Aus einheitsgrüner Wiese wird blütenbunter Weidewald

Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein entwickelt „Herr der Ringe“-Landschaft im Stiftungsland Jerrishoe

Dort wo bis vor einer Woche noch einheitsgrünes Weidegras wuchs, entsteht jetzt ein vielfältiger Lebensraum. Mitten im Stiftungsland Jerrishoe nur einen Steinwurf vom Modellflugplatz entfernt im Kreis Schleswig-Flensburg entwickelt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Stück für Stück eine rund zehn Hektar große Fläche wieder zu einem sogenannten Hudewald weiter – einer alten, fast vergessenen Kulturlandschaft aus lichten Bauminseln, Weideflächen und wildblühenden Wiesen.

Das Ziel: ein lebendiger Übergangsbereich zwischen Wald und offener Landschaft von dem viele Tier- und Pflanzenarten profitieren. „Die Bauernwälder von einst sind so dicht bewachsen und dunkel geworden, dass dort kaum noch Schmetterlinge zu Hause sind, weil sie keine Blüten mehr am Boden finden. Solche Übergangszonen, wie wir sie hier jetzt schaffen, gehören zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt“, erklärt Hauke Drews, Projektleiter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Hier treffen unterschiedliche Strukturen – Sonne und Schatten, trockene und feuchte Bereiche, Büsche, Bäume und die offene Weidelandschaft. Genau diese Vielfalt schafft Platz für viele spezialisierte Arten.“

Kleine Inseln, große Vielfalt

Herzstück des Projekts sind 25 neue Bauminseln, die über die Fläche verteilt gepflanzt werden. Jede dieser Inseln ist etwa 20 mal 20 Meter groß und wird zunächst für etwa 15 Jahre mit einem Stacheldrahtzaun vor hungrigen Rindern gesichert.

Gepflanzt werden rund 500 Eichen umgeben von Plastikröhren als Fraßschutz, sowie fruchttragende Sträucher wie Hasel, Weißdorn, Pfaffenhütchen, Schlehe und Hundsrose. Sie bieten Vögeln Nahrung und bilden langfristig strukturreiche Miniwälder.

Zwischen den Busch- und Bauminseln bleibt das Land weiterhin Weideland. Durch diese Mischung aus Bäumen, Sträuchern und offenen Bereichen entstehen warme, windgeschützte Sonnenplätze, ebenso wie kühlere, schattige Bereiche. Gleichzeitig wird das Grünland aufgewertet, damit sich dort mehr heimische Blütenpflanzen ansiedeln können. Das schafft ein reiches Nahrungsangebot für Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und Hummeln.

Ein Projekt dank privater Unterstützung

Die Umsetzung des Projekts wird durch eine private Spende ermöglicht. Der Spender möchte damit konkret zur Entwicklung neuer Lebensräume im Stiftungsland beitragen.

Wenn sich Bäume, Blütenwiesen und kleine Wasserflächen in den kommenden Jahren entwickeln, entsteht im Stiftungsland Jerrishoe Schritt für Schritt ein Landschaftstyp, der früher vielerorts in Norddeutschland verbreitet war: ein Hudewald ein offener Wald der zugleich Weideland, Insektenparadies und Rückzugsraum für seltene Arten ist.