Sechs Wochen liegt das diesjährige Wacken Open Air bereits zurück. Was viele Heavy-Metal-Fans jedoch nicht vergessen haben dürften: Der allgegenwärtige Matsch auf dem „Holy Ground“. Was für die einen längst dazugehört, löst bei anderen weniger Begeisterung aus.
Dieses Jahr gab es im Kampf gegen den oft knöcheltiefen Schlamm einen nachhaltigen Lösungsversuch: eine Teststrecke aus Hackschnitzel und Bodenschutzmatten aus Moor-Materialien. Auf diese Weise sollte der Boden stabil und begehbar bleiben. Den Rohstoff für die Matten lieferte das Projekt Klimafarm der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, das die landwirtschaftliche Nutzung wiedervernässter Moorflächen erprobt.
Der Versuch hatte eine bundesweite Strahlkraft: Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) und Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (GRÜNE) kamen vorbei. Doch wie haben die Matten die enorme Belastung tausender Füße standgehalten? Das Wacken Open Air und das Klimafarm-Projekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ziehen Bilanz und sind mehr als zufrieden.
Die Matten haben gehalten
„Wegen des intensiven Regens in diesem Jahr war das Festival eine echte Herausforderung für uns als Veranstalter“, resümiert Insa Trede, die Nachhaltigkeitsmanagerin des Wacken Open Air. „Umso erfreulicher war es zu sehen, dass die Paludi-Matten gehalten haben. Sie stabilisieren den Untergrund, verbessern die Begehbarkeit auch bei schwierigen Bedingungen und bringen gleichzeitig einen ökologischen Mehrwert“, führt Trede fort. „Damit stellen sie eine zukunftsweisende Lösung für Großveranstaltungen auf weichem Gelände dar, im Einklang mit Umwelt und Klima."
Auch das Team der Klimafarm, das über die ganze Festival-Woche vor Ort war, ist überzeugt vom Ergebnis der Kooperation. „Bis zum Schluss blieb der Testweg stabil und weitgehend trocken. Selbst die wenigen Stellen, an denen etwas Matsch hindurch kam, waren problemlos und ohne Einsinken begehbar“, sagt Dr. Elena Zydek, die Leiterin des Klimafarm-Projekts. „Die Wacken-Besucher*innen waren begeistert von unserem Projekt und ihren trockenen Füßen dank der Matten“, freut sich Zydek.
Die Bodenschutzmatte wurde vom Projekt gemeinsam mit den Unternehmen re-Natur, Schierbecker und mst-Grünfix entwickelt und produziert. Sie besteht hauptsächlich aus sogenanntem Paludimaterial, also den abgemähten Pflanzen aus wiedervernässten Mooren und wird durch Jutegarn zusammengehalten. Eigens für den Festival-Härtetest wurde ein stärkendes Kokosgewebe hinzugefügt. Die Partnerunternehmen arbeiten bereits an einer nachhaltigen Lösung ohne den importierten Palmen-Rohstoff.
Dort ist man ebenfalls von den Matten überzeugt. „Wir entwickeln mit großer Leidenschaft Produkte für das Projekt Klimafarm, um die heimische Landwirtschaft zu stärken. Der erfolgreiche Mattentest ist ein tolles Beispiel“, sagt Malena Rohwer, Produktentwicklerin bei der Firma Schierbecker.
So geht’s weiter
Schon während des Festivals gab es zahlreiche Anfragen von Veranstalter*innen anderer Events, die sich für die erfolgreiche Anti-Matsch-Maßnahme interessierten. „Wir sind zuversichtlich, dass daraus weitere handfeste Kooperationen entstehen. Eines unserer Projektziele ist es schließlich, Wertschöpfung für den Paludi-Rohstoff aus wiedervernässten Mooren aufzubauen“, so Projektleiterin Zydek.




