünes Mosaik im Dänischen Wohld

Neue Teiche sichern die genetische Vielfalt der Rotbauchunken

Ein großer Bagger buddelt derzeit auf rund 20 Hektar im Stiftungsland Dänischer Wohld bei Dänisch Nienhof ein Mosaik aus Teichen und Tümpeln für die stark bedrohten Rotbauchunken. Diese Amphibienart mit dem signalroten Bauch ist in Schleswig‑Holstein stark bedroht, die Population in Dänisch Nienwohld ist zudem die westlichste des Landes. Das Besondere dort: Hier kommt eine lokale Erbvariante vor – ein besonderer Genotyp, der sich signifikant von anderen Populationen unterscheidet. Der Erhalt dieser genetischen Besonderheit ist deshalb besonders wichtig, damit die Art als Ganzes ihre genetische Vielfalt nicht verliert.

Nach 20 Jahren kehren die Rotbauchunken in ihre alten Teiche zurück

„Als wir hier Anfang der 2000er zur Flächensichtung waren, quakten statt der erwarteten 30 Männchen gerade mal drei Exemplare“, erinnert sich Amphibienretter Hauke Drews von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Zum Glück konnten sie ein paar Eier absammeln, aufziehen und in einem geeigneten Nachbargebiet auswildern, so Drews weiter. Jetzt wird die Landschaft dort mit Hilfe des Baggers wieder in einen Rotbauchunken-Lebensraum zurück verwandelt. „Die Unken können also nach 20 Jahren im Exil endlich wieder zurück in ihre alte Heimat“, freut sich Drews, der seit knapp 30 Jahren für die Rettung der Rotbauchunken und ihren verwandten Amphibien überall im Land kämpft.

Ein Mosaik aus Teichen und Wiesen

Acht neue Teiche werden angelegt, vier zugeschüttete Gewässer wiederhergestellt und zwei bestehende saniert. Diese Vielzahl an Kleingewässern schafft ein breites Spektrum an Lebensräumen: flache, sonnige Uferzonen, etwas tiefere Teiche und feuchte Senken – ein Mosaik, das je nach Jahresverlauf unterschiedliche Laichbedingungen bietet. Zusätzlich sorgen Drews und sein Team dafür, dass das Wasser nach ergiebigen Regenfällen länger auf der Fläche bleibt und insbesondere die Winterniederschläge in den Tiefen Bereichen bis zum Sommer bleiben – so erschaffen sie perfekte Laichbedingungen für die anspruchsvolle Rotbauchunke.

Eine kleine Spezialistin mit besonderen Wünschen

Sie braucht ein fein abgestuftes Angebot an Gewässertypen, sodass sie je nach Witterung (Windrichtung, Niederschlagsmenge oder Temperatur) geeignete Laichplätze finden kann. Unken laichen in zwei Zeiträumen. Zuerst Anfang Mai und ein weiteres Mal gegen Ende Mai, jeweils in Schönwetterperioden nach Regenfällen. Die Tiere nutzen dabei unterschiedliche Laichsubstrate, um die kurze Ei-Schnur in 20 cm Tiefe an senkrechte Halme zu wickeln.

Rund um die Teiche verwandeln Drews und sein Team den Acker in eine wildbunte Wiesenlandschaft. Davon profitieren dann auch Wiesenvögel (z.B. die Feldlerche); Insekten und Pflanzen. Um die Teiche langfristig offen zu halten und die Wiesen frei von Büschen zu halten, werden dort Ziegen weiden.

Umsetzung

Die Bauarbeiten im Auftrag der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein – eine 100-prozentige Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein – begannen am 10. Februar und werden im März fertiggestellt. Die biologische Baubegleitung übernimmt Amphi Consult Germany. Das ausführende Tiefbauunternehmen ist Dennis Brehmer. Vor Ort koordinieren Hauke Drews (Stiftung Naturschutz, Bauleitung), Jan Hellwig (Ausgleichsagentur, Maßnahmenmanager) und Ralf Hoinkis (Amphi Consult, biologische Baubegleitung) die Arbeiten.

Hintergrund: Kompensation mit Zukunft – das Ökokonto der Stiftung

Die Maßnahme ist Bestandteil der Einrichtung eines Ökokontos der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Ein solches Konto ermöglicht es, Eingriffe in Natur und Landschaft auszugleichen, indem an anderer Stelle hochwertige Lebensräume aufgewertet oder neu geschaffen werden. Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein plant, realisiert und pflegt die Maßnahmen dauerhaft.