Unterwegs im Schneegestöber

Im nahezu letzten Winter-Blogeintrag erwartet euch nicht nur ein Schnee-Ausflug nach dem nächsten, sondern auch eine ganz besondere Begegnung im Moor...

Teure Leserschaft,

lang ist es her, seit das letzte Schreiben aus meiner Feder diese Website und Euch erreichte. Im Frühling waren wir nun schon viel unterwegs, wir waren auf Seminar (wie Ihr hoffentlich schon gelesen habt!) und im Urlaub, und auch in der Stiftung ist in der letzten Zeit einiges passiert.

Deutlich weniger los war im Februar, als noch Schnee unsere Stiftungsländer bedeckte und besonders Anna und Lorenz als Sommermenschen es lieber vermeiden wollten, sich zu viele Erfrierungen zuzuziehen. Doch neben Überstundenabbau und kleinen Büroaufgaben gab es auch in dieser Zeit hin und wieder Außenarbeit für uns zu erledigen. So zum Beispiel unsere Moortouren, die mich (als einzigen den Winter liebenden Menschen) zu Anfang der Woche wie immer zum Kaltenhofer Moor bei Stodthagen und ins Hasenmoor bei Felde führten.

 

Im Kaltenhofer Moor war es an diesem Tag so ruhig wie selten. Bei minus 8 Grad war der ganze Wald wie in einer Winterstarre gefangen und nur meine eigenen Fußschritte waren zu hören, während ich meinen Weg über eingefrorene Torfmoose und schneebedeckte Wurzeln suchte. Mitten im Moor durfte ich dann einen unvergesslichen, magischen Moment erleben: Keine fünfzig Meter vor mir zog eine Herde Damwild durch die Bäume, die kein Ende nehmen wollte. Sie bestand aus bestimmt 40 mit ihrem braun-weißem Fell perfekt getarnten Hirschen und Kühen – wir ließen uns gegenseitig keinen Moment aus den Augen und liefen in sicherer Entfernung nebeneinanderher, bis ich nach dem nächsten Pegel in die andere Richtung abbiegen und die Herde hinter mir lassen musste. Einzelne Rehe oder Damhirsche waren uns schon vorher begegnet, doch diese Gruppe war etwas völlig anderes und an die Begegnung werde ich mich wohl mein Leben lang erinnern.

Am Dienstag folgten die übrigen Pegel im Hasenmoor. Hier begegneten mir aber nur vereinzelte Vögel und ein Reh, welches vor mir über den Weg sprang und direkt dahinter im Gebüsch verschwand, sodass ich nicht viel mehr von dieser Tour zu berichten vermag. 

 

Der nächste kalte Außeneinsatz für mich war ein Auftrag am Winderatter See. Anna und Lorenz waren auch an diesem Tag anderweitig beschäftigt, sodass Bert, unser roter Jeep, nur mich, ein Tablet und ein Paar Gummistiefel zu transportieren hatte. Die Anfahrt zu einem kleinen Besucherparkplatz am See war somit kein Problem für ihn. Mein Auftrag war es zunächst, die Infoschilder, die rund um den See aufgestellt waren, zu überprüfen und einzumessen, denn der Flyer für den Rundweg um den Winderatter See sollte erneuert werden. Dafür sollten alle Infoschilder, die um den See stehen, im Flyer zu finden sein, und andersherum auch alle Schilder aus dem Flyer auch in echt zu finden sein – was sich bei diesem Spaziergang als nicht so selbstverständlich herausstellte, wie man vielleicht denken würde. So war ein Schild im Flyer falsch beschriftet, ein anderes an einer ganz anderen Stelle und so manches Schild schlichtweg durch jahrelange Wettereinwirkungen in einem eher suboptimalen Zustand (von einem Schild war nur noch ein kaputter Holzpfahl übrig). 

Die Wettereinwirkungen bekam auch ich im Laufe des Rundwegs immer mehr zu spüren, und während ich bei leichtem, wunderschönem Schneefall aus dem Auto ausstieg, froren mir nach der Hälfte des Wegs meine Finger bei jeder Bedienung des Tablet mehr und mehr ein, und als ich zum Auto zurückkehrte, musste ich über geschätzte 40 Centimeter hohe Schneewehen klettern, die den kleinen Bert völlig umgaben. Natürlich folgt auch auf so einen entspannten Außeneinsatz immer ein Abenteuer! Mit ganz viel Mut, Schwung und vielleicht auch etwas Glück schaffte es der Allrad-Snow-Modus von Bert jedoch unbeschadet durch die Schneehaufen hindurch und zurück zu Stiftung.

 

Am darauffolgenden Donnerstag war das Wetter zwar schlimmer (0 Grad und Schnee-Matsch-Regen), doch immerhin meine Vereinsamung nahm ein Ende – denn nicht nur Anna und Lorenz kehrten zurück, sondern auch Oskar und Siri waren heute dabei. Bei den werten Lesenden unter euch, die diesen Blog schon länger verfolgen, dürften die Namen schöne Erinnerungen wecken, denn Oskar und Siri sind niemand anderes als unsere geehrten Vorfahren, Vorbilder und Vor-FÖJtis, deren Schreibkünste den Blog vor Lorenz‘, Annas und meiner Zeit gefüllt haben. Für viele FÖJtis ist diese Zeit so besonders, dass sie sich lange und gerne an sie zurückerinnern oder sie am liebsten nochmal erleben würden, und deshalb begleiteten die beiden Ehemaligen uns für eine Moortour ins Dosenmoor. Unterwegs konnten wir viel plaudern und uns austauschen, während sie das durch die Moorbaustelle und viele Maßnahmen im letzten Jahr transformierte Dosenmoor neu erkundeten.

 

Freitag stellten Anna und ich uns einer letzten Herausforderung für diese Woche: der Kontrolle von Fledermauskästen. Jede zweite FÖJ-Generation hat die zweifelhafte Ehre, sich durch Matsch und Dickicht schlagen zu dürfen, um mehr oder minder hochqualitative Fotos von 20 im Wald aufgehängten Kästen zu machen. Doch damit der Wohnungsmarkt für die dortigen Fledermäuse nicht genau so endet wie der in deutschen Großstädten, liefen wir das Gebiet ab und konnten am Ende etwas zerkratzt die frohe Kunde überbringen, dass sich alle Wohnungen in einwandfreiem, habitablem Zustand befanden.

 

Und damit, liebe Leserschaft, haben wir schon wieder das Ende eines Blogeintrags erreicht, und mir bleibt nur noch eins:

Gehabt euch wohl, schützt eure örtliche Fledermauspopulation und ihren Wohnungsmarkt und freut euch auf den nächsten Blogeintrag!

-Kira

 

Haiku der Woche:

 

Schneewehe weiß, nur

still, getarnt zwischen Bäumen 

steht verstecktes Tier