Zwischen Moor, Mitternacht und der Frage nach dem Becher

Löcher stopfen, Politik gestalten und über Henkel diskutieren – eine ganz normale FÖJ-Woche.

Geneigte Leserschaft,

nach den politischen Großereignissen der vergangenen Wochen kehrte in den ersten Tagen des März zunächst so etwas wie Ruhe ein – wobei „Ruhe“ im FÖJ bekanntlich ein dehnbarer Begriff ist. Denn selbst eine vergleichsweise entspannte Woche schafft es mühelos, Moorarbeit, philosophische Grundsatzdebatten und bundespolitische Diskussionen miteinander zu verbinden.

Der Wochenbeginn verlief dabei ungewohnt unspektakulär. Am Montag stand ursprünglich der Aufbau eines Amphibienzauns auf dem Programm, doch sowohl Anna als auch meine Wenigkeit mussten privatbedingt absagen. Währenddessen befand sich Kira auf dem Planungstreffen für das kommende Segelseminar der beiden.
So blieb der Montag erstaunlich ereignisarm – ein Zustand, der im weiteren Verlauf der Woche selbstverständlich gründlich korrigiert werden sollte.

Am Dienstag verschlug es uns teilweise nach Dithmarschen, wo klassische körperliche Arbeit auf dem Plan stand. Unter anderem hackten wir alten Pfahl klein, verluden das Holz in einen Anhänger, entsorgten diverse Überreste vergangener Einsätze und stopften Löcher im Boden.
Kurzum: genau jene Art von Tätigkeit, bei der man am Ende des Tages zwar nicht immer erklären kann, was man eigentlich getan hat, aber dennoch sehr sicher ist, gearbeitet zu haben.

Der Mittwoch führte Kira und mich schließlich wieder hinaus ins Moor. Während wir unsere reguläre Moortour absolvierten, entwickelte sich unterwegs eine Diskussion von erstaunlicher gesellschaftlicher Tragweite: Was genau unterscheidet eigentlich eine Tasse von einem Becher?
Die Debatte war ursprünglich von Theresa und Ole aus unserer Seminargruppe angestoßen worden, hatte sich inzwischen jedoch zu einer regelrechten Grundsatzfrage entwickelt.
Ist ein Henkel zwingend notwendig? Gibt es eine bestimmte Form? Ab wann wird ein Becher zur Tasse – oder umgekehrt?
Man mag meinen, solche Fragen ließen sich schnell beantworten, doch weit gefehlt. Die Diskussion wurde mit einer Ernsthaftigkeit geführt, die sonst eher politischen Talkshows vorbehalten ist, und blieb letztlich ohne endgültiges Ergebnis.
Das Moor selbst zeigte sich davon allerdings weitgehend unbeeindruckt.

Am Donnerstag machte ich mich schließlich auf den Weg nach Berlin, denn die zweite Bundesdelegiertenkonferenz stand bevor.
Ziel dieser zweiten BDK war die Verabschiedung des Positionspapiers des FÖJ – jenes Dokument also, mit dem wir Bundessprecher*innen das FÖJ künftig bei politischen Veranstaltungen, Gesprächen und Terminen vertreten werden.
Gemeinsam mit den vier anderen Bundessprechis hatte ich bereits im Vorfeld eine ausführliche Rohfassung vorbereitet, die nun gemeinsam diskutiert, ergänzt und verabschiedet werden sollte.

Die Konferenz selbst war dabei gefüllt mit allerlei politischen Inhalten. Passend zum feministischen Kampftag, der auf dieses Wochenende fiel, wurde unter anderem ein Feminismus-Workshop angeboten, der auf reges Interesse stieß.
Darüber hinaus hatten wir einen Referenten eingeladen, der mit uns einen Workshop über gewaltfreie Kommunikation und demokratisches Diskutieren durchführte – ein Thema, das sich spätestens bei längeren politischen Debatten durchaus als sinnvoll erweist.

Der eigentliche Höhepunkt war allerdings die intensive Diskussion über die einzelnen Punkte des Positionspapiers.
Es wurde formuliert, umgeschrieben, ergänzt, kritisiert und verteidigt. Manche Absätze entwickelten eine beinahe erstaunliche Widerstandskraft gegenüber Einigungsversuchen, andere wurden schneller beschlossen als erwartet.
Die Diskussionen waren hitzig, aber produktiv, und obwohl die Kräfte gegen Ende des Tages sichtbar schwanden, gelang es uns tatsächlich, das gesamte Papier noch kurz vor Mitternacht fertigzustellen.
Ein Moment kollektiver Erleichterung, wie er vermutlich nur entsteht, wenn viele politisch motivierte junge Menschen stundenlang über Formulierungen debattiert haben.

So endete eine Woche, die zwar ruhiger begann, letztlich jedoch wieder einmal eindrucksvoll bewies, wie vielseitig ein FÖJ-Alltag sein kann.
Zwischen Moorarbeit, philosophischen Becherfragen und bundespolitischen Diskussionen blieb kaum Zeit zum Durchatmen – dafür allerdings umso mehr Stoff für Erinnerungen.

Und mit diesen Eindrücken entlasse ich Sie nun zurück in Ihren Alltag.
Mögen Ihre Diskussionen mindestens genauso spannend verlaufen wie unsere Debatten über Geschirrdefinitionen.

Auf bald!

Haiku der Woche:

Moorwind zieht vorbei,
Tasse oder doch Becher?
Niemand weiß es ganz.