Regenwetter konnte das Interesse nicht trüben: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der Klimaleitstelle der Hansestadt Lübeck zu einem informativen Abendspaziergang durch das Energiequartier Marli. Gemeinsam mit der ZEBAU GmbH, dem Projekt Blütenbunt-Insektenreich der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und dem Verein Hanse-Obst e.V. wurde anschaulich gezeigt, wie naturnahe Begrünung und Klimaanpassung in einem Wohnquartier gelingen können.
Startpunkt des Rundgangs war an der Albert-Schweitzer-Straße / Ecke Besenkamp. Dort begann eine Tour durch das Quartier, das sich durch zahlreiche neue Blühflächen, Obstbäume und naturnahe Staudenbeete verändert hat. Antje Walter vom Projekt Blütenbunt-Insektenreich berichtete über die insgesamt 18 Blühwiesen und zwei Staudenbeete, die seit dem Herbst 2024 entstanden sind. Sie zeigte sich beeindruckt, wie die Flächen sich seither entwickelt haben – trotz des durchwachsenen Wetters konnten die Teilnehmenden zahlreiche blühende Arten entdecken, darunter Färberkamille, Wilde Karde, Schafgarbe, Mohn und verschiedene Gräser.
Walter betonte zudem, dass gerade diese Wiesen wertvolle Klimaretter seien: Sie verbessern das Mikroklima, speichern Wasser, bieten Lebensraum für Insekten und tragen dazu bei, CO₂ zu binden – und das mitten im Wohngebiet.
Auch Heinz Egleder vom Verein Hanse-Obst e.V. trug zum fachlichen Austausch bei und hob die Rolle von heimischen Obstbäumen für Boden und Klima hervor. Besonders Birnenbäume, so Egleder, leisten durch ihre tiefen Wurzeln einen wichtigen Beitrag zur Auflockerung verdichteter Böden, Reduzierung von Erosion und Wasserspeicherung im Erdreich – ein natürlicher Beitrag zur Klimaanpassung, der oft unterschätzt wird.
Ein weiteres starkes Zeichen: Alle Flächen befinden sich im Eigentum und in der Pflege von vier großen Wohnungsbaugenossenschaften, die damit neue Wege in der Gestaltung und Nutzung ihrer Außenanlagen gehen – und ihre Mieterinnen und Mieter aktiv über die Entwicklungen informieren.
Das Projekt ist Teil des Sanierungsmanagements der Hansestadt Lübeck und zeigt beispielhaft, wie Naturschutz, Klimaanpassung und bürgerschaftliches Engagement Hand in Hand gehen können. Trotz des Regens nutzten viele Gäste die Gelegenheit, mit den Fachleuten ins Gespräch zu kommen und neue Perspektiven auf ihr Quartier zu gewinnen.


