Verehrte Leserschaft,
eine Woche von solch dichter Ereignisfülle ist mir zuletzt vielleicht im Geschichtsunterricht begegnet – und selbst dort wurde großzügiger geschnitten. Dennoch sehe ich mich in der Pflicht, Ihnen Bericht zu erstatten, denn was sich in diesen Tagen zwischen Berlin, Kiel, der Stiftung Naturschutz und Klöndeel zugetragen hat, war ebenso erschöpfend wie bemerkenswert.
Der Wochenauftakt führte mich am Montag und Dienstag in meiner Funktion als Bundesdelegierter in die große, weite Hauptstadt Berlin. Anlass war der Engagement-Tag, eine Veranstaltung, bei der das ehrenamtliche Engagement in Deutschland gefeiert, gewürdigt und – man verzeihe mir den Ausdruck – ordentlich beackert wurde.
Wir waren dort, um das FÖJ zu vertreten, Flagge zu zeigen, Gespräche mit Politiker*innen zu führen, Lobbyarbeit zu betreiben und unsere Perspektive in mal mehr, mal weniger interessanten Inputs unterzubringen. Wir hörten aufmerksam zu, meldeten uns pflichtbewusst zu Wort, trugen unseren Senf bei und bewiesen dabei eine beachtliche Standfestigkeit zwischen Podiumsdiskussion und Buffet.
Untergebracht waren wir stilecht bei einem FÖJtler aus Berlin, der uns ein geräumiges Sofa zur Verfügung stellte – ein Akt solidarischer Gastfreundschaft, der nach langen Tagen voller politischer Inhalte nicht hoch genug geschätzt werden kann.
Kaum hatte ich mich an den Berliner Großstadtpuls gewöhnt, da rief am Mittwoch bereits das nächste politische Parkett: der Landtag in Kiel. Wieder zurück in Schleswig-Holstein durfte ich gemeinsam mit vielen weiteren FÖJ- und FSJtlerinnen einen Einblick in die Politik auf Landesebene erhalten. Nach einem informativen Einstieg folgte der Teil, auf den sich alle heimlich am meisten gefreut hatten: vorbereitete Fragen an Politikerinnen verschiedener Fraktionen.
Es wurde diskutiert, argumentiert, widersprochen und verteidigt – hitzige Wortwechsel waren ausdrücklich erwünscht und gehörten quasi zum guten Ton. Ein anstrengender, aber ausgesprochen spannender Tag, der Politik greifbarer machte, als es jedes Schulbuch je vermocht hätte.
Der Donnerstag versprach zunächst so etwas wie Normalität: Endlich wieder zurück in meiner Einsatzstelle bei der Stiftung Naturschutz. Doch die trügerische Ruhe hielt nicht lange an, denn Anna und Kira – der Leserschaft wohlbekannt – waren verhindert. So sah ich mich allein einem Erste-Hilfe-Kurs gegenübergestellt.
Spannend war er ohne Frage, zäh allerdings auch. Nach einer Woche voller politischer Inputs, Diskussionen und Reisen war mein geistiger Akku bereits bedenklich im roten Bereich, doch ich hielt tapfer durch, verband imaginäre Wunden und wiederholte geduldig stabile Seitenlagen.
Zur Erholung blieb allerdings kaum Zeit, denn bereits am Freitag ging es weiter zur nächsten Station: der Landesdelegiertenkonferenz in Klöndeel. Von Freitag bis Sonntag standen ehrenamtliches Engagement, gemeinsames Kochen und kollektives Beisammensein auf dem Programm.
Inhaltlich war ich dort Teil des AK Politik, wo wir intensiv an unserem Positionspapier arbeiteten. Ziel war es, Forderungen an die Politik in Schleswig-Holstein zu formulieren – schließlich stehen Wahlen an, und die Parteien schreiben fleißig an ihren Wahlprogrammen. Wir entwickelten Argumentationsstrategien, überlegten, wie Gesprächstermine mit Politiker*innen zustande kommen könnten, und feilte an klaren inhaltlichen Positionen.
Doch wie es sich für eine ordentliche LDK gehört, blieb es nicht nur bei Arbeit und Diskussion. Die Struktur erinnerte stark an ein Seminar: gemeinsam kochen, gemeinsam essen, gemeinsam entscheiden, welcher Film den Abend prägen sollte. Der Konsens lautete zunächst geschlossen auf Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, um dem Winter-Vibe gerecht zu werden.
Und so geschah es auch – zumindest für den Großteil. Eine kleine, aber standhafte Gruppierung entschied sich jedoch für einen alternativen Weg und zog sich mit einem Tablet auf das Sofa zurück, um Jurassic Park zu schauen.
Zu dieser Gruppe gehörte, man ahnt es bereits, auch meine Wenigkeit welche die Idee eines alternativen Filmes erst hervorgebracht hatte. Man muss schließlich Prioritäten setzen.
So endete eine Woche, die gleichermaßen von politischem Engagement, inhaltlicher Tiefe, sozialem Miteinander und einem nicht zu unterschätzenden Maß an Erschöpfung geprägt war. Eine Woche, die gezeigt hat, wie vielfältig ein FÖJ sein kann – und wie schnell man von der Hauptstadt ins Moor, vom Plenarsaal aufs Sofa und vom Positionspapier zum Dinosaurierfilm wechseln kann.
Und mit diesen Eindrücken entlasse ich Sie nun zurück in Ihren Alltag.
Bleiben Sie engagiert, neugierig und stets diskussionsbereit.
Auf bald!
-Lorenz
Haiku der Woche
Mikrofon hallt noch,
im FÖJ flackert Filmlicht auf,
Politik atmet.







