Schnee, Schlamm und Schicksal: Eine Woche voller Nervenkitzel

Schnee verzaubert den Anfang, Metall kreischt im Alltag, Polizei prüft die Nerven – und im Moor lauern Eis, Schlamm und Dämmerung. Eine Woche wie ein Abenteuerroman.

 

Verehrte Leserschaft, 

 

lang ist’s her, doch das Bangen und Klagen findet nun sein Ende!  
Ich bin endlich aus meinem langen Weihnachtsurlaub zurückgekehrt, um Euch von einer der spektakulärsten Wochen zu berichten, die ich seit meines FÖJs erlebt habe – und das ist keine Übertreibung. Ich hoffe, hoheitliches Publikum, Ihr seid bereit, mit mir in die Vergangenheit abzutauchen und eine wahrlich haarsträubende Woche mitzuerleben.  

 

Zunächst begann alles recht friedlich. Am Dienstag war ich mit Kerstin unterwegs, um die Knierohre einzustellen. Wir taten also genau das, was die hochgeschätzte Kira Euch bereits letzte Woche berichtet hat, weshalb ich das nicht genauer ausführen werde. Was allerdings erwähnenswert ist, war der Fund eines großen Skeletts auf der Fläche, auf der wir stundenlang gewandert sind. Vier Sumpfohreulen hatten sich darauf niedergelassen und flogen auf, als wir uns ihnen näherten. Noch nie habe ich so viele freilebende Eulen auf einmal gesehen! Ich konnte leider nur ein Foto von dem Schädel des Skeletts ergattern, aber um der Vorstellungskraft halber werde ich noch ein Foto dieser Eulenart heraussuchen und ebenfalls hochladen.  

Nun begann unsere Woche zum ersten Mal, außergewöhnlich zu werden.  
Durch eine schlechte Wettervorhersage wurden unsere Außendienstpläne spontan über den Haufen geworfen und wir mussten uns eine andere Beschäftigung suchen. Wir entschieden uns dazu, eine Aufgabe anzunehmen, bei der wir den Wanderweg um den Winderratter See ablaufen sollten, um den Zustand der Infoschilder zu überprüfen. Es war furchtbar kalt an dem Tag und Regen war auch vorhergesagt, doch kaum waren wir die ersten Meter im Regen gelaufen, schlug dieser in Schnee um. Während unserer Wanderung wurde die Welt um uns langsam weiß und es kam in der Stille der Landschaft eine richtig märchenhafte Atmosphäre auf. Das Gras und die Bäume wurden vollständig in ein weißes Kleid eingehüllt, während unsere Finger langsam taub und kalt wurden. Es war ein furchtbar kalter, aber auch sehr schöner Ausflug und die Sitz- und Lenkradheizung waren eine große Erleichterung für unsere eiskalten Körper. 
  

Doch diese friedliche Stimmung sollte uns nicht in den folgenden Tagen vergönnt sein.
 

Wir waren von Hauke darum gebeten worden, bei dem Abbau des Amphibienzaunes zu helfen, von dessen Aufbau wir auch schon im Blog berichtet haben – der Kreis schließt sich, wie man sieht. Das verlief reibungslos und wir konnten schon am frühen Nachmittag die Rückreise antreten. Zumindest dachten wir das ... Doch das Schicksal hatte andere Pläne mit uns.  
Kira und ich waren an dem Tag mit Mausi, dem monströsen Ford Ranger, unterwegs und bereits auf der Hinfahrt hörten wir kurz vor der Ankunft ab und an ein seltsames Geräusch. Da das Auto aber normal fuhr und auch nichts anzeigte, dachten wir uns nichts dabei und brachten Mausi ohne Probleme zum Treffpunkt.  
Auf der Rückfahrt jedoch setzte kurz nach dem Losfahren plötzlich ein metallenes Kreischen ein, das sich nicht veränderte, ganz unabhängig vom Fahrverhalten. Verunsichert hielten wir notdürftig an einer Bushaltestelle an und versuchten mit bloßem Auge die Ursache zu erkennen, doch wir entdeckten nichts Auffälliges. Was macht man in einem solchen Fall? Richtig, man ruft verzweifelt das Sekretariat an, doch dort konnten wir auf die Schnelle niemanden erreichen.  

 
Der Ritter mit weißem Ross und strahlender Rüstung, erschien dann in Form eines Kollegen vom NABU, mit dem wir vorher den Zaun abgebaut hatten. Er konnte zwar auch nichts erkennen, aber bot uns an, uns zur nächsten Werkstadt zu leiten. Wir folgten ihm dankbar, denn wir wollten nur ungern mit Mausi weiterfahren, ohne zu wissen, was für ein Schaden vorlag.  
Ich fuhr langsam hinter unserem Retter her, als ich in den Rückspiegel blickte und dort ein Auto mit der Aufschrift “POLIZEI” erblickte. An dieser Stelle sollte erwähnt sein, dass ich erst Anfang 2025 meinen Autoführerschein gemacht habe und noch nie in eine Polizeikontrolle geraten bin, geschweige denn Kontakt zur Polizei hatte.  Bei diesem Anblick war ich natürlich nicht begeistert, denn in einer solchen Stresssituation, in der all meine Gedanken unserem möglicherweise kaputten Auto und den Konsequenzen galten, war ich nicht bereit, mich auch noch mit meiner ersten Polizeibegegnung herumschlagen zu müssen.  
 
Ich beobachtete im Rückspiegel, wie das Polizeiauto den Blinker setzt und zwischen uns und dem strahlenden Ritter einschert. Meine Nervosität stieg und ich wartete nur darauf, den Aufzug “BITTE FOLGEN” aufleuchten zu sehen. Stattdessen scherte die Polizei erneut aus, um sich vor unserem Helfer zu platzieren. Und plötzlich leuchteten die gefürchteten roten Buchstaben auf.  
Stress. Unsicherheit. Was sollten wir tun? Eigentlich muss nur das Auto direkt nach dem Polizeiwagen folgen, aber wir fuhren ja gerade in Kolonne mit unserem Vordermann. Waren wir deshalb auch gemeint? Wir entschieden uns dazu, ebenfalls anzuhalten. Wir erläuterten den Beamten die Situation und ich erlebte nervös meine allererste Führerscheinkontrolle, aber nach ein paar Minuten durften wir weiter zur Werkstatt fahren. Denn unser Auto war ja immernoch möglicherweise beschädigt!  
In der Zwischenzeit hatte das Sekretariat uns erreicht, mit uns beratschlagt und einen Termin der Werkstatt für uns organisiert, es war zum Glück noch ein Termin frei für uns.  
Am Ende stellte sich heraus, dass es sich lediglich um einen Stein gehandelt hatte, der sich beim Außendienst am Vortag zwischen den Scheibenbremsen verkeilt hatte. Erschöpft von all den Adrenalinausstößen kamen Kira und ich am späten Nachmittag zurück zur Stiftung und beendeten unseren Arbeitstag ... 

 

Und jetzt steht das finale Boss-Battle bevor.  
Eigentlich hatten wir für Freitag eine Moortour im Großen Moor bei Dätgen geplant. Wir sollten dort auch zwei neue Schilder anbringen, deshalb dachten wir, dass wir diese Aufgaben gut verbinden könnten.  
Wir kamen allerdings erst sehr spät los, weil wir noch die voll beladene Mausi vom Vortag ausräumen und Sternenschweif neu für unsere Aufträge beladen mussten. Wir hatten neben den Schildern noch zwei Pfähle, eine furchtbar schwere Pfahlramme und Akkuschrauber dabei. Am Moor angekommen, schleppten wir also zunächst all unser Zeug ins Moor rein, was nicht so leicht war, denn diese Ramme konnte man wirklich gut nur zu zweit tragen. Das wir dieses Metallungetüm noch mehrmals über unsere Kopfhöhe wuchten sollten, um den Pfahl in den vereisten Boden zu rammen, kam mir zunächst unmöglich vor, aber irgendwie schafften wir es.  

Zufrieden mit dem Ergebnis begannen wir dann, am fortgeschrittenen Nachmittag unsere Moortour anzutreten. Das Große Moor zählt zu den Mooren, bei denen wir am längsten für unsere Touren brauchen, weil wir lange Wege zwischen den Pegeln zurücklegen müssen und auch einmal per Auto das Gebiet wechseln.  
Wir kamen nur langsam voran und waren uns auch nicht mehr ganz sicher, welchen Weg wir mit dem Auto zu dem zweiten Gebiet fahren. Innerhalb von einem Monat verändern sich die Moore äußerlich so stark, dass wir die Orte manchmal kaum wieder erkennen und unsere Routine war zu dem Zeitpunkt noch nicht so sehr gefestigt.  
Und so kam es, dass wir einen Weg wählten, den wir vorher noch nie mit dem Auto gefahren sind ...  
 
Das war ein Fehler. Der Regen der letzten Tage hatte den Boden aufgeweicht und es handelte sich natürlich um keine befestigte Straße, deshalb mussten wir uns mit Sternenschweif durch den Matsch kämpfen. Kira und ich haben beide keine Erfahrung mit Geländefahrten und wir zitterten zu Recht bei jeder schlammgefüllten Vertiefung. Der Matsch spritzte in alle Richtungen und unser Auto glänzte bald nicht mehr so silbern wie sein Name vermuten würde ...  
Als wir dann endlich auf der Höhe des ersten Pegels angekommen waren, stiegen wir aus und machten uns auf den Weg durchs Unterholz, nicht mehr auf unserer typischen Route, deshalb wussten wir auch gar nicht genau, ob wir den Pegel von dieser Seite erreichen konnten. Und als wir schließlich auf der Fläche ankamen, wo sich das gesuchte Objekt befand, stellten wir fest, dass das gesamte Wasser gefroren war.  
Das machte es natürlich noch schwieriger, denn wir konnten überhaupt nicht einschätzen, wie weit wir nach jedem Schritt im Wasser einsinken würden, wenn das Eis erstmal zerborsten war. Ganz, ganz langsam tasteten wir uns Schritt für Schritt vor.  
 

Die Dämmerung setzte langsam ein. Gleichzeitig steckte Sternenschweif in einer Sackgasse fest, denn der Weg vor unserem geparkten Auto wurde unpassierbar für unser geliebtes Einhorn. Mit diesem Wissen machte sich langsam Unruhe in uns breit, denn im Dunkeln zurück durch all den Matsch zu navigieren, war kein verlockender Gedanke und wir wollten wirklich nicht steckenbleiben. Bei jedem Schritt durchs Eis wurde es dunkler und dämmriger ...  
 
Wir wurden zu nervös und gaben uns irgendwann geschlagen. Wir drehten um und kehrten zurück zu Sternenschweif. Erst wieder den ganzen Weg zurück durch die gefrorene Wasserfläche, das meterhohe Pfeifengras und in den Wald. Wir mussten erneut die Matschlöcher passieren, bei denen wir auf der Hinfahrt erleichtert waren, nur einmal dort durchfahren zu müssen.  
Es war ein Abenteuer und wir waren sehr nervös, ich war ausgestiegen und lief vorneweg, um Kira den besten Weg zu zeigen, doch wir schafften es gerade rechtzeitig zur Dunkelheit aus dem Wald raus.  

Vielleicht vermag sich unser erhabenes Publikum vorstellen, was für ein Erleichterungsgefühl sich in uns ausgebreitet hat, als wir wohlbehalten mit Auto in der Stiftung ankamen.  

 

 

Diese Woche wird auf jeden Fall unvergesslich bleiben.   

 

Das Haiku der Woche 

Schneeflocken tanzen,  

Von der Dunkelheit verfolgt, 

Bricht Eis in Stücke.