Regen, Wildschweine und Widerstand

Matsch, Motorsound und Meinungsmut: Eine FÖJ-Woche zwischen Freischneider, Wildschweinen und Klimademo

Geneigte Leserschaft,

der November ist hereingeschneit – oder besser gesagt: hereingeregnet – und mit ihm eine Woche voller kleiner Abenteuer, Matsch, Motorsound und ein wenig politischem Engagement. Zeit also, wieder einmal aus unserem bewegten FÖJ-Alltag zu berichten.

Beginnen wir am Montag, oder vielmehr: nicht. Denn ich hatte frei – hochverdient, wie ich anmerken möchte, da das Wochenende zuvor ganz im Zeichen der großen Bundesdelegiertenkonferenz stand. Zwischen hitzigen Diskussionen, radikal zu wenig Schlaf und viel Kakao bleibt da kaum Zeit für Erholung. Also nutzte ich den freien Tag, um exakt das zu tun, was man nach einem FÖJ-Wochenende am besten macht: Aufräumen, einkaufen, Klamotten waschen und Kakao trinken.

Am Mittwoch ging es dann wieder los – mit deutlich mehr Energie, als der graue Himmel vermuten ließ. Auf dem Plan stand unsere Einführung in den Freischneider, jenes brummende Werkzeug, das irgendwo zwischen Gartengerät und Zerstörungsmaschine rangiert. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung ging es sofort an einen monströsen Auswuchs eines Weißdornbusches. Unsere Aufgabe war das Freilegen eines Zaunes, aber der besagte Busch war tief in den Zaun eingewachsen und als wir in der geschnitten Schneise standen, ragte der Weißdorn auf beiden Seiten weit über 2 Meter über unsere Köpfe.
Das Highlight des Tages folgte aber kurz darauf: Wildschweine! Zwei oder drei dieser Tiere zogen nur ein paar Meter vor uns von dannen. Anscheinend hatte wir sie beim Mittagsschläfchen gestört. Die Anzeige wegen Ruhestörung lässt allerdings noch auf sich warten.

Der Donnerstag führte uns dann zum Sehlendorfer Binnensee, wo Entkusselungen auf dem Programm standen. Es galt die allseits verhassten Kartoffelrosen und deren Überreste aus der Erde zu holen, um ihre Ausbreitung zu stoppen. Es war ein langer Tag und da die Arbeit eher zäh und langweilig war, hielten wir uns mit philosophischen Diskussionen bei Laune.

Am Freitag stand zunächst ein kurzer Abstecher zur Mülldeponie an. Kein glamouröser Ort, aber man bekommt immerhin einen ehrlichen Eindruck davon, wohin all das wandert, was wir so auf den Stiftungsflächen finden. Danach folgte ein Kontrastprogramm: Klimademo!
Mit Bannern, Schildern und kalten Füßen zogen wir gemeinsam durch die Straßen. Es war laut, bunt, engagiert – und tat gut, nach der ganzen körperlichen Arbeit der Woche auch einmal die Stimme zu erheben.

Alles in allem also eine Woche voller Gegensätze:
Von motorschnurrenden Werkzeugen über suhlende Wildschweine bis hin zu politischen Parolen – das FÖJ bei der Stiftung Naturschutz bleibt eine Erfahrung voller Naturabenteuer, Umweltbildung und Selbstentfaltung.

Bis zum nächsten Mal, geneigte Leserschaft –
möge euer Thermobecher nie leer und eure Regenjacke stets dicht sein.

Haiku der Woche

Regen auf Stiefeln

Wildschwein flieht, der Motor brummt

Kakao hält noch warm