Verehrte Leserschaft,
Diese Woche führte uns an die Küste, mitten in Baustellen, Naturschutzgebiete und dichten Morgennebel – und bescherte uns mehr spannende Außeneinsätze, als wir erwartet hatten. Hört gerne, was ich Euch zu berichten habe!
Am Montag geschah leider nichts Besonderes, was die Neugier unserer Leserschaft wecken könnte. Deshalb lassen wir diesen Tag einfach aus und steigen am Dienstag ein!
Da durften wir nämlich Hauke begleiten, der der aufmerksamen Leserschaft bestimmt schon aus vielen tollen Außeneinsätzen bekannt vorkommen dürfte! Wir reisten zusammen zu einer Baustelle in Dänisch-Nienhof. Auf der Fläche wurden Maßnahmen für den Amphibienschutz eingeleitet, zum Beispiel Teiche angelegt, die verschiedensten Amphibienarten ein Zuhause geben sollten.
Dänisch-Nienhof ist ein sehr schönes Gebiet direkt am Meer. Das Beste ist in meinen Augen das Zusammenspiel aus grün leuchtendem Wald, mit Vogelgezwitscher und Sonnensprenkeln, während ganz hinten das Blau des Meeres durchschimmert. In meiner Heimat NRW bin ich nur den Wald gewohnt, aber Meer und Wald im Einklang, das finde ich jedes Mal aufs Neue wunderschön! Einen Spaziergang durch den Wald an den Steilklippen durch das Stiftungsgebiet kann ich auf jeden Fall empfehlen.
An dem Tag bekamen wir diese Seite des Gebiets leider nicht zu sehen, sondern wir waren etwas weiter entfernt von der Küste, das Meer war nicht in Sichtweite. Und das war auch gar nicht möglich aufgrund des unglaublich dichten Seenebels, der sich an dem Morgen über die Landschaft gesenkt hatte. Das Einzige, was in mir den Verdacht weckte, dass wir uns tatsächlich nah am Meer befanden, war das regelmäßige dumpfe Dröhnen von Schiffshörnern, die durch den Nebel zu uns drangen, zusammen mit Möwenschreien. Es war so neblig, dass selbst riesige Gefährte wie Bagger und Lastenfahrzeuge ab 50m Entfernung praktisch unsichtbar wurden. Das ist nicht übertrieben!
Unsere Aufgabe war es, auf einem Feld Stöcke aufzustellen und einen Streifen Flatterband wie eine Fahne darum zu knoten. Das rot leuchtende und im Wind flatternde Band soll Vögel verunsichern und verhindern, dass sie sich auf der Fläche zum Brüten niederlassen. Insbesondere die Feldlerche und andere Bodenbrüter sollten so abgeschreckt werden, denn die Baustelle war immernoch im vollen Gange und man wollte keine Nester und Vögel mit den großen Geräten überrollen. Das nennt man “Vergrämung”.
Im Laufe unserer Arbeit wurde es tatsächlich immer heller draußen, der Nebel lichtete sich langsam und wir konnten die Landschaft um uns herum erkennen. Irgendwann tauchten Windräder und Bäume in der Ferne auf. Es war wirklich interessant zu beobachten, wie man immer mehr von seiner Umgebung erkennen konnte.
Am Mittwoch und Donnerstag sollten wir an einem anderen, ebenfalls sehr schön gelegenen Ort aushelfen. Unser Weg führte uns nach Oehe-Schleimünde, zu einem Naturschutzgebiet direkt am Meer. Dieses wird vom Verein Jordsand betreut, der uns um Hilfe gebeten hatte. Denn mit Beginn der Brut- und Setzzeit sollten dort mehrere Zäune errichtet werden, die die Vögel für Prädatoren schützten. Leider hatten vorherige Generationen wenig Erfolg beim Brüten, weil vermutlich ein Marder in der Gegend unterwegs war und dagegen sollte jetzt etwas unternommen werden.
Wir halfen natürlich gerne, aber diese Einsätze sollten uns länger begleiten, als wir anfangs geahnt hatten... Dieser Tag bildete nämlich erst den Auftakt zu mehreren Außeneinsätzen, die wir dort erleben sollten.
Zuerst mussten wir aber alles vorbereiten. Denn es musste aus dem Nichts mitten am Strand ein Zaun erschaffen werden. Also: Löcher ausgehoben, Meter ausgesteckt, der Sand geebnet, der Zaun ausgerollt und die Solaranlage errichtet. Der Zaun sollte elektrisch betrieben werden, damit garantiert keine Tiere zu den Nestern und den brütenden Vögeln gelangen würde.
Es dauerte den ganzen Tag, den “Schutzwall” zu errichten. Wir haben meterlange Holzpfähle in den Boden gesteckt und die Netzte aufgespannt. Damit das Gebiet wirklich sicher war, haben wir außerdem zusätzlich noch einen zweiten Zaun um den ersten gebaut, um alles dicht zu machen. In den nachfolgenden Außeneinsätzen ging es immer so weiter, wir teilten uns auf, Mal schlugen wir Metallheringe in den steinigen Sand oder füllten hunderte von Sandsäckchen, um den unteren Teil des Bodens damit zu beschweren.
Kira und ich schaufelten außerdem eimerweise schwere Kieselsteine in Schubkarren und in ein einzigartiges Gefährt mit dem Namen “Tuff-Tuff”, um damit die Steine auf die Fläche am Strand zu transportieren. Allerdings fehlte dem Tuff-Tuff ein Allradantrieb und es blieb immer wieder im höheren Sand stecken, sodass wir es auch viel schoben und uns dabei selbst beinah im Sand eingruben. Damit endete die Arbeit für den Tag aber nicht, denn wir bekamen zusätzlich den Auftrag, Kartoffelrosen zu entfernen, die am Zaun entlang wuchsen.
Am Ende unserer Kräfte schafften wir es, noch einige Pflanzen zu entfernen. Irgendwann blieben wir für ein Minuten einfach in unseren gebuddelten Sandkuhlen sitzen und genossen die Aussicht.
Ich hoffe, verehrte Leserschaft, dass Ihr es nachvollziehen könnt, wenn ich sage, dass die Außendienste in Oehe-Schleimünde sehr anstrengend waren... Ich hoffe wirklich, dass der Zaun seinen Zweck erfüllt und die Nester mit den Eiern besser beschützt sind, damit die Population nicht noch weiter dezimiert wird.
Am nächsten Tag hatte ich zwar keine Zeit mich von den Außeneinsätzen zu erholen, aber dafür durfte ich ein Stiftungsland kennenlernen, dass ich noch nie gesehen hatte. Die Binnendüne Nordoe liegt weit im Westen Schleswig-Holsteins, doch es ist eine wirklich sehr schöne Landschaft, die ich in unseren Stiftungsgebieten sonst noch nicht in der Art erleben durfte. Ungewöhnlich viele Nadelbäume stehen dort und das Gebiet ist dicht bewachsen, mit viel Schattenplätzen und Dünen mitten im Gebiet. Früher war es mal ein Militärgebiet, heute ist es ein wirklich erstaunlicher Lebensraum, reich an Artenvielfalt, um den sich die Stiftung nun kümmert.
Ich konnte eine Kollegin in dieses Gebiet begleiten, um dort Audiologger aufzuhängen, die die Geräusche von Tieren zu vorprogrammierten Zeiten aufnehmen, um anhand der Geräusche verschiedene Arten identifizieren zu können. Bepackt mit Leiter und Loggern, Tablet, einem Koffer mit Werkzeug und einer Spraydose zur Makierungssetzung stapften wir also durch das dichteste Unterholz und befestigten Logger an vorgegeben Positionen. Es war einer der ersten Tage im März mit wirklich schönem Wetter, deshalb konnte ich diesen Einsatz richtig genießen.
Damit beende ich den Blogeintrag für diese Woche wieder! Ich hoffe, auch dieser Eintrag hat Euch neue Einsichten in unserern FÖJ-Alltag geboten. Und vielleicht besucht jemand ja wirklich die beiden oben erwähnten Gebiete? Sie sind wirklich wunderschön.
Habt einen schönen Tag!
Auf bald!
- Anna
Haiku der Woche
Langsam erwacht ein
Frühlingsgefühl, Kiefern
Duften im Lichte.














